• Dow Jones - Kürzel: DJIA - ISIN: US2605661048
    Börse: NYSE / Kursstand: 30.335,67 $

Hallo liebe Leserinnen und Leser,

zum Ende des turbulenten Jahres 2020 wollen wir nochmals einen Blick auf das langfristige Chartbild des Dow Jones Index werfen. Im Januar hatte ich an dieser Stelle in der Analyse Dow Jones erreicht ultralangfristige Hürde darauf hingewiesen, dass der Dow Jones Index die über die Hochs von 1929 und 1999/2000 gelegte, ultralangfristige Pullbacklinie erreicht hatte. Favorisierte wurde in dieser Analyse für 2020 und die kommenden Jahre eine "finale, exzessive Rallybewegung, wie wir sie Ende der 90er Jahre gesehen haben" - direkt oder nach einer mehrmonatigen Konsolidierung an der ultralangfristigen Pullbacklinie.

Doch dann kam Corona...

Das bärische Alternativszenario dieses Ausblicks, das letztlich eintrat, sah hingegen ein starkes Abprallen an der Pullbacklinie und den Start einer "mehrjährige Korrekturbewegung auf die Rally seit 2009 (roter Tendenzpfeil)" vor. Die Coronavirus-Krise war schließlich der Trigger, der zu eben dieser Abwärtswelle führte. Nur wurde das genannte Abwärtsszenario nicht wie dargestellt in 3-4 Jahren abgespult, sondern in nur 2 Monaten!

Anbei der alte Chart aus dem Januar:

Rainman-Trading-Dow-Jones-erreicht-ultralangfristige-Hürde-Chartanalyse-André-Rain-GodmodeTrader.de-1

Ein extremes Börsenjahr geht zu Ende

Die extreme Volatilität in diesem Jahr überraschte viele Marktteilnehmer, es dürfte für so manch einen Anleger ein sehr schwieriges und auch verlustbringendes Jahr gewesen sein. Denn wer in dem Crash im Februar und März -womöglich mit Verlkusten - aus dem Markt geschüttelt wurde, verpasste möglicherweise einen Wiedereinstieg.

Die anschließende Rallybewegung dürfte auf der anderen Seite vermutlich auch reihenweise Bären "gegrillt" haben. Jeder, der mit dem Crash im März in den folgenden Wochen und Monaten auf den Beginn eines längeren Bärenmarktes wetten wollte - und das dürften angesichts der düsteren Konjunkturaussichten nicht wenige Marktteilnehmer gewesen sein - wurde auf dem falschen Fuß erwischt und in den Verlust gedrängt.

Wir erlebten eine massive Branchenrotation, die Coronavirus-Krise wirkte wie ein gewaltiger Katalysator. Während einige Aktien der Old Economy arg gelitten haben und teilweise noch am Boden liegen (Luftfahrt, Touristik, Öl...), zündeten andere Aktien speziell der New Economy (E-Commerce, Erneuerbare Energien, Digitalisierung, Streaming...) den Turbo und vervielfachten sich im Wert.

Als sei nichts gewesen...

Der Aktienmarkt zeigte sich in diesem Jahr von seiner gnadenlosen Seite. Nach dem Crash folgte eine nicht weniger beeindruckende Rally, welche den Index auf neue Allzeithochs brachte. Der Dow Jones Index steht wieder dort, wo er Anfang des Jahres stand: An der ultralangfristigen Pullbacklinie (lila). Somit können die beiden Keraussagen aus dem Januar mit Angepassten Kursdaten als Ausblick für das kommende Jahr 1 zu 1 übernommen werden:

  • Die nächsten langfristigen Kursziele liegen bei einem nachhaltigen Ausbruch über 31.000 Punkte bei 37.000 - 38.000 und an der potenziellen Oberkante des Aufwärtstrendkanals seit 1932 bei rund 42.000 - 46.000 Punkten.
  • Sehen wir hingegen eine Topbildung an der lila Pullbacklinie, könnte eine mehrjährige Korrekturbewegung auf die Rally seit 2009 (roter Tendenzpfeil) starten.

Auf der Unterseite wäre ein nachhaltiger Rückfall unter 24.500 mittelfristig kritisch zu werten. Dann steigen die Chancen für die Bären, eine größere Korrekturbewegung einzuleiten. Eine solche müsste nicht zwangsläufig crashartig ablaufen, vielmehr wäre auch der Start einer mehrjährigen, volatilen Seitwärtsbewegung denkbar. Einen kurz- und mittelfristigen Ausblick auf die mögliche Entwicklung des Dow Jones gibt der Kollege Alexander Paulus in seinem heutigen Jahresausblick.

