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    Es ist kaum zu glauben, aber die Kohlepreise sinken. Denn an Kohlereserven fehlt es ja nicht. Nur müssen sie, wenn möglich ohne Streiks und Unfälle, gehoben und dann auch transportiert werden. Kohle ist ein sperriges Gut, das sich mit höherwertigen Metallen die Transportwege, Schiffe und Häfen teilt. Große Fortschritte wurden hier insbesondere in Südafrika erzielt. Die immer wieder ausbrechenden, heftigen Streiks der Minenarbeiter scheinen der Vergangenheit anzugehören, Management und Organisation haben deutlich an Effizienz gewonnen, und die veralteten Transportwege wurden renoviert. Jedoch gibt es gerade in jüngerer Zeit (November 2007) immer wieder neue Todesfälle in Minen und die Rufe der Gewerkschaften nach weiterer Modernisierung der Minen werden immer lauter. Es ist damit zu rechnen, dass hier Millioneninvestitionen gestemmt werden müssen. Bei den teilweise mehrere Kilometer tiefen Schächten ist davon auszugehen, dass die Modernisierungsarbeiten nicht ohne Produktionsunterbrechungen durchgeführt werden können. Aber die Verhältnisse in Südafrika haben sich in den letzten Jahren deutlich gebessert. Hinzu kommt das neue Angebot aus Kolumbien, Australien und Indonesien. Auch das Wachstum der Nachfrage, insbesondere nach Koks, scheint nachzulassen, weil erstmals die chinesischen Stahlkocher auf dem Weltmarkt mitmischen und damit ihre Konkurrenten zur Rücknahme ihrer Produktionsmengen zwingen. Im Augenblick mag das wie ein Krisenszenario aussehen. Mittel- und langfristig wird Kohle aber wieder knapp werden Sie brauchen sich nur vorzustellen, dass die großen Wachstumsregionen entweder über keine oder zumindest über unzureichende Kohlereserven verfügen. Da ist zum Beispiel China, dessen Kohleproduktion schon seit Jahren nicht mehr ausreicht, um den Eigenbedarf zu decken. Noch wichtiger erscheint uns, dass sie sogar weiter sinken wird, weil die chinesische Regierung einfach nicht mehr hinnehmen kann, dass die chinesischen Kumpel unter inhumanen Bedingungen arbeiten und in unvorstellbar großer Anzahl bei Minenunglücken ihr Leben lassen. Ähnliches gilt für die Nachfolgestaaten der Sowjetunion. Minen gibt es genug, sie müssten aber alle geschlossen werden, wenn auch nur ein Minimum an Sicherheit gewährt werden soll. Indien und Brasilien verfügen über nahezu keine Kohlevorkommen. Gerade in diesen beiden Ländern wird aber der Kohleverbrauch kräftig steigen. Niemand sollte erwarten, dass eine industrielle Revolution, wie sie in all diesen großen Nationen stattfindet, ohne Rückschläge bei den Rohstoffen abläuft. Kohle und Stahl sind aber Wachstumsmärkte eines ganzen Jahrhunderts.

