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Nachwachsende Bioenergie
Die Welt benötigt Alternativen
Erdöl, der weltweit wichtigste Energieträger hat zwei wesentliche Nachteile. Seine Ressourcen sind endlich und beim Verbrennen entsteht das klimaschädliche Treibhausgas CO2. Will der Mensch seinen derzeitigen Lebensstandard auf lange Sicht sichern oder gar verbessern und den Schutz des Klimas vorantreiben, ist er gezwungen, in immer stärkerem Maße Erdöl durch alternative Energieträger zu ersetzen. Die Natur bietet diesbezüglich zahlreiche Alternativen, die sich dem Sektor Bioenergie zuordnen lassen.
Bioenergie stellt die energetische Nutzung von Biomasse dar. Feste, flüssige und gasförmige Biomasse kann zur Erzeugung von Wärme und Strom sowie als Treibstoff genutzt werden. Als geeignete nachwachsende Rohstoffe gelten Zuckerrohr bzw. -rüben, Raps, Holz, Stroh, Hanf, Mais, Getreide, Palmöl, Algen u.v.m.
- Ethanol: Mit großem Abstand der weltweit bedeutendste Biotreibstoff. Er wird durch die alkoholische Gärung und anschließende Destillation von zucker- und stärkehaltigen Pflanzen gewonnen.
- Biodiesel: Bedeutendster Biotreibstoff Europas, der durch eine chemische Reaktion (Umesterung) ölhaltiger Biomasse inkl. weiterer Verarbeitungsprozesse gewonnen wird.
- Biogas: Möglichkeit, durch bakterielle Faulprozesse aus Gülle, Bioabfällen und nachwachsenden Rohstoffen Methan zu gewinnen, um daraus Wärme und Strom zu generieren.
Der World Bioenergy Total Return Index (BIOX) wird von der SAM Group zusammengestellt und von Dow Jones Indexes berechnet und veröffentlicht. Er enthält zehn Unternehmen des Bioenergie-Sektors aus der ganzen Welt. Die Société Générale bietet ein entsprechendes Index-Zertifikat (WKN: SG9BEX) mit unbegrenzter Laufzeit an, mit dem Anleger an einer erwarteten Aufwärtsbewegung des Index nahezu 1:1 partizipieren können. Die jährliche Managementgebühr des Zertifikats beträgt 0,85 Prozent und einige der Indexmitglieder unterliegen einem Währungsrisiko.
Index-Zertifikate auf Bioenergie-Aktien
Link auf Societe Generale für WKN SG9BEX
Keine Schnapsidee
Bioethanol liegt im Trend. Statt neue Erdölraffinerien entstehen zu lassen, setzen die USA bei Neuinvestitionen auf alternative Kraftstoffe. Die letzte Ölraffinerie wurde in den USA in den 70er Jahren gebaut. Der Bioethanol-Boom begann im Jahr 2006 durch ein neues US-Energiegesetz, das die Verbreitung von E10 (10 Prozent Ethanolbeimischung zum Benzin) vorsah. Darüber hinaus soll auch E15 (15 Prozent Ethanol) in einigen US-Bundesstaaten eingeführt werden. Für die Nutzung von E15 müssen die Motoren der Fahrzeuge umgerüstet werden und es gibt bereits erste Fahrzeuge von General Motors und Ford, die entsprechende Fahrzeuge in den USA anbieten. Sollte sich E15 durchsetzen, und es spricht vieles dafür, so wären die Autohersteller, die bereits jetzt in diesem Bereich forschen, nach langen Jahren mit schwachen Geschäften die großen Gewinner.
In Brasilien ist jedes zweite Fahrzeug ein so genanntes Flex-Fuel-Vehicle (FFV), also für den Betrieb mit Ethanol über einer Bemischung von 10 Prozent vorbereitet. In Brasilien tanken Autofahrer standardmäßig E20, also 20 Prozent Ethanol und 80 Prozent Benzin. Bis Anfang Januar 2007 war noch E25 gängig. Durch eine drohende Verknappung bei Zucker senkte die brasilianische Regierung die Beimischung allerdings zuletzt wieder auf E20, was zur Folge hatte, dass die brasilianische Ölgesellschaft Petrobras fast ihren gesamten Benzinexport einstellen musste, um die inländische Benzinnachfrage durch diese Gesetzesänderung bedienen zu können. In Europa ist der Standard E5 (5 Prozent Ethanolbeimischung zum Benzin) gängig. Im April 2008 stoppte Bundesumweltminister Sigmar Gabriel eine Biosprit-Verordnung, die einen Ethanol-Anteil von 10 Prozent vorgesehen hätte. So meinte der Minister: "Die Umweltpolitik wird nicht die Verantwortung dafür übernehmen, dass Millionen von Autofahrern an die teuren Super-Plus-Zapfsäulen getrieben werden".