Anbei der aktuelle Chart:

2020-Himmel-und-Hölle-für-die-Anleger-Chartanalyse-André-Rain-GodmodeTrader.de-1

2021 - Das Jahr der Bullen oder Bären?

Die charttechnische Situation ist beinahe ein Déjà-vu zum Januar, mit dem Unterschied, dass es in der Zwischenzeit mit dem Crash eine massive Marktbereinigung inklusive Branchenrotation gab. Das könnte ein Argument für die Bullen sein, die zum Start des neuen Jahres einen Ausbruch über die ultralangfristigen Pullbacklinie provozieren könnten. Gelingt ein nachhaltiger Ausbruch darüber, wäre die besprochene Rallybeschleunigung im Stil der 90er Jahre durchaus möglich.

Ebenfalls dafürsprechen würde der Katalysatoreffekt der Coronavirus-Krise, welcher den Unternehmen der New Economy und Erneuerbaren Energien weiterhin Rückenwind geben dürfte und strukturelle Umwälzungen unseres Alltagslebens beschleunigen könnte. Desweiteren machen die anhaltende Nullzinspolitik und Geldflut der Notenbanken Aktienanlagen extrem attraktiv und beinahe konkurrenzlos.

Doch auch für ein bärisches Verlaufsszenario lassen sich zahlreiche Argumente finden. Zuallererst ist da die (für mich als Charttechniker wichtigste) Tatsache, dass der Dow Jones zum dritten Mal innerhalb der letzten drei Jahre an der ultralangfristigen Pullbacklinie seit 1929 steht. Diese Trendlinie ist hinreichend bestätigt und wird offensichtlich von den Marktteilnehmern wahrgenommen. Der Index steht also an einem potenziellen Trendwendepunkt im Chart.

[Wer wissen möchte, wo die ultralangfristigen Pullbacklinie seit 1929 und die potenzielle Oberkante des Aufwärtstrendkanals seit 1932 herkommen, kann einen Blick auf den Dow Jones Chart seit 1900 im Artikel Wissen wir, wie "Hausse" geht? werfen]

Dazu kommen auch fundamentale Argumentationen. Zum einen sind viele Technologiewerte, welche die aktuellen Rally antreiben, extrem hoch bewertet. Zudem sind die Konjunkturaussichten weiterhin schwer zu prognostizieren. Sollte sich die Coronavirus-Krise doch nicht so schnell wie erwartet in den Griff bekommen lassen und sich die Konjunkturaussichten verschlechtern, könnte das zum Kippen des Aktienmarktes führen.

In meiner wöchentlich erscheinenden Kolumne stelle ich attraktive charttechnische Setups vor, um kurzfristige Bewegungen bei ausgesuchten Einzelwerten zu handeln. Prinzipiell sind viele Tradingideen der letzten Rainman-Trading-Kolumnen intakt und können weiter verfolgt werden.

Fazit:

Wie bereits im Januar steht der Dow Jones Index an einem möglichen Trendwendepunkt im Chart. Die Pros und Kontras für einen bärischen oder bullischen Verlauf halten sich die Waage. Persönlich bin ich sehr optimistisch was die gesellschaftliche und wirtschaftliche Entwicklung in 2021 angeht. Der durch die Krise entstandene Schub für zukunftsweisende, nachhaltige und disruptive Technologien könnte weiter anhalten und auch die Aktienmärkte beflügeln. Aus diesem Grund würde ich den sehr bullischen Verlauf einer Rallybeschleunigung an den Aktienmärkten klar bevorzugen. Der Dow Jones könnte in Richtung 37.000 - 38.000 und später 42.000 - 46.000 Punkte tendieren.

Letztlich werde ich mich aber - wie bereits 2013 geschrieben, als der Dow Jones an einer großen Wendemarke im Chart stand - an kurzfristigen Signalen orientieren und in kleinen Schritten denken und traden. Diese Vorgehensweise ist mit viel Aufwand verbunden und hat den Nachteil, dass einem im Bullenmarkt durch immer wieder zu schnelle Ausstiege viele Gewinne entgehen. Auf der anderen Seite ist der unschlagbare Vorteil des kurzfristigen Tradings die enorme Flexibilität, um auf Verwerfungen am Markt zu reagieren.

Sehr anschaulich bestätigt diese "Behauptung" der Kursverlauf unseres kurzfristigen PROmax-Musterdepots , an dem der Crash im März beinahe spurlos vorbeiging (Drawdown nur ca. 2 %). Wir beenden das Jahr mit einem neuen Rekordhoch im Depot.

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In diesem Sinne wünsche ich Ihnen einen guten Rutsch ins neue Jahr! Bleiben Sie gesund und munter!

Ihr André Rain


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