• S&P 500 - Kürzel: S500 - ISIN: US78378X1072
    Börse: Commerzbank CFD / Kursstand: 2.978,43 Pkt
  • Euro-Bund Future - Kürzel: FGBL - ISIN: DE0009652644
    Börse: Commerzbank CFD / Kursstand: 174,49 %

Eine beliebte Strategie von Quant-Hedgefonds an der Wall Street ist denkbar einfach: Gewinner kaufen, Verlierer shorten. Eine solche Momentum-Strategie basiert darauf, dass sich jüngste Entwicklungen aus der Vergangenheit auch in Zukunft fortsetzen werden. Dass eine solche Momentum-Strategie langfristig funktioniert, ist auch in der Wissenschaft inzwischen anerkannt. Eine künftige Outperformance von Gewinneraktien der letzten drei bis zwölf Monate gegenüber vorherigen Verliereraktien und dem Gesamtmarkt wurde zum Beispiel in zahlreichen Studien belegt.

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Statistisch gesehen funktionieren Momentum-Strategien die meiste Zeit über ziemlich gut. Doch selbstverständlich funktioniert der Momentum-Effekt nicht immer. Ganz im Gegenteil kommt es auch immer wieder zu einem sogenannten "Momentum Crash", bei dem alles, was vorher gut gelaufen ist, plötzlich verkauft wird – und umgekehrt.

Einen solchen Crash hat es auch an den jüngsten Tagen wieder gegeben. Der folgende Chart zeigt den Momentum Factor von Dow Jones, der in den vergangenen Tagen geradezu kollabiert ist.

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Eine Auswertung des Fondsmanagers Michael Krause aus Kanada zeigt sogar, dass quantitative Long-Short-Momentum-Strategien am Montag den schlechtesten Tag seit der Finanzkrise 2009 zu verzeichnen hatten. Bei solchen Strategien werden vorherige Gewinner gekauft und Verlierer geshortet.

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Ganz anders sieht es bei Value-Strategien, ebenfalls in der Long-Short-Variante, aus. Bei diesen Strategien werden unterbewertete Aktien gekauft und überbewertete Aktien geshortet. Hier war der Montag der beste Tag seit dem Platzen der Internetblase im Jahr 2001, wie ebenfalls die Auswertung von Michael Krause zeigt. Denn tatsächlich funktionierten Value-Strategien in den vergangenen Jahren ausgesprochen schlecht und deutlich schlechter als der Gesamtmarkt. Doch jetzt auf einmal scheint Value wieder gefragt zu sein...

Die relative Underperformance von Momentum gegenüber Value zeigt sich auch, wenn man entsprechende ETFs auf den US-Aktienmarkt von iShares vergleicht. Diese ETFs bilden, im Gegensatz zu vielen Hedgefonds, jeweils nur die Long-Seite der Momentum- und Value-Faktoren ab. In den ETFs sind also Aktien enthalten, die in der Vergangenheit eine gute Performance hatten (Momentum) bzw. die nach Fundamentalkennzahlen unterbewertet sind (Value). Auch hier zeigt sich der deutliche Rückfall bei Momentum und die Outperformance von Value.

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iShares-ETFs auf Value- und Momentum-Faktoren in den USA im Vergleich

Auch abseits vom Aktienmarkt war die Momentum-Umkehr sichtbar, etwa beim Abverkauf im Bund-Future und beim Rückfall des Goldpreises unter die Marke von 1.500 US-Dollar.

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