Energiekrise macht erfinderisch
Für jedes Land ist die Basis, die zur Herstellung des Alkohols Ethanol verwendet wird, unterschiedlich, je nach dem, welcher Rohstoff gerade verfügbar ist. Eine Studie des Bundesministeriums für Verbraucherschutz, Ernährung und Landwirtschaft kam zu dem Ergebnis: Zuckerrüben, Weizen, Roggen, Mais und Kartoffeln sind am besten für die Produktion von Bio-Ethanol geeignet. Grundsätzlich kann aus jeder zucker- oder stärkehaltigen Pflanze durch Vergärung Alkohol hergestellt werden. Wird bisher nur die Stärke in Ethanol umgewandelt, sollen zukünftige Technologien auch die Fasern der Pflanzen genutzt werden können. Da in den USA Mais in Hülle und Fülle vorhanden ist, liegt es nahe, dass die USA auch diesen Rohstoff zur Ethanolherstellung verwenden.
Südamerika setzt auf Zuckerrohr, während Deutschland Roggen bevorzugt. In Deutschland bietet sich die Nutzung von Roggen an, da die EU-Subventionen für dieses Getreide wegfallen werden und es in Brandenburg Roggen in Hülle und Fülle gibt. Mit Modellen von Ford, Saab, Volvo, Citroen, Renault und Audi (ab Januar 2009) sind solche Fahrzeuge mittlerweile auch in Deutschland erhältlich. In Schweden wird Bioethanol aus Holz- und Papierabfällen hergestellt – kostengünstig und völlig umweltverträglich. Auch China testet die Einführung von Ethanol. Erste Versuche werden in chinesischen Großstädten durchgeführt. China will als Rohstoff neben Zuckerrohr auch auf Mais setzen.
Auch Amerikaner denken um
In den USA kam es im Frühjahr 2006 durch eine folgenschwere Entscheidung der US-Regierung für Ölraffinerien zu einem starken Nachfrageschub bei Ethanol. Die Regierung hat sich dem Druck der Umweltschützer gebeugt und will bis Anfang Mai kein MTBE mehr bei der Benzinherstellung verwenden. MTBE ist ein Derivat aus Erdgas und wurde bisher dem Benzin beigemischt, so dass es möglichst vollständig und somit sauber verbrennt. Ein idealer Ersatz zu MTBE ist Bioethanol, da es ebenfalls die Eigenschaft besitzt, die Klopffestigkeit eines Ottomotors zu verbessern.
Wer nun in den Ethanolsektor investieren möchte, wird feststellen müssen, dass die Kurse deutlich unter ihre Höchststände gefallen sind. Auf dem ermäßigten Kursniveau sollten Anleger vor allem in die Aktien der wichtigsten Anbieter investieren. Wir möchten Ihnen nachfolgend einige Zertifikate aus dem Bereich Biotreibstoffe vorstellen.
Index- bzw. Basket-Zertifikate auf Biotreibstoff-Aktien
Index-Zertifikate auf Biotreibstoffe
Kritische Gedanken zur Nutzung von Bioenergie
Nicht so ganz grün
Biomasse wird zwar von der Masse der Anleger als klimafreundliches Substitut des Erdöls betrachtet, es können aber durch die intensive Nutzung dieser nachwachsenden Rohstoffe auch einige Probleme entstehen. Als unbestritten gilt die Aussage, dass Biotreibstoffe die Treibhausgase um über 30 Prozent senken können, allerdings treten beim Anbau und bei der Produktion zum Teil gravierende Umweltprobleme auf. Einfaches Beispiel: Eine Rodung von Regenwaldflächen, um danach Palmöl-Plantagen anzulegen, kann aus ökologischer Sicht keinesfalls umweltfreundlich sein, schließlich muss das produzierte Palmöl meist noch über weite Strecken zum Käufer transportiert werden.
Überdüngung und Versauerung der landwirtschaftlichen Anbauflächen sowie der Trend zur verstärkten künstlichen Bewässerung verschlechtern die energetische Bilanz so mancher Biomasse zusätzlich. Die Forderung nach ökologischen und sozialen Qualitätsstandards und Zertifizierungssystemen für die Produktion von Biomasse und eine differenziertere staatliche Subvention werden daher immer lauter.
Da große Bevölkerungsteile in der Welt noch immer unter Hunger leiden, wirft die wachsende Konkurrenz zwischen Nachfragern aus dem Energie- und dem Lebensmittelsektor und der damit drohende Preisanstieg auch eine ethische Frage auf: Sollten die Ausgangsstoffe zahlreicher Nahrungsmittel immer stärker energetisch oder in ihrer ursprünglichen Form genutzt werden, nämlich dem Stillen von Hunger.




