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    Inhaltsverzeichnis

    Bruttoinlandsprodukt – BIP (Gross Domestic Product – GDP)

    • Marktanfälligkeit: Mittel bis hoch.
    • Kurzbeschreibung: Als wichtigster Indikator für die Stärke der Wirtschaft gibt das Bruttoinlandsprodukt die Geschwindigkeit des Wirtschaftswachstums an.
    • Online-Publikation: www.bea.gov/bea/dn/home/gdp.htm
    • Homepage: www.bea.gov
    • Erscheinungstermin: 8:30 Uhr (ET) / 14:30 Uhr (MEZ), vorläufige Daten werden Ende Januar, April, Juli und Oktober veröffentlicht. Zwei Revisionsrunden erfolgen in monatlichen Abständen (das Bureau of Economic Analysis (BEA) plant, ab 2006 auf einen zweiwöchentlichen Veröffentlichungsturnus umzusteigen).
    • Erscheinungshäufigkeit: Quartalsweise.
    • Quelle: Bureau of Economic Analysis (BEA), Commerce Department (Amt für Wirtschaftsanalyse des Handelsministeriums).
    • Revisionen: Revisionen sind mäßig, in Einzelfällen aber auch fundamentaler. Jährliche Revisionen erfolgen Ende Juli und enthalten die vollständigen Daten. Historische Daten werden alle fünf Jahre revidiert und reichen manchmal bis zur Entstehung des Indikators im Jahr 1929 zurück.

    Bedeutung

    BIP - das sind die berühmtesten Initialen der Finanzwelt; das Bruttoinlandsprodukt ist die Mutter aller Indikatoren, es ist die wichtigste Statistik jedes beliebigen Quartals. Die Lektüre ist Pflicht für jedermann, weil das BIP insgesamt das beste Barometer für die Höhen und Tiefen der wirtschaftlichen Entwicklung ist. Prognostiker analysieren die Zahlen sorgfältig auf Hinweis, wohin die Konjunktur-Reise geht. Vorstandsvorsitzende ziehen es für Businesspläne und Umsatzprognosen sowie bei Entscheidungen über Neueinstellungen zurate. Fondmanager ziehen den Wert zurate, um ihre Anlagestrategien zu optimieren. Das Weiße Haus in Washington und die Notenbank (Federal Reserve) sehen das BIP als Gradmesser, wie wirkungsvoll ihre politischen Maßnahmen sind. Aus diesen und vielen anderen Gründen wird der Indikator jedes Quartal mit größter Ungeduld erwartet.

    Die Zahlenflut des BIP kann einem am Anfang durchaus Angst einflössen. Einfach ausgedrückt ist das BIP das Gesamtpreisschild für alle Güter und Dienstleistungen, die in den USA erzeugt wurden. Es ist die Summe aller Werkzeuge, Autos, Eigenheime, Kinderbetten, Videospiele, Arztrechnungen, Bücher, Zahnpastatuben, Hot Dogs, Haarschnitte, Brillen, Jachten, Drachen und Computer – es wird wohl klar, was gemeint ist –, die in einem bestimmten Zeitraum in den USA verkauft oder von den USA exportiert wurden. Sogar alle Waren, die produziert, aber nicht verkauft oder exportiert wurden und jetzt in irgendwelchen Regalen oder Lagern liegen, werden dazugezählt, da sie ja trotzdem im entsprechenden Zeitraum montiert wurden. Das BIP repräsentiert also den Gesamtwert der gesamten Produktion der US-Wirtschaft, unabhängig davon, ob die Produkte verkauft oder ins Lager gebracht werden.

    Die Analyse des BIP über die letzten 50 Jahre macht deutlich: Die amerikanische Wirtschaft tendiert zum Wachstum. Die Produktion von Gütern ist bei weitem über mehr Jahre gewachsen, als sie zurückgegangen ist. Obwohl die Wirtschaft immer noch Rezessionen unterliegt, sind diese Tiefpunkte der Wirtschaft seit dem Zweiten Weltkrieg kürzer und flacher geworden. Je schneller und höher das Wirtschaftswachstum, desto mehr Arbeitsplätze stehen zur Verfügung. Je mehr Arbeitsplätze, desto höher sind Einkommen und Verbraucherausgaben. Je höher wiederum diese Ausgaben, desto mehr Produkte und Dienstleistungen werden produziert und mehr Arbeitsplätze werden geschaffen, und je mehr Arbeitsplätze, desto höher sind Einkommen und desto höher die Verbraucherausgaben, und siehe da! – der wirtschaftliche Aufschwung nährt sich selbst. Aber die Auswirkungen des Wirtschaftswachstums können sogar über die Grenzen hinaus beobachtet werden. Wenn die USA mehr Autos, mehr Kleidung, Schmuck, Wein und elektronische Geräte importieren, wird die internationale Wirtschaft angekurbelt. Wenn dadurch Arbeitnehmer im Ausland über ein höheres Einkommen verfügen, werden sie wiederum mehr amerikanische Waren kaufen.

    Ist dieses autarke Kontinuum des Wachstums endlos? Theoretisch muss diese Frage mit ja beantwortet werden, aber die Praxis sieht anders aus. Ein Einbruch dieses Wachstums ist nur eine Frage der Zeit, da das System nicht vor externen Einflüssen sicher ist. Einflussfaktoren sind z.B. Krieg, ein übermäßiges Anwachsen der Lagerbestände oder eine rasante Inflation. In diesen Fällen stehen der US-Regierung ausreichende Mittel und politische Möglichkeiten der Einflussnahme zur Verfügung, um Schäden in der Wirtschaft zu minimieren.