    Die Nachfrage

    Die Nachfrage wächst nach wie vor jährlich um mindestens zehn Prozent, die jetzt fast ausschließlich über Importe gedeckt werden müssen. Kalte Winter und heiße Sommer strapazieren zunehmend die Märkte, weil mit dem zunehmenden Wohlstand eben auch mehr gekühlt oder geheizt wird. Auch wenn die Umweltverschmutzung unerträgliche Ausmaße annimmt, werden die Investitionen in neue Energiequellen immer wieder durch den zusätzlichen Energiebedarf überrollt. Auch in Deutschland entstehen fernab der öffentlichen Wahrnehmung und ungeachtet der Klimaproteste zahlreiche neue Kohlekraftwerke. Proteste helfen da wenig. Besonders viele Kohlekeaftwerke entstehen aber in China. Dutzende sind hier für die nächsten Jahre in Planung. Proteste werden auch nur halbherzig vorgetragen, weil eine harte Landung der chinesischen Wirtschaft und die Stagnation des Wohlstandswachstums erhebliche Gefahren für die Weltwirtschaft mit sich brächten. Indirekt ist zumindest deshalb eine Entlastung der Umwelt möglich, weil das reichlicher gewordene Angebot zu einem Qualitätswettbewerb führen kann. Niedrige Kohlequalitäten mit höherem Verschmutzungsgrad könnten durch höhere ersetzt werden, die bei gleicher Menge deutlich bessere Heizwerte erzielen. Je niedriger also die Qualität, desto größer könnte Preisverfall sein. Dagegen spricht allerdings, dass die großen Kohleminen gerade jetzt von den chinesischen Abnehmern Preiserhöhungen für alle Kohlesorten von mindestens fünf Prozent verlangen. Bisher weigert sich die chinesische Regierung, auf diese Forderungen einzugehen. Sie könnte aber unter erheblichen Druck geraten, weil die Lagerbestände wegen des bitterkalten Winters rasant zurückgehen. In einigen Regionen soll bereits Stroh zur Energieerzeugung verfeuert werden. Es besteht also akuter Handlungsbedarf, und bisher hat China bei lebensnotwendigen Rohstoffen immer nachgegeben. Bei Kokskohle galt bisher dasselbe. Wegen des enormen Wachstums der Stahlindustrie stieg im Gleichschritt der Verbrauch. Aber möglicherweise kommt es hier zu einem Nachfrageknick. Die chinesische Regierung verstärkt ihren Druck auf die unzähligen kleinen Stahlunternehmen, die mit ihren veralteten Anlagen unrentabel geworden sind. Es könnte zu zahlreichen Schließungen kommen. Dagegen tritt Indien mehr und mehr als gewichtiger Nachfrager auf. Das Defizit an Heizkohle scheint rasant zu wachsen. Außerdem hat man gerade begonnen, die Infrastruktur des Landes massiv auszubauen. Deshalb braucht das Land große Mengen Kokskohle, die zu 100 Prozent eingeführt werden müssen. Ähnliches gilt für Brasilien. Wegen der Nähe zum Eisenerz, der niedrigen Lohnkosten und der exzellenten Standorte am Meer mit eigenem Zugang zu den Häfen siedeln sich hier mehr und mehr große Stahlunternehmen an. Auch Brasilien hat nahezu keine Kohlevorkommen. In den Industriestaaten stieg die Nachfrage, insbesondere in den USA und Japan, die wegen der hohen Gas- und Erdölpreise vermehrt auf die Verfeuerung von Kohle zur Energiegewinnung übergingen. Auch in Europa hätte man gewünscht, mehr Kohle zur Energiegewinnung einzusetzen. Dies ist allein an der sehr begrenzten Kapazität der europäischen Häfen gescheitert. Es scheint also nicht die Nachfrage, sondern das Angebot zu sein, das auf die Preise drückt.

    Dagegen geht das Wachstum der Kohleproduktion in China deutlich zurück. Inzwischen wurden tatsächlich 2.000 kleine Kohleminen geschlossen, die unter katastrophalen Bedingungen ihre Bergarbeiter ausbeuteten. Weitere 2.000 sollen in diesem Jahr folgen.

    Mehr als die Hälfte der zusätzlichen Weltproduktion wird allein China abnehmen. Hinzu kommt Indien mit mindestens 30 Millionen Tonnen. Die USA waren bisher Nettoimporteur und werden deshalb einen Großteil ihrer wachsenden Eigenproduktion selbst brauchen. Der Weltüberschuss könnte also schnell wieder abnehmen. Viel hängt natürlich vom Ölpreis ab. Sollte er wieder auf unter 50 Dollar fallen, und davon ist eher nicht auszugehen, könnte eine erneute Substitution von Kohle durch Öl und Gas eintreten. Hinzu kommen die Bemühungen der chinesischen Regierung, bis zu den Olympischen Spielen wenigstens in den Großstädten die Umweltverschmutzung zu lindern, also statt Kohle Öl oder Gas zu verfeuern. Insgesamt kann deshalb wohl davon ausgegangen werden, dass es in den ersten Monaten dieses Jahres zu einem Überschuss des Weltangebots kommt, das aber vermutlich bald wieder von der zusätzlichen Nachfrage aufgesogen wird. Engpass bleibt weiterhin die Kapazität der Häfen. Sie ist völlig unberechenbar, denn sollte die Nachfrage nach anderen, werthaltigen Gütern steigen, so würde die für Kohle vorgesehene Kapazität sinken. Dagegen scheint es inzwischen ausreichende Schiffskapazitäten zu geben, die vor allem wegen der ungewöhnlich hohen Eisenerztransporte aufgebaut wurden. Insofern konkurriert Kohle mit Eisenerz, ist aber auch mit ihm verbunden, weil die Nachfrage von Eisenerz und Kokskohle miteinander steigt beziehungsweise sinkt. Zurzeit wird mit fallenden Frachtraten gerechnet, die einen zusätzlichen Spielraum bei den Preisverhandlungen für Eisenerz und Kohle erlauben. Es ist also keineswegs sicher, ob nicht letztlich doch Preiserhöhungen durchgesetzt werden können. Wir sind davon überzeugt, dass Kohle mittel- und langfristig knapp bleiben wird.

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