Zertifikat ist nicht gleich Zertifikat! Worauf kommt es bei der Auswahl wirklich an? Wo liegen die Unterschiede zu anderen Anlageformen? Für wen eignen sie sich überhaupt? Diese und andere Fragen beantwortet Ihnen Godmode-Trader.de in dieser Ausgabe und räumt dabei mit einigen gängigen Vorurteilen auf.
Das hängt zunächst einmal davon ab, wie lange Sie ihr Kapital nicht anderweitig benötigen. Da bei strukturierten Produkten die Mechanismen meist erst gegen Laufzeitende greifen, sollten sich Anleger damit anfreunden können, das jeweilige Papier möglicherweise auch bis dahin im Depot zu belassen. Bestes Beispiel dafür sind kapitalgeschützte Zertifikate, deren Garantiezusicherung erst bei Fälligkeit greift. In jedem Fall kann in Bezug auf die optimale Laufzeit ein Blick auf die jeweils zugrundeliegende Struktur hilfreich sein. So kann der Anleger bei Produkttypen, die sogenannte "Schreibekomponenten" enthalten, wie z.B. Discounts, vom überproportionalen Zeitwertabbau der verkauften Option gegen Ende der Laufzeit profitieren, da das Zertifikat dann entsprechend an Wert gewinnt. Rolling-Discount-Zertifikate machen sich dies zunutze, indem sie im monatlichen Rhythmus in die nächste Optionsstruktur "rollen" und dadurch insgesamt eine höhere Prämie generieren als bei der Verwendung eines längeren Zyklus. Durch die kommende Steuerreform sollten gerade hier viele Kurzläufer auf den Markt kommen, da die 12-Monatsfrist dann keinen Vorteil mehr bietet. Andere Strukturen, die vor allem über die einbehaltenen Dividenden finanziert werden, wie z.B. Bonus-Zertifikate, benötigen dagegen eine gewisse Laufzeit, um eine interessante Rendite zu ermöglichen. So können Emittenten beispielsweise ganz aktuell bei ihren Neuauflagen noch zwei Dividendentermine bis zum Ende der steuerlichen Übergangsfrist für Zertifikate im Juni 2009 in ihre Produkte stecken. Auf der anderen Seite besteht bei zu langen Laufzeiten gerade bei Bonus-Papieren die Gefahr, dass die Barriere doch noch verletzt wird und der Anleger dann auf einem um die Dividenden bereinigtem Direktinvestment sitzt. Wie Sie sehen, ist die Antwort auf Ihre Frage also nicht so ganz einfach.
Da es bindende Mindestanlagesummen für Zertifikate in der Regel nicht gibt, kann der Anleger bereits ab einem einzelnen Stück stolzer Besitzer beispielsweise eines Indexpapiers werden. Die häufigste Stückelung beträgt dabei 100 Euro. Die Commerzbank verwendet auch Einteilungen von 50 Euro. Für viele Zertifikate wird aber auch kein fester Nominalbetrag zugrunde gelegt, d.h. der Anlagebetrag richtet sich ganz einfach nach der Höhe des Basiswertkurses, wobei speziell bei Indices über ein niedriges Bezugsverhältnis eine zu große Stückelung verhindert wird. Der Vorteil dieser natürlichen Regelung besteht in dem besseren direkten Vergleich zwischen Zertifikat und Basiswert. Begrenzungsfaktor für die Größe der Anlage nach unten dürften die Transaktionskosten sein, da die Geld-/Briefspanne ja zusätzlich als Kostenkomponente berücksichtigt werden muss.
Gerade im vergangenen Jahr wäre dies sicherlich die bessere Alternative gewesen, nachdem der DAX auf Jahressicht über 20, der europäische Vertreter in der Kursvariante aber nur gut sechs Prozent zulegen konnte. Auch als Performance-Index hätte der breitere Index dabei keine Chance gehabt. Allerdings darf man die extremen Brancheneffekte in 2007 (überzeugende Siemens-Entwicklung, hälftige Gewichtung der Banktitel im DAX, starke globale Ausrichtung der DAX-Werte) nicht allein als Maßstab für die Zukunft nehmen. Es kommt auch darauf an, ob Sie eine bestimmte Region mit Ihrem Investment abdecken möchten. Bei Delta-1-Zertifikaten auf den Euro STOXX 50 sollte man aber auf jeden Fall zur Performance-Variante greifen, um wenigstens hier Waffengleichheit mit dem DAX zu gewährleisten. Bei den meisten strukturierten Produkten bietet der europäische Leitindex sowieso die besseren Möglichkeiten und auch das Angebot für den Kursindex ist dort größer.
Die Durchschnittsbildung ist bei der Konstruktion eines Garantie-Zertifikates ein Mittel, um die Kosten zu senken und z.B. andere Faktoren wie eine hohe Partizipationsrate im Rahmen des für die Performancekomponente zur Verfügung stehenden Kapitals besser finanzieren zu können. So können beispielsweise mehr Optionen gekauft werden, wenn eine die Volatiliät und damit auch den Optionspreis senkende Durchschnittsbildung eingesetzt wird. Für den Anleger bedeutet diese Glättung bei einem längerfristigen Aufwärtstrend allerdings deutliche Einbußen, je enger das Netz der über die Laufzeit verteilten Bewertungstage geknüpft ist. Auf der anderen Seite kann das sogenannte "Asianing" aber auch gerade vor heftigen Kurseinbrüchen gegen Laufzeitende schützen.
Wer eine ungünstige Entwicklung des Wechselkursverhältnisses zwischen der Notierung des Basiswerts und der Abrechnungswährung des Zertifikates fürchtet, kann sich mit sogenannten Quanto-Produkten (Quantity Adjusted Option) dagegen absichern. Dadurch können unliebsame Gegenläufigkeiten beispielsweise zwischen der Entwicklung von Dollar und Goldpreis ausgeschaltet werden. Allerdings beraubt man sich gleichzeitig auch der möglichen Chancen, die Währungsgewinne in der Anlageregion nach sich ziehen können. Außerdem ist der Quanto-Mechanismus in der Regel mit Zusatzkosten verbunden, speziell wenn ein Zinsgefälle in Richtung des Euro besteht, da der Emittent den Basiswert im Anlageland mit teurerem Geld finanzieren muss, als er in der Eurozone selbst dafür bekommt. Genau umgekehrt sieht es beispielsweise bei Nikkei-Zertifikaten aus, über deren Währungsabsicherung sich ein Zusatzertrag erwirtschaften lässt. Neben der Zinsdifferenz erhöhen aber auch eine niedrige Korrelation zwischen dem Basiswert und seiner Währung, sowie eine hohe Volatilität den Quanto-Preis.
China koppelt sich immer weiter von den USA ab. Am Zertifikatemarkt kann man auf eine Lockerung des engen Bandes zwischen dem Renminbi Yuan und dem US-Dollar durch die chinesische Regierung über zwei erst kürzlich von der The Royal Bank of Scotland aufgelegte Kapitalschutzanleihen spekulieren. Der Anleger hat dabei die Wahl zwischen einer Mindestrückzahlung am Laufzeitende im Dezember 2012 von 90 (AA0QSG) oder 100 Prozent des Nominals (AA0QEF). Das Null-Risiko-Papier profitiert zu 120 Prozent von einer Aufwertung der chinesischen gegenüber der US-amerikanischen Währung, während das Zertifikat mit der geringeren Absicherung auf eine lineare Partizipation von 170 Prozent kommt. Andere Währungseffekte wie z.B. zwischen US-Dollar und Euro spielen hier keine Rolle.
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