Restrukturierungs- oder auch Investitionsprogramme können sich langfristig für die Aktionäre der jeweiligen Unternehmen auszahlen, insofern die Maßnahmen greifen. Oftmals haben sie kurzfristig aber negative Auswirkungen auf das Geschäft. Prozesse müssen umgestellt und optimiert werden, was in der Regel Geld kostet. Dieses Unternehmen durchlief 2019 als ein klassisches Übergangsjahr. 2020 dürfte das Geschäft und im Optimalfall auch die Aktie aber wieder durchstarten. Ein Kursplus von 50 % ist möglich.

All for One Group ist ein klassischer SAP-Dienstleister. Mit 1.800 Mitarbeiter erreicht das Unternehmen 2.500 Kunden in rund 90 Ländern.

Das oben beschrieben Phänomen stellt man bei All for One schnell fest, schaut man sich die gestern veröffentlichten Jahreszahlen für 2019 an. Zwar erhöhte sich der Umsatz um 8 % auf 359,2 Mio. EUR. Erfreulich entwickelte sich auch das Cloudgeschäft mit einem Anstieg der Erlöse von 19 % auf 70,6 Mio. EUR. Das EBIT wurde aber dagegen deutlich belastet und ging auf 12,6 Mio. EUR zurück.

Vorrangig dafür verantwortlich waren die Kosten eines Maßnahmenpakets unter dem Namen "Strategieoffensive 2022", die mit 7 Mio. EUR zu Buche schlugen. Inzwischen ist diese Maßnahme abgeschlossen. Ziel ist es langfristig, das heißt im Geschäftsjahr 2022/23, Umsätze zwischen 550 und 600 Mio. EUR und eine EBIT-Marge von über 7 % zu erzielen. Strategisch will man dabei den Fokus auf die Digitalisierung des deutschsprachigen Mittelstands legen. Zum einen sollen hierbei Wachstumsfelder wie SAP S/4HANA beackert werden, zum anderen will man auch Cloud-Lösungen für diverse Wachstumsfelder wie Machine Learning und IoT erschließen.

Ein Rechenbeispiel: Nimmt man nun die Mitte des anvisierten Umsatzzielkorridors von 575 Mio. EUR und setzt eine Marge von 7 % an, käme man auf ein EBIT von gut 40 Mio. EUR im Geschäftsjahr 2022/23. Zum Vergleich: Die Marktkapitalisierung der All for One Group beläuft sich aktuell auf gut 250 Mio. EUR, das Multiple würde also nur 6,25 betragen.

Auch die Jahresziele 2020 können sich sehen lassen

Doch erst muss man überhaupt wieder in den Gewinnbereich gelangen, den man beispielsweise 2018 erzielt hatte. Und das Management sieht sich hier auf einem guten Weg.

2020 soll der Umsatz auf 375 bis 385 Mio. EUR steigen, das EBIT dürfte zwischen 20 und 22 Mio. EUR betragen. Damit würde man beim operativen Gewinn das Niveau von 2018 erreichen bzw. leicht übertreffen. Zum Vergleich: Die Aktie notiert zu diesem Zeitpunkt bei Kursen zwischen 60 und 70 EUR. Auf Basis der aktuellen Analystenschätzungen errechnen sich ein KUV von 0,7 und ein KGV von 16 für 2020. Nimmt man indes die ganz aktuelle Schätzung der BankM, ist der Gewinn je Aktie etwas niedriger mit 2,97 EUR für 2020 angesetzt, womit sich ein KGV von 17 errechnet. Dennoch eine akzeptable Bewertung, sieht man sich die Wachstumsrate 2020 an und zugleich auch vergleichbare Unternehmen, die teilweise mit KGVs jenseits der 35 gehandelt werden.

Jahr 2018 2019e* 2020e*
Umsatz in Mio. EUR 332,38 357,25 382,20
Ergebnis je Aktie in EUR 2,82 2,48 3,24
Gewinnwachstum -12,06 % 30,65 %
KGV 18 21 16
KUV 0,8 0,7 0,7
PEG neg. 0,5
Dividende je Aktie in EUR 1,20 1,20 1,29
Dividendenrendite 2,35 % 2,35 % 2,53 %
*e = erwartet

Aus charttechnischer Sicht fällt bei der Aktie im Big Picture eine Range zwischen 77 und 50 EUR auf, die in diesem Jahr zwischenzeitlich unterschritten wurde. Inzwischen versucht sich der Wert wieder an einer Rückkehr in diese Seitwärtszone. Etabliert sich die Aktie im kommenden Jahr über 50 EUR, wären zunächst Kurse um 56,20 EUR erreichbar. Im weiteren Verlauf und bei Erreichen der anvisierten Ziele sind auch Kurse um 77 EUR wieder vorstellbar.

Strategische Absicherungen machen aktuell nur unter dem Jahrestief 2019 bei 37,20 EUR Sinn. Sollten aber 2020 höhere Tiefs entstehen, kann man Stopps auch deutlich enger setzen.

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