Es gab in den vergangenen Jahren zahlreiche Treiber für die Aufwärtsentwicklung des Goldpreises. Ein bedeutender war die Auflösung von Vorausverkäufen durch Goldminen.

    Das sind Leerverkäufe im Gold, die den Preis belasten. Sie sichern den Minen einen Preis X für die Lieferung von Gold in der Zukunft. Sie verschafften Minen eine feste Kalkulationsbasis für zukünftige Einnahmen und somit die Möglichkeit, ihre Ausgaben bei der Entwicklung neuer Minen kalkulieren zu können.

    Lange Zeit ging das gut, als der Goldpreis am Boden lag. Anfang der 2000er Jahre tauchte für die Finanzabteilungen der Minen das Problem auf, das beim Hedging immer das größte Risiko darstellt: Der Preis von Gold begann, deutlich zu steigen. Die Minen kamen in die Bredouille, denn sie hatten Gold zu 250 in die Zukunft verkauft, aber der Spotpreis vom Gold näherte sich in großen Schritten der 1000-USD-Marke.

    Es war ein langer und schmerzlicher und vor allem auch verlustreicher Prozess, bis sich die Vorstände der Minenkonzerne von ihrer eher pessimistischen Haltung der zukünftigen Goldpreisentwicklung gegenüber verabschiedet hatten und ihre Vorausverkäufe auflösten. Bei einigen Minen dauerte dieser Erkenntnisprozess so lange, dass sie ihre Vorausverkäufe erst aufgelöst hatten, als die Hausse beim Gold schon fast vorüber war. Barrick Gold, der weltgrößte Minenkonzern, war etwa erst im Herbst 2009 soweit. Der damalige Barrick-Finanzvorstand Jamie Sokalsky sagte ein dreiviertel Jahr danach: „Wegen der monetären Reflation, dem makroökonomischen Umfeld, der Geldpolitik und der Angst vor Staatspleiten wird der Goldpreis weiter steigen.“ Zweckoptimismus? Zu diesem Zeitpunkt notierte die Unze Gold bei rund 1300 USD/Unze. Jede 100 USD, die der Goldpreis steigt, vergrößerte sich der Gewinn von Barrick um 500 Millionen USD.

    Ein Jahr später, zwei Wochen nachdem Gold das bisherige nominale Allzeithoch bei 1923 USD/Unze erklommen hatte, sagte Barrick-CEO Aaron Regent: „Die Frage ist, ob die Preise auf dem jetzigen Niveau bleiben werden. Wir gehen davon aus, dass es starke Gründe gibt, dass sie so hoch bleiben werden.“ Man hätte aus diesem Satz schon erste Zweifel herauslesen können. Aber er fügte hinzu, dass er Gold als die neue „weltweite Standardwährung“ ansehe.

    Gut ein Jahr später, im September 2012, sagte Jamie Sokalsky, der zwischenzeitlich vom Finanzvorstand zum Vorstandsvorsitzenden aufgestiegen war, Gold werde „im nächsten Jahr über 2000 USD“ steigen.

    Jetzt, als Gold nicht über 2000 USD/Unze stieg, sondern zeitweise unter 1200 USD/Unze fiel, erwägt John Thornton, der zukünftige Vorsitzende von Barrick die Wiederaufnahme von Vorausverkäufen. Thornton, ein ehemaliger Mitarbeiter der US-Investmentbank Goldman Sachs, sagt, Vorausverkäufe „ergeben Sinn und sind es wert, besprochen zu werden.“ Nur etwas mehr als drei Jahre, nachdem die Auflösung von Vorausverkäufen den Konzern 5,6 Milliarden USD kosteten, denkt man also wieder über neue solche Verträge nach. Ein Fehler? Oder das korrekte Verhalten?

    Bedenklich ist auch, dass Barrick als der Branchenprimus gerade eine immense Kapitalerhöhung von fast drei Milliarden USD abschloss. Ist der Pessmismus im Vorstand von Barrick das Jahr 2014 betreffend so hoch, dass man lieber eine größere Kasse halten möchte, bevor man im nächsten Jahr womöglich gar kein Geld der Investoren mehr erhalten wird? Die Kapitalerhöhung hätte man kursverträglicher über mehrere Jahre verteilen können. So war sie die größte Kapitalerhöhung, die es jemals im Goldminensektor gegeben hat.

    Was sagt das über die künftige Goldpreisentwicklung aus? Wir diskutieren darüber in meinem Stream.