Das Thema Zertifikatefonds ist im Zuge der Diskussion über die Abgeltungssteuer ganz besonders ins Blickfeld der Investoren geraten. Godmode-Trader.de sagt Ihnen, ob sich ein Umstieg in ein strukturiertes Fonds-Produkt wirklich lohnt.
Zumindest hebt er sich zunächst einmal von vielen anderen strukturierten Fonds ab, indem er zu insgesamt 30 Prozent in fünf unterschiedliche Two-Asset-Zertifikate auf jeweils zwei DAX-Titel investiert, wobei zusätzlich das Risiko durch eine von Jahr zu Jahr um fünf Prozent sinkende Tilgungsschwelle, sowie einen 50-prozentigen Puffer zur Endfälligkeit entschärft wird. Fällig gestellte Express-Papiere werden dabei im Rolling-Verfahren wieder adäquat ersetzt. Der überwiegende Rest des Fondsvermögens von 70 Prozent wandert aber direkt in den DAX. De facto kauft der Anleger hier also ein Basisinvestment mit zusätzlicher Renditekomponente, die auch bei stagnierenden Kursen immer noch hohe zweistellige Renditen abwerfen kann. Die Mischung ist also irgendwie spannend, auch wenn die DAX-Komponente etwas hoch dosiert erscheint, zumal fondsbezogene Anleger ja auch über entsprechende ETFs auf den deutschen Leitindex die Höhe der Basis ganz individuell bestimmen könnten.
Da sich kaum ein bestehender Zertifikatefonds als Alternative zu einem Direktinvestment in strukturierte Produkte so richtig aufdrängt, wäre der Steueraspekt eigentlich das einzige schlagkräftige Argument dafür, es sei denn man möchte das Management von vornherein einem Manager überlassen. Der Bericht in der Financial Times über den Verlust des Bestandsschutzes auch für diese Variante, hat natürlich so manchen Anlegertraum wie eine Seifenblase zerplatzen lassen und die Vorfreude auf besser gestrickte Produkte im zweiten Halbjahr gründlich verdorben, auch wenn es noch keine weiteren Einzelheiten zu dem Entwurf gibt und dieser auch die Gesetzgebungsorgane noch passieren muss. Fonds, die lediglich eine Struktur über Derivate umsetzen, sollen von der Verschärfung "angeblich" nicht betroffen sein. Wer's glaubt... Es ist derzeit eben besonders gefährlich, die Bezeichnung "Zertifikat" irgendwie in den Mund zu nehmen. Die Steuerkeule folgt auf dem Fuße und eine gewisse Opposition gegen die mehr als seltsamen Machenschaften rund um das leidige Thema kann man bei allem Lobbyismus leider auch nicht erwarten. Ketzerisch betrachtet, bewahrt der Gesetzgeber mit seinem jüngsten "Schachzug" so manchen Anleger vielleicht sogar davor, ein vermeintliches Steuerschnäppchen zu machen.
Selbst wenn man das aktuelle Angebot rein unter Steuergesichtspunkten sieht, fällt es schwer, die meisten Produkte als eine gelungene Alternative zum Zertifikatemarkt zu betrachten. Die Probleme bei diesen "Zertifikaten im Fondsmantel" bestehen in der gegenüber den Originalen unvorteilhaften Ausstattung und kaum vorhandenen Flexibilität, sowie der ambitionierten Kostenstruktur. So kann der Steuernachteil der Zertifikate durch eine geschickte Einzelauswahl in vielen Fällen durchaus kompensiert werden. Was fehlt, ist eine echte Bereicherung im einschlägigen Fondssegment. Auch wenn es natürlich, nicht ganz leicht sein dürfte, ein Zertifikat für die Ewigkeit zu schaffen, sollte zumindest das Packet stimmen. Da man sich aus Steuerüberlegungen ja auch lange Zeit auf ein Produkt festlegen muss, sollte der Anleger auch längerfristig davon überzeugt sein und nicht kurzfristig zu einer suboptimalen Lösung greifen. Allerdings ist bis Ende des Jahres noch Zeit, was ganz besonders auch für die Fondsanbieter gilt, um noch einmal kräftig nachzubessern.
Grundsätzlich sollte man nie ausschließlich wegen des Steuereffekts "umsteigen", es sei denn, die Fondslösung entspräche in allen wichtigen Punkten den eigenen Vorstellungen. Da es sich bei vielen in der letzten Zeit aufgelegten Angeboten lediglich um Zertifikate im "Fondsmantel" handelt, wie z.B. Bonus mit oder ohne Rolling, Express usw., kann man vergleichen und sich konkret überlegen, ob man das Produkt auch als Zertifikat kaufen würde. Was nützt letztendlich eine suboptimale Lösung, die man dann womöglich nur wegen der Steuerfreiheit auch noch länger im Depot hält, als es unter Chance-/Risiko-Gesichtspunkten eigentlich angebracht wäre? Leider stellen die meisten Fonds bisher in Sachen Ausstattung und Kostenstruktur kaum eine echte Alternative zum "Fremdgehen" dar. Allerdings ist das Jahr noch jung und viele neue Produkte werden wohl noch bis Jahresende auf die Investorenschar losgelassen werden. Aus Anlegersicht besteht hier also noch kein Grund zur Eile.
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