• Fragen & Antworten

    Steuerliche Fragen zu Anlagezertifikaten

    Die 2009 kommende Abgeltungssteuer hat sich zum Schreckgespenst der Zertifikateanleger entwickelt. Aber dennoch gibt es auch hier einige wenige Lichtblicke. Godmode-Trader.de hat sie für Sie in dieser Ausgabe gefunden.

    • Sollte man sich jetzt kurz vor Torschluss in Bezug auf die Abgeltungssteuer noch auf das Spiel mit Multibonus-Zertifikaten einlassen?

      Sie sprechen hier richtigerweise von Spiel. Denn wenn man nicht vollkommen von allen zugrundeliegenden Basiswerten überzeugt ist, sollte man grundsätzlich die Finger davon lassen, auch wenn man jetzt noch die Steuer sparen kann. Auf der anderen Seite ist das Angebot in diesem Bereich mittlerweile derart groß, dass sich das eine oder andere Produkt evtl. doch noch lohnen könnte. Neben den bereits gefallenen Engeln werden ja auch ständig Neuprodukte aufgelegt, bei denen die Puffer noch nicht aufgezehrt wurden und somit noch nicht sofort Gefahr in Verzug ist, wenn es einmal ein paar Prozentpunkte bei einer Aktie nach unten gehen sollte. Evtl. könnten auch etwas defensivere Ausstattungen oder Strukturen, die beispielsweise nach dem "Best-of"- bzw. "Best-Trigger"-Prinzip funktionieren oder bei denen die Barrieren nur am Laufzeitende "scharf" sind (Plus Pro), eine Alternative darstellen, freilich auf Kosten der Renditechance. Für Adrenalin-Junkies muss es dagegen wohl eher gleich ein Multi-Korridor von Merrill Lynch auf mehrere Finanztitel sein, bei denen bereits eine Verletzung der oberen Schwelle während der Laufzeit ausreicht, um einem großen Teil seines eingesetzten Kapitals Lebewohl zu sagen. Also trotz des nur noch einen kleinen Spalt offen stehenden steuerlichen Zeitfensters nicht gleich in Torschlusspanik verfallen!

    • Sehen Sie den Zertifikateboom durch die einseitige Bestandsschutzregelung für Zertifikate als ernsthaft gefährdet an, da sich Anleger im Vorfeld der Abgeltungssteuer vielleicht langfristig an andere Finanzinstrumente binden?

      Wie sich die für Zertifikate nachteilige Regelung des Bestandsschutzes letztendlich auswirken wird, lässt sich nur vermuten. So dürfte zumindest im zweiten Halbjahr 2008 die Versuchung zunehmen, im Fonds-Revier zu "wildern". Allerdings handelt es sich aus Sicht eines Anlegers von strukturierten Produkten um relativ unflexible Instrumente, die in der Mehrzahl ganz andere Anlegerschichten ansprechen. Sicherlich wird sich ein Investor, der sein Kapital langfristig 1:1 über verschiedene Märkte streuen möchte, überlegen, ob er das nicht auch über ETFs bewerkstelligen kann. Ab 31.12.2008 schließt sich dann sowieso das Zeitfenster für die einseitig steuerinduzierte Ersatzbefriedigung. Nicht zuletzt bei dieser Gewissensentscheidung sollte außerdem ganz besonders der Spruch "drum prüfe, wer sich ewig bindet" gelten, denn was nützt eine vermeintliche Steuerfreiheit, wenn die Anlage suboptimal ist. Die angebotenen strukturierten Fonds, die von ihrem Anspruch her am ehesten als Konkurrenz zu betrachten sind, bieten bislang jedenfalls noch keine ernsthafte Alternative zu Zertifikaten. Alles in allem, dürfte der Steuereffekt also den Boom bei Zertifikaten nicht aufhalten.

    • Gibt es auch Steuer-Profiteure am Zertifikatemarkt oder ist hier alles schlecht?

      Die Gewinner muss man zumindest bis zur Einführung der Abgeltungssteuer im Januar 2009 zwar noch mit der Lupe suchen. Allerdings dürften Garantieprodukte, die bislang noch mit dem persönlichen Steuersatz anzusetzen sind, dazu gehören, zumal dann "nur" noch 25 Prozent zzgl. Soli und gegebenenfalls Kirchensteuer abgezogen werden. Wenigstens Besserverdiener dürften sich darüber freuen. Ebenfalls als sogenannte Finanzinnovation werden bislang noch die Aktienanleihen behandelt, was deren Verbreitung im Gegensatz zu den Discounts, die letztendlich das gleiche Auszahlungsprofil ermöglichen, deutlich behinderte. Einzelne Emittenten haben deshalb bereits begonnen, entsprechende Produkte zu lancieren, deren Kupon erst nach der Steuerreform auszahlungswirksam wird. Nach 2009 werden die Karten jedoch ganz neu gemischt und Zertifikate können ihre besonderen Vorteile gegenüber anderen Assets wieder ganz ungeniert ausspielen. Das Steuerargument sollte deshalb immer nur einer von mehreren Entscheidungsfaktoren sein.

    • Wenn man von der Abgeltungssteuer spricht, hört man immer wieder von Nachteilen für den Zertifikatemarkt. Worin liegen diese genau?

      Der Bundestag hat im Mai dieses Jahres eine rückwirkende Aufhebung des Bestandsschutzes bei Zertifikaten zum 14. März 2007 beschlossen, d.h. nach diesem Termin angeschaffte Produkte werden in jedem Fall nach Ablauf der ebenfalls festgelegten halbjährigen Übergangsfrist am 30. Juni 2009 steuerpflichtig. Diese Regelung wurde bisher nicht auf Aktien und Investmentfonds ausgedehnt. Der Hintergrund für diese "Strafaktion" war die Angst, Zertifikate könnten durch ihre flexible Gestaltung dauerhaft den Fiskus umgehen.

    Godmode-Trader.de hilft Ihnen gerne weiter. Unser Frage & Anwort-PDF steht Ihnen jederzeit ganz unverbindlich zum Download bereit.

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