    Wenn man den Bericht betrachtet, ist es zunächst wichtig zu wissen, dass die Regierungsbehörde das BIP auf zweierlei Arten berechnet, in nominalen und realen Dollar. Was bedeutet dies genau? Der nominale Wert gibt an, wie viel an Gütern und Dienstleistungen produziert wurde, berechnet anhand jeweils aktueller Preise. Der reale Wert gibt an, was effektiv produziert wurde. Hier ein Beispiel: Ein fiktiver Hütehersteller verkauft Hüte für eine Million US-Dollar, 11 Prozent mehr als im Vorjahr. Dieser Wert – eine Million US-Dollar – ist der nominale Umsatz. Allerdings fehlt hier eine Angabe: Mit diesem Wert alleine wird nicht klar, wie die Umsatzanstieg zustande kam. Wurden tatsächlich 11 Prozent mehr Hüte verkauft, oder wurden die Preise der Hüte um 11 Prozent erhöht? Falls die Preise erhöht wurden, hieße das, da ja nicht wirklich mehr Hüte verkauft wurden, dass ‚real‘ wie im Vorjahr nur Hüte für 900.000 Dollar verkauft wurden. Der Unterschied ist beträchtlich und wichtig. Ist die Wirtschaft gewachsen, weil mehr Güter und Dienstleistungen verkauft wurden, oder sind die Preise erhöht worden und die Inflation somit gestiegen? Was man wirklich wissen will, ist, dass der wahre wirtschaftliche Output gestiegen ist, d.h., dass eine zunehmende Menge von Gütern und Dienstleistungen den Verbrauchern zum Erwerb zur Verfügung steht. Ein reales BIP-Wachstum verbessert den Lebensstandard der Menschen, während ein inflationsbedingter Anstieg des BIP den Lebendstandard angreift, weil man für die gleiche Menge an Produkten einen höheren Preis zahlen muss. Beide BIP-Werte sind also von zentraler Bedeutung für die Wirtschaft.

    Um die Zusammensetzung und die Berechnung des BIP zu verstehen, ist es am besten, wenn man sich die Tabellen der Veröffentlichung ansieht. Sie sind nicht so kompliziert, wie man am Anfang meint.

    Tabelle 3 BIP und dazugehörige Werte: Veränderungen im Vergleich zum vorherigen Quartal
    Alle Daten sind in Milliarden US-Dollar und in jährlichen Beträgen angegeben (die jährlichen Beträge sind eine Hochrechnung, wie sich die Wirtschaft entwickeln würde, wenn das vierteljährliche Wachstum über ein Jahr gleich bliebe).

    Die Angaben liegen in realen und nominalen Dollarbeträgen vor. Die nominalen Beträge stellen das nominale Bruttoinlandsprodukt dar (inklusive Preisanstieg – vgl. das Hutfabrik-Beispiel); der reale Wert beschreibt, inflationsbereinigt, die tatsächlich produzierte Menge an Gütern. Obwohl beide Zahlengruppen der Tabelle informativ sind, richtet sich die Mehrheit der Beobachter nach dem realen Wert, um ein genaueres Bild des wirtschaftlichen Status quo zu erhalten.

    Bruttoinlandsprodukt: Die Überschrift sagt schon alles: Es ist der endgültige Wert der Produktion und der Gesamtverbrauch von Sachgütern und Dienstleistungen in den USA. "Endgültig" wird hier ganz absichtlich verwendet: Das BIP beinhaltet nicht unmittelbar die Herstellungskosten der Waren und Dienstleistungen, die bei den Zwischenschritten der Herstellung anfallen. Dafür gibt es eine logische Erklärung, denn diese Kosten sind schon im Endprodukt enthalten und dürfen nicht doppelt in die Rechnung eingehen.

    Tabelle 3 BIP und dazugehörige Werte: Veränderungen im Vergleich zum vorherigen Quartal
    Tabelle 3 BIP und dazugehörige Werte: Veränderungen im Vergleich zum vorherigen Quartal

    Zum Beispiel beinhaltet der Endpreis für ein neues Automobil bereits die Kosten für Stahl und Plastik, die für die Herstellung benutzt wurden. Würde man die Herstellungskosten und die Gehälter in jeder Stufe des Produktionsprozesses hinzurechnen, würde die Kosten der Produktion mehrfach gezählt. Daher werden nur die endgültigen Preise für die Berechnung des BIP herangezogen. Das BIP setzt sich aus vier Hauptbestandteilen zusammen:

    • Ausgaben des privaten Verbrauchs (langlebige Wirtschaftsgüter, Dienstleistungen, Verbrauchsgüter)
    • Bruttoinvestitionen (gewerbliche Investitionen in Fabrikgebäude und Betriebsmittel)
    • Außenhandelsbilanz (Unterschied zwischen Export von US-Produkten und Import ausländischer Produkte in die USA)
    • Staatsausgaben und staatliche Investitionen (Bundes-, Bundesstaatsund Gemeindeausgaben bzw. -investitionen)

    Ausgaben des privaten Verbrauchs (Personal Consumption Expenditures, PCE): Private Konsumausgaben (privater Verbrauch) sind alle Waren- und Dienstleistungskäufe der Privathaushalte und betragen etwa 70 Prozent des BIP. Allein dieser Prozentsatz verdeutlicht die Wichtigkeit der Konsumausgaben, denn Haushalte, die ihre Konsumausgaben einschränken, können der Wirtschaft ernsthaft schaden. Eine Rezession ist dann kaum zu verhindern. Aus diesem Grund analysieren Konjunkturbeobachter die monatlichen Daten und beobachten die Stimmung, das Einkommen und die Ausgaben der Verbraucher.

    Wofür werden die Verbraucherausgaben verwendet? Man unterscheidet drei verschiedene Güter: langlebige Wirtschaftsgüter, Verbrauchsgüter und Dienstleistungen (siehe die Unterkategorien in der Tabelle). Langlebige Wirtschaftsgüter: Damit bezeichnet man größere Anschaffungen wie z. B. Kühlschränke, Fernseher, Automobile und Möbel, deren Nutzungsdauer bei drei oder mehr Jahren liegt. Obwohl nur 15 Prozent der Konsumausgaben langlebige Wirtschaftsgüter sind, spielen diese Güter eine sehr große Rolle. Größere Anschaffungen sind ein guter Indikator für die Robustheit einer Wirtschaft, weil solche Käufe gut überlegt werden. Wenn das persönliche Einkommen abnimmt oder die Wirtschaftslage als problematisch beurteilt wird, werden Käufe von kostspieligeren Gütern – ein neues Auto oder ein neuer Fernseher – meist verschoben. Genauso werden eher dann größere Anschaffungen gemacht, wenn die Verbraucher optimistisch sind und ihr Einkommen ansteigt. Außerdem sind langlebige Wirtschaftsgüter teuer und werden meistens auf Kredit erworben; daher reagieren diese Anschaffungen empfindlich auf Zinssatzänderungen. Sobald die Zinssätze ansteigen, kaufen die Verbraucher weniger langlebige Wirtschaftsgüter, wegen der höheren Finanzierungskosten. Verbrauchsgüter: Dies sind z. B. Gemüse, Pullover und Schuhe – also Güter mit einer Lebensdauer von unter drei Jahren. 30 Prozent der privaten Konsumausgaben sind Verbrauchsgüter. Im Vergleich zur Volatilität der Ausgaben für langlebige Güter wachsen die Ausgaben für Verbrauchsgüter meist in gleichmäßiger Geschwindigkeit, egal ob sich die Wirtschaft in einem Hoch oder einem Tief befindet. Der Grund dafür ist, dass die Verbrauchsgüter Teil des Alltagslebens sind und deren Anschaffung nicht verschoben werden kann. Wenn die wirtschaftliche Situation unsicher ist, kann der Kauf eines neuen Autos verschoben werden, aber bei Lebensmitteln und Heizöl ist das nicht möglich. Das ist die Erklärung dafür, warum Investoren überdurchschnittlich viele Aktien von Herstellern von Verbrauchsgütern kaufen, wenn die Wirtschaft sich verschlechtert, und Aktien von Herstellern langlebiger Verbrauchsgüter verkaufen.

    Dienstleistungen: Mehr als die Hälfte aller privaten Konsumausgaben sind Dienstleistungen, z. B. Zahnarzt- und Arztrechnungen, Auto- und Hausversicherung, Frisör, Hypotheken, Fahrtkosten und Ausgaben für Anwälte. Der Dienstleistungssektor ist anteilsmäßig stark gewachsen; 1960 machte er 40 Prozent der Konsumausgaben aus, heute sind es 60 Prozent. Auch diese Kategorie verhält sich bei wirtschaftlichen Schwankungen recht stabil, da zum Beispiel Mieten und Gesundheitsausgaben auch dann gezahlt werden, wenn das persönliche Einkommen sinkt.

    Private Bruttoinvestitionen: Unternehmensinvestitionen machen ungefähr 15 Prozent des BIP aus, sind aber sehr unbeständig und werden stark von der Konjunkturprognose beeinflusst. Sie nehmen während einer wirtschaftlichen Expansionsphase zu, fallen aber stark ab, wenn es Anzeichen für einen Konjunktureinbruch gibt. Man unterscheidet zwei Arten von Bruttoinvestitionen: Anlageinvestitionen und Veränderungen der Lagerbestände. Anlageinvestitionen: Der Löwenanteil der gewerblichen Investitionen sind Anlageinvestitionen (z. B. für Bürogebäude oder Lagerhallen, Computer und Software, Werkzeuge, Transporteinrichtungen und -hilfsmittel) sowie Investitionen in den Bau von Einfamilien- und Mietshäusern. Der Wohnungsbau macht allein etwa ein Drittel der Anlageinvestitionen aus. Es spielt für das BIP keine Rolle, ob die Häuser oder Wohnungen tatsächlich bezogen werden; es kommt nur darauf an, dass die gebaut werden. Anlageinvestitionen der beiden Bereiche sind stark dem Wirtschaftskreislauf unterworfen. Wenn die Wirtschaft wächst und Unternehmensgewinne ansteigen, wird mehr Geld für den Bau und für Betriebsmittel ausgegeben. Beim ersten Anzeichen einer Verlangsamung der Wirtschaft werden jedoch die Bremsen angezogen; die Nachfrage nach Waren, Gütern und Dienstleistungen nimmt ab, genauso wie die Anlageinvestitionen. Der folgende Rückgang von Unternehmensausgaben zieht dann seinerseits die Wirtschaft in ein Konjunkturtal.

    Veränderungen der Lagerbestände: Über das Verhältnis dieses Bereichs zum BIP herrscht oft viel Verwirrung, aber ohne jeden Grund: Der Zusammenhang zwischen den Lagerbeständen und dem Wirtschaftswachstum ist eigentlich sehr einfach. Man darf nicht vergessen: Das BIP beinhaltet die gesamte Produktion einer Wirtschaft. Um den entsprechenden Wert zu erhalten, addiert das amerikanische Amt für Wirtschaftsanalyse (Bureau of Economic Analysis, kurz BEA) zunächst alles, was Verbraucher, Unternehmen und der Staat erworben haben. Was gekauft und was produziert wird, ist natürlich nicht immer dasselbe. Es wird häufig mehr produziert als verkauft, und die Differenz erhöht die Lagerbestände. Um also genaue Daten zu berechnen und das genaue BIP zu erhalten, müssen die Veränderungen der Lagerbestände berücksichtigt werden. Einfach ausgedrückt lautet die Rechnung BIP = Gesamtnachfrage + Änderung der Lagerbestände.

    Ein Beispiel: Unsere Hutfabrik stellt 1.000 Hüte her, verkauft aber nur 900, das Lager verzeichnet eine Veränderung von plus 100 Hüten. Wenn nur die Verkaufsdaten berücksichtigt würden, wäre das Bild verzerrt und der Wert der Produktion ungenau. Die Gesamtsumme ist aber die Anzahl der verkauften Hüte plus die Hüte, die produziert, aber nicht verkauft wurden und sich im Lager befinden.

    Nun die umgekehrte Situation: Im nächsten Quartal werden nur 700 Hüte hergestellt, aber 800 verkauft. In diesem Fall wäre es nicht korrekt, nur die Zahl der Verkäufe zu betrachten, weil die Produktion unter 800 Stück lag. Die Firma musste auf das Lager zugreifen, um die Nachfrage zu befriedigen. Mit der einfachen Formel von vorhin berechnet, sieht das dann so aus: Bedarf (800) + Veränderung im Lagerbestand (–100) = reale Produktionszahl (700). Das heißt, die Veränderung der Lagerbestände, und nicht das (statische) Lagervolumen, ist für die Berechnung des BIP wichtig. Zu Zeiten ökonomischer Wendepunkte unterliegen die Lagerbestände wilden Schwankungen. Mittlerweile helfen zwar Computer dabei, Lagerbestandszahlen und Nachfrage nicht allzu stark auseinanderfallen zu lassen, aber für viele Unternehmen ist es immer noch schwierig, das bei einem solchen Richtungswechsel der Konjunktur richtige Volumen für die Lagerbestände zu finden. Wenn die Lagerhallen aus allen Nähten platzen, wollen die Unternehmen diese Überschüsse abarbeiten und drosseln deswegen die Produktion, vielleicht schließen sie sogar Fabriken und entlassen Arbeiter – wodurch dann das Wirtschaftswachstum zum Erliegen kommen kann. Ab und zu behelfen sich die Unternehmen mit Sonderpreisen, Schlussverkäufen und anderen Kaufanreizen, so dass die Warenlager (oder die Parkplätze der Autohersteller) leerer und leerer werden. Wenn die Nachfrage wieder ansteigt, werden langsam die Produktion und in der Folge die Lagerbestände wieder erhöht. Das bringt die Wirtschaft zurück in den Aufschwung.

    Netto-Exporte von Waren und Dienstleistungen: Der Außenhandel spielt eine immer wichtigere Rolle in der Wirtschaft. Exporte machen ungefähr 10 Prozent des BIP der USA aus, eine Verdopplung seit 1980. 15 Prozent des BIP sind Importe, nach 6,6 Prozent 1980. Somit ist ungefähr ein Viertel des BIP vom internationalen Handel abhängig.

    Die BIP-Tabelle zeigt die Netto-Exporte als ein Bestandteil des Wirtschaftswachstums. Wie definiert man aber Netto-Exporte und warum sind sie Teil des BIP? Der einfachste und offensichtliche Grund ist, dass diese Güter und Dienstleistungen natürlich innerhalb der USA produziert wurden und daher zum BIP gehören. Exporte kurbeln die Wirtschaft an, weil mehr Güter und Dienstleistungen produziert werden müssen, um den nationalen und internationalen Bedarf zu decken. Allerdings muss man beachten, dass die US-Bürger auch Geld für Importe ausgeben. Die Nachfrage nach ausländischen Gütern und Dienstleistungen wird vom BIP-Wachstum abgezogen, da die Amerikaner einen Teil ihres Bedarfs mit Gütern decken, die außerhalb der USA produziert wurden. Netto-Exporte bedeutet, dass die Exporte zum BIP addiert und die Importe davon abgezogen werden. Seit 1970 importieren die USA mehr, als exportiert wird; seit über 30 Jahren sind die Netto- Exporte also negativ und hemmen somit das BIP-Wachstum der USA.

    Staatsausgaben und Bruttoinvestition: Bundes-, Staats- und Gemeindeausgaben machen ungefähr 18 Prozent des BIP aus, in der Mitte der 80er-Jahre lag der Satz noch bei 21 Prozent. Der Bundesanteil dieses Werts beträgt ein Drittel aller Ausgaben; Staats- und Gemeindeausgaben zeichnen für die restlichen zwei Drittel verantwortlich. Die Regierungsausgaben werden wiederum aufgeteilt in die Bereiche Rüstung (Einkommen der Soldaten, militärisches Material, zivile Militärangestellte) und Zivilausgaben (Straßenbau, NASA, öffentliche Anlagen und Einkommen der zivilen Angestellten). Bundesstaats- und Gemeindeausgaben – die verbleibenden zwei Drittel aller Ausgaben – werden für Investitionen in z. B. Straßenbau, Polizei- und Feuerwehrausrüstung etc. verwendet; die Daten schwanken aber zum Teil. Wenn die Gemeinden höhere Einnahmen durch Verkäufe und Steuern haben, steigen auch die Ausgaben. Wenn das Wirtschaftswachstum jedoch stagniert, werden die öffentlichen Haushalte wegen erhöhter Ausgaben z. B. für die Arbeitslosenunterstützung stärker belastet, während gleichzeitig die Steuereinkünfte abnehmen. Die staatlichen Investitionen werden dann erheblich eingeschränkt.

    Alle vier Bestandteile – Verbraucherausgaben, gewerbliche Investitionen, Staatsausgaben und Netto-Exporte – ermöglichen dem BEA die Berechnung des BIP. Es gibt aber noch weitere Versionen des BIP, die eine Beurteilung der wirtschaftlichen Lage erleichtern. Unter anderem werden die beiden folgenden Indikatoren aus dem BIP abgeleitet und in der Tabelle unter "Addenda" ausgewiesen:

    Endverkäufe einheimischer Produkte (Final sales of domestic product): Um eine bessere Vorstellung von der wirtschaftlichen Situation zu bekommen, berechnet man die genaue Anzahl von Gütern und Dienstleistungen, die in einem bestimmten Zeitraum verkauft wurden. Das BIP gibt genau das an, berücksichtigt jedoch auch die Vorratsveränderungen und gibt somit nicht die reine Nachfrage der Verbraucher wieder. Die Endverkaufsdaten einheimischer Waren werden wie folgt berechnet: BIP minus Lagerbestandsveränderungen. Der Wert, den man erhält, wird als hervorragendes Barometer für die Gesamtnachfrage für US-Produkte gesehen. Es gibt hier allerdings einen kleinen Nachteil: Der Wert enthält neben der nationalen auch die internationale Nachfrage nach einheimischen Produkten. Um eine Vorstellung der Verkaufszahlen nur innerhalb der USA zu bekommen, benutzt man den im Folgenden beschriebenen Wert:

    Gross Domestic Purchases (Gesamtinlandskäufe): Dieser Wert summiert alle Güter und Dienstleistungen, die Unternehmen und Privathaushalte in den USA gekauft haben, egal ob sie aus einheimischer oder ausländischer Produktion stammen. Erinnern wir uns, dass zur Berechnung des BIP die Importe von Ausgaben und Investitionen abgezogen werden. Den Wert der Gesamtinlandskäufe erhält man auf andere Weise: Um eine Momentaufnahme der aktuellen Nachfrage in den USA zu erhalten, schließt man hier die Importe ein und läßt die Exporte unberücksichtigt.

    Nominales und reales BIP: Inflationsausgleich Die meisten Wirtschaftsanalysten, die sich mit dem Marktwachstum beschäftigen, fragen nach der tatsächlichen Ausweitung der wirtschaftlichen Aktivität über einen bestimmten Zeitraum – was nicht so einfach ist, wie es sich anhört. Das BIP richtet sich nach dem nominalen Wert der Güter und Dienstleistungen, die in den USA hergestellt werden, und gibt über das Wirtschaftswachstum im Vergleich zu anderen Ländern Auskunft. Außerdem erfährt man den Anteil der einzelnen Wirtschaftszweige am Wachstum. Der nominale Dollar-Wert gibt aber keine Informationen darüber, ob Umsatzsteigerungen auf erhöhte Produktion oder höhere Preise zurückzuführen sind. Die Verbraucher profitieren von höheren Produktionszahlen, weil es mehr Waren zu kaufen gibt, nicht jedoch, wenn sie höhere Preise für diese Güter bezahlen müssen.

    Wie kann man also herausfinden, ob der Anstieg des BIP auf ein wahres Wachstum zurückzuführen ist oder ob der Anstieg aus der Inflation resultiert? Dazu nimmt man den nominalen Wert aller Waren und Dienstleistungen und rechnet alle Einflüsse durch Preisveränderungen heraus. 1996 führte das BEA eine feste Methode zur Inflationsberechnung ein, mit deren Hilfe das nominale in das reale BIP umgerechnet werden kann. Diese Umrechnungsmethode ist sehr komplex, wurde aber entwickelt, um den Preisverfall herausrechnen zu können. Außerdem können damit Schwankungen im Kaufverhalten der Verbraucher herausgerechnet werden, die durch Qualitäts- und Preisunterschiede entstehen (z. B. wenn der Preis für Rindfleisch stark ansteigt und die Konsumenten deshalb billigeres Fleisch oder Geflügel kaufen). Als Ergebnis erhält man eine Reihe unterschiedlicher, aber sehr wichtiger Inflationsmaße. Die drei wichtigsten sind der BIP-Deflator, der Deflator für die Gesamtinlandskäufe und der einflussreiche PCE-Index (personal consumption expenditures), ein Index für Ausgaben des privaten Verbrauchs.

    • Tabelle 4 Preisindizes des BIP und damit zusammenhängende Maße: Prozentuale Veränderungen im Vergleich zum vorherigen Zeitraum

    BIP-Preisindex und implizierter BIP-Deflator: Diese beiden sind die Haupt-Inflationsmaße für die Wirtschaft als ganze. Sie werden von allen Konjunkturbeobachtern streng überwacht, um zu überprüfen, ob sich die Inflation im Rahmen hält. Der BIP-Preisindex und der implizierte BIP-Deflator messen Schwankungen der Preise von Gütern und Dienstleistungen. Großer Nachteil dieser beiden Indikatoren ist allerdings ist die ungenaue Beurteilung des Drucks, den die Inflation auf Verbraucher und Unternehmen ausübt. Preise für Exportprodukte werden mit eingerechnet, Preise für Importe hingegen nicht. Daher bezeichnen viele den Preisindex für Gesamtinlandskäufe als ein besseres Maß für die Inflation.

    Tabelle 4 Preisindizes des BIP und damit zusammenhängende Maße: Prozentuale Veränderungen im Vergleich zum vorherigen Zeitraum
    Tabelle 4 Preisindizes des BIP und damit zusammenhängende Maße: Prozentuale Veränderungen im Vergleich zum vorherigen Zeitraum


    Deflator für Gesamtinlandskäufe: Dieses Inflationsmaß berücksichtigt alle Preisveränderungen für alle Käufe inklusive Importe. Ein Anstieg des Ölpreises ist im Index für Ausgaben des privaten Verbrauchs (PCE-Index) eingerechnet, nicht aber in den BIP-Inflations-Indikatoren. Im Allgemeinen verändern sich die Preisindizes für die Gesamtinlandskäufe und für das BIP gleichlaufend, außer wenn die Preise für importierte Waren stark ansteigen. Das kann vorkommen, wenn der Ölpreis nach oben schießt oder der Wert des Dollars stark fällt und Importe deshalb teurer werden. In solchen Marktsituationen hat sich der Wert der Gesamtinlandskäufe als besseres Messinstrument für die Inflation erwiesen.

    Deflator für Ausgaben des privaten Verbrauchs (PCE-Index): Welche der Hauptindikatoren sollte man zurate ziehen, um das Verbraucherverhalten und die Geldpolitik prognostizieren zu können? Der Verbraucherpreis- Index (Consumer Price Index – CPI) war traditionsgemäß auf den Finanzmärkten und für die Gewerkschaften der wichtigste Indikator. Eine Reihe von Studien hat aber gezeigt, dass der umfassendste und genaueste Maßstab für Preisschwankungen auf Konsumentenebene der PCE-Index ist – der Index für Ausgaben des privaten Verbrauchs. Während der Verbraucherpreis-Index lediglich Preisveränderungen bezüglich eines Warenkorbs mit immer gleich bleibenden Gütern und Dienstleistungen vergleicht, berücksichtigt der PCE-Index ständig Verschiebungen in den Verbrauchsmustern der Konsumenten. Die US-Regierung benutzt den PCE-Index für die Umrechnung der Schätzungen privater Ausgaben von nominalen in reale, inflationsbereinigte Werte. Historisch gesehen liegt der PCE Index 0,5 Prozentpunkte unter dem Verbraucherpreis-Index, was bedeutet, dass die privaten Haushalte eigentlich mehr Kaufkraft haben, als der Verbraucherpreis-Index angibt.

    Berechnung

    Der BIP-Bericht entstand Ende der 30er-Jahre und ist damit einer der ältesten Indikatoren überhaupt. Die Berechnung ist ein Mammutunternehmen, schließlich reden wir über eine 11-Billionen-Dollar-Ökonomie. Die Hauptverantwortung trägt dabei das unabhängige Bureau of Economic Analysis – BEA (Amt für Wirtschaftsanalyse), das aufgrund seiner Geschichte und seiner großen Erfahrung bestens für diese Aufgabe geeignet ist.

    Das BIP-Datenreihe kann man sich als Teil eines riesigen nationalen Buchhaltungssystems vorstellen, dem National Income and Product Accounts (NIPA). Das klingt kompliziert, ist aber bei genauerem Hinsehen recht einfach. Im Wesentlichen besteht das NIPA-System aus zwei sich ergänzenden Methoden, mit deren Hilfe das BIP geschätzt wird. Auf der einen Seite steht das "Produktkonto", das alle verkauften Waren und Dienstleistungen verfolgt. Auf der anderen versucht das "Einkommenskonto" herauszufinden, wohin all die Gelder fließen, die im BIP erwirtschaftet wurden. Denn die 11 Billionen US-Dollar jährlich, die die Verbraucher, Unternehmen und öffentlichen Einrichtungen ausgeben, müssen schließlich irgendwem als Einkommen dienen. Also konkret: Wie viel Geld floss in Löhne und Gehälter? Wie hoch waren die Unternehmerlöhne? Wie hoch die Zinseinnahmen, wie hoch die Gewinne? Theoretische sollten die beiden Seiten – Produktkonto und Einkommenskonto – ausgeglichen sein. Diskrepanzen kommen dennoch oft vor, was hauptsächlich daran liegt, wie die entsprechenden Daten gesammelt werden. Für gewöhnlich sind die Unterschiede aber gering. Im Großen und Ganzen ist das NIPA-System eine außergewöhnlich Errungenschaft, um das die USA von vielen Ländern beneidet wird, weil das es in der Lage ist, erstaunlich exakt, umfassend und detailliert über die gewaltige US-Wirtschaft Buch zu führen.

    Tausende von Daten aus privaten und staatlichen Quellen werden gesammelt (Einzelhandelsumsätze, Autokäufe, Eigenheimkäufe usw.). Da jedoch nicht alle Informationen sofort zu erhalten sind, werden Datenschätzungen in den BIP-Bericht integriert. Warum wartet man nicht auf die tatsächlichen Zahlen? Jeder, Börsenmakler wie Politiker, will eben die Ergebnisse so schnell wie möglich erhalten, auch wenn einige Punkte nur auf Schätzungen beruhen. Die wenigsten wollen ganze drei Monate warten, um den endgültigen Quartalsbericht in Händen zu halten. Deswegen werden die Daten dreimal für die Öffentlichkeit aufbereitet. Der erste Berichtsentwurf, der "advanced release", wird vier Wochen nach dem Ende des jeweiligen Quartals veröffentlicht und enthält einen groben Überblick darüber, wie es der Konjunktur im vergangenen Quartal ergangen ist. Der zweite Entwurf, der "preliminary report", erscheint einen Monat später und enthält bereits einige Revisionen auf der Basis neuer Daten. Die dritte Version, der "final report", wird dann noch einmal einen Monat später publiziert und hält weitere Berichtigungen aufgrund einer vollständigeren Datenbasis. Doch damit nicht genug: Die BEA revidiert dann noch ein weiteres Mal jährlich alle Daten, meistens im Juli.

    Die Tabellen: Rückschlüsse auf die zukünftige Wirtschaftsentwicklung Man findet im BIP-Bericht zahlreiche Hinweise auf die Entwicklung von Konjunktur, Inflation und Arbeitsmarkt der folgenden Monate.

    • Tabelle 1 reales Bruttoinlandprodukt und verwandte Indizes: prozentuale Veränderungen zum vorherigen Berichtsintervall

    (11)Diese Tabelle zeigt die quartalsmäßige Wachstumsrate des BIP und seiner wichtigsten Teilindikatoren sowie zum Vergleich Daten der drei vorherigen Jahre.

    Tabelle 1 Reales Bruttoinlandprodukt und verwandte Indizes: prozentuale Veränderung zum vorherigen Berichtsintervall
    Tabelle 1 Reales Bruttoinlandprodukt und verwandte Indizes: prozentuale Veränderung zum vorherigen Berichtsintervall


    Man sollte sich in Erinnerung rufen, dass eine Wachstumsrate von real 3 bis 3,5 Prozent tendenziell bei den Verbrauchern das Gefühl einer prosperierenden Wirtschaft hinterlässt. Bei einem Wirtschaftsvolumen von 11 Billionen US-Dollar heißt das also, dass die US-Wirtschaft jährlich ein Wachstum von 330 Milliarden US-Dollar erwirtschaften muss. Eine Wachstumsrate unter 3 Prozent wirkt sich negativ aus, weil mehr Arbeitssuchende auf den Markt drängen, als Arbeitplätze vorhanden sind; das resultiert dann normalerweise in einer höheren Arbeitslosenquote. Das führt uns zu einer nahe liegenden Frage: Wenn 3 Prozent das Minimum sind, um Arbeitslosigkeit abzubauen, wären dann 4, 6 oder sogar 10 Prozent nicht besser? Wie viel Prozent kann eine Wirtschaft wachsen, ohne einen Inflationsausbruch zu verursachen? Die Antwort ist nicht einfach. Viel hängt vom Angebot an Materialien und Arbeitskräften ab. Man nimmt an, dass mit einer niedrigen Arbeitslosenquote die maximale Wachstumsrate der Wirtschaft (ohne eine Inflation zu verursachen) dem Produktivitätsfaktor (ohne landwirtschaftliche Produktion, vgl. Abschnitt "Produktivität und Kosten") plus dem Zuwachs der Zahl an Arbeitskräften entspricht. Ein hoher Produktivitätszuwachs, zusammen mit einer großen Zahl an neuen Arbeitskräften hält die Wirtschaft in Schwung und vermindert die Gefahr einer Überhitzung. Die Zahl der Arbeitskräfte wächst seit Jahren jährlich um ungefähr ein Prozent, daher kann man hier auf ein Wachstum der Produktivitätsrate schließen. In den 70er- und 80er-Jahren wuchs die Produktivität der US-Wirtschaft jährlich um durchschnittlich 1,5 Prozent; wenn man die einprozentige Wachstumsrate der Produktivität dazu addiert, konnte die Wirtschaft auf lange Sicht um jährlich 2,5 Prozent wachsen, ohne eine Inflation zu verursachen. Seit Mitte der 90er-Jahre ist der Produktivitätszuwachs jedoch durch den Einsatz von Computertechnologie und Software, der zu einer erhöhten Effizienz führt, dramatisch angestiegen, manche vermuten, dauerhaft. Als Konsequenz stieg die durchschnittliche Produktivitätsrate auf etwa 2,5 Prozent, was die Inflationsgrenze des Wirtschaftswachstums auf 3,5 Prozent anwachsen ließ. Falls die Wirtschaft jemals für mehrere Quartale hintereinander über diesen Wert hinauswächst, könnten die Arbeitskräfte und die Materialressourcen knapp werden, was wiederum den Inflationsdruck erhöht und die Fed zu Zinserhöhungen veranlasst.

    (12)Netto-Exporte von Gütern und Dienstleistungen: Ein Viertel jedes Dollars der Wirtschaftsleistung hängt mit dem Handel mit anderen Ländern zusammen. Diese ausländischen Handelsbeziehungen sind so wichtig geworden, dass geringe Schwankungen im Außenhandel das BIP spürbar beeinflussen können. Wenn die US-Exporte während eines Jahres um 10 Prozent schrumpfen, kann das BIP aufs Jahr gesehen um 1,2 Prozent zurückgehen. Wenn die Importe für den gleichen Zeitraum um 10 Prozent ansteigen, kann sich das BIP sogar um 1,4 Prozent verringern.

    (13)Anhang - Endverkaufswerte einheimischer Produkte: Wirtschaftsprognosen sind immer ein riskantes Unterfangen, weil es so viele Faktoren gibt, die beachtet werden wollen. Den Moment, den Experten am häufigsten verpassen, ist der konjunkturelle Wendepunkt. Eine frühzeitiges Warnsignal über einen wirtschaftlichen Umschwung gibt dabei aber nicht das BIP aus, sondern die realen Endverkäufe. Lagerbestände werden nicht mit eingerechnet, es geht darum, was von Verbrauchern, Unternehmen und dem Staat tatsächlich ausgegeben wird. Falls dieser Indikator der Endverkaufswerte über längere Zeit unter das BIP sinkt, bedeutet das, dass mehr produziert als nachgefragt wird. Als Folge steigen Lagerbestände auf ein ungesundes Niveau, und das zwingt die Hersteller, die Produktion herunterzufahren oder anzuhalten. Die zukünftige Wachstumsrate wird dadurch gedrückt, und sogar eine Rezession kann unausweichlich werden. Viel hängt dabei davon ab, wie schnell die realen Endverkäufe tatsächlich gefallen sind und wie viel überschüssiger Lagerbestand sich angesammelt hat.

    Wenn dagegen die Endverkäufe schneller als das BIP ansteigen, liegt ein starkes Wirtschaftswachstum vor uns, Unternehmen kurbeln die Produktion an, um die höhere Nachfrage zu befriedigen.

    (14) Bis jetzt waren alle Daten inflationsbereinigt, aber das nominale Wachstum sollte trotzdem nicht vernachlässigt werden. Immerhin werden Absatz, Erträge und Gewinne auf diese Art berechnet. Historisch betrachtet haben sich die Unternehmensgewinne im Standard & Poor's 500-Index immer parallel zum nominalen BIP entwickelt. Obwohl die Profite einige Male davongeeilt sind, können sie langfristig nicht schneller wachsen als die Wirtschaft.

    (15) Manchmal hört man neben dem Begriff "Bruttoinlandsprodukt" (BNP, in den USA "Gross Domestic Product", GDP) auch noch den Begriff "Bruttosozialprodukt" (BSP, in den USA "Gross National Product", GNP) oder "Bruttonationaleinkommen" (BNE). Der Unterschied zwischen diesen Bezeichnungen ist nicht ganz klar. Das BIP/GDP schließt alle Güter und Dienstleistungen ein, die im Inland produziert wurden, egal wem die Unternehmen gehören, Inländern oder Ausländern. Das BSP/GNP bezieht sich auf alles von z. B. US-Bürgern Produzierte, egal ob sich die Produktionsstätte im Inland oder im Ausland befindet. Ein Beispiel: Alle Fahrzeuge, die in auf amerikanischem Boden befindlichen Standorten des japanischen Autoherstellers Honda produziert werden, fließen ins US-GDP ein, weil die Autos in den USA hergestellt wurden, nicht aber in das USGNP, weil die Fabrik sich in ausländischem Besitz befindet. Das BIP/GDP ist also ein besserer Indikator für die inländische Wirtschaftsleistung und hängt enger mit der Arbeitsmarktsituation zusammen.

    • Tabelle 2 Beiträge zu den prozentualen Veränderungen des realen BIP (nicht abgedruckt)

    Die allgemeinen BIP-Daten alleine geben nicht viel Aufschluss über den Zustand der Wirtschaft. Auch mit einem Wirtschaftswachstum von null Prozent werden immer noch 11 Billionen US-Dollar erwirtschaftet. Tabelle 2 zeigt, welche Sektoren der Wirtschaft am meisten zum Wachstum beigetragen und welche es eher gebremst haben und wie stark. Ein Blick in diese Tabelle kann einige Schlüsselfragen beantworten: Wurde der letzte Konjunkturaufschwung durch erhöhte Staatsausgaben hervorgerufen? Wie viel hat der Unternehmenssektor beigetragen? Welche Rolle haben die Privatverbraucher gespielt?

    • Anhang, Tabelle A Reales BIP und verwandte Aggregate und Preisindizes ( nicht abgedruckt)

    Mit die interessantesten Daten sind ganz am Ende der Veröffentlichung versteckt. Eine solche Zahl sind die Endverkäufe von Computern: Eine Schlüsselstatistik, denn sie spiegelt die Ausgaben der Unternehmen für Technologie wider. Solche Ausgaben steigen, wenn die Unternehmen die Konjunkturentwicklung positiv beurteilen und zuversichtlich sind, dass sich diese Investitionen auszahlen werden. Die zweite wichtige Zahl sind die Automobilverkäufe: Füllen sich die Parkplätze der Händler mit unver14 kauften Autos und LKWs, werden die Autohersteller die Produktion verlangsamen und gar anhalten. Schnellt hingegen der Absatz von Fahrzeugen in die Höhe und betteln die Händler um zusätzliche Lieferungen, wird die Produktion wieder angekurbelt. Da Autohersteller von vielen anderen Branchen abhängig sind (z. B. Gummi-, Glas-, Stahl-, Stoff- und Elektroindustrie), machen sich Veränderungen in der Autoproduktion in den Kassen vieler Zulieferunternehmen aus verschiedensten Branchen bemerkbar.

    Marktauswirkungen

    Allgemeine Tendenz

    Die Reaktion der Finanzmärkte auf die BIP-Veröffentlichung ist geringer, als man annehmen könnte. Da die Daten quartalsmäßig veröffentlicht werden, hinken sie den Ergebnissen der vielen monatlichen Veröffentlichungen hinterher. Die BIP-Zahlen können völlig ignoriert werden, wenn sie endlich da sind. Doch Vorsicht! Die Zahlen sollten auf keinen Fall ignoriert werden. Trotz der späten Veröffentlichung sind die Daten manchmal voller Überraschungen. Zum einen kann die tatsächliche Wachstumsrate sich stark von den Erwartungen der Märkte unterscheiden. Zweitens ist das BIP essentiell, um die Gründe für Stärken oder Schwächen der Wirtschaft ermitteln zu können. Drittens kann eine genaue Analyse der Daten einige Hinweise geben, wie sich die Wirtschaft und die Unternehmensprofite in den nächsten Quartalen entwickeln werden. Und last not least können selbst die Revisionen so groß sein, dass man eine neue Perspektive auf die Wirtschaft gewinnt und vielleicht seine Investmentstrategie ändert. Deswegen sollte man die BIP-Veröffentlichung nie auf die leichte Schulter nehmen.

    Anleihenmarkt

    Bei der Publikation der BIP-Daten interessiert alle zuerst: Wie verhalten sich die tatsächlichen Zahlen zu den vorherigen Erwartungen? Bewegt sich die Wachstumsrate im Rahmen der Experten-Erwartungen oder darunter, reagiert der Anleihemarkt positiv darauf, besonders wenn die Endverkäufe schwinden und Lagerbestände ansteigen. Umgekehrt kann sich eine Wachstumsrate über den Erwartungen und eine ansteigende Inflationsrate als katastrophal für Besitzer von Anleihen erweisen. Fällt ein starkes BIP mit einem hohen Inflationsdruck zusammen, wird man befürchten, dass die Federal Reserve die Zinssätze erhöht, um die Wirtschaft etwas abzukühlen. Wenn die Anleger nicht gerade darauf vertrauen, dass die Inflation im Keim erstickt werden kann, kann man mit fallenden Preisen für Anleihen und steigenden Gewinne rechnen.

    Aktienmarkt

    Der Aktienmarkt wird auf den Bericht weniger reflexhaft als der Anleihenmarkt reagieren. Die zentrale Frage ist: Wie beeinflusst das BIP die Aussicht auf Unternehmensgewinne? Normalerweise führt eine gesunde Wirtschaft zu höheren Gewinnen, während ein schwieriges geschäftliches Umfeld auf die Gewinne drückt. Aber wenn das Wachstum über einen Zeitraum von mehreren Quartalen bei 3, Prozent oder darüber liegt, machen sich sogar Aktieninhaber sorgen um steigende Preise. Eine gestiegene Inflation wird die Kaufkraft der Verbraucher hemmen und die Zinssätze nach oben treiben. Zu schnelles Wachstum kann sich also genauso negativ auf den Aktienmarkt auswirken wie zu langsames.

    Devisenmarkt

    Ausländische Investoren sehen lieber eine starke amerikanische Konjunktur als eine schwache. Eine robuste Wirtschaft in den USA heizt Unternehmensgewinne an und hält die Zinssätze stabil. Ausländische Investoren wittern dann eine Chance auf Aktiengewinne und eine höhere Rendite bei Staatsanleihen,was sich positiv auf die Nachfrage nach dem Dollar auswirkt. Wenn die Federal Reserve zur vorbeugenden Inflationseindämmung die kurzfristigen Zinsen anhebt, wird das wahrscheinlich den Dollar stärken, weil die US-Notenbank zeitig den Preisdruck im Zaum zu halten versucht. Im Falle einer beschleunigten Inflation wird jedoch die Konkurrenzfähigkeit der USA auf dem Weltmarkt geschwächt, das Außenhandelsdefizit wird größer und die Attraktivität der amerikanischen Währung nimmt ab.


    Diese Erklärungen wurden dem Buch "Die Geheimnisse der Wirtschaftsindikatoren" entnommen, dass Sie in kompletter Form bestellen können unter:

    https://www.finanzbuchverlag.de/untershops/7a188f/buecher.php?buch=DieGeheimnissederWirtschaftsindikatoren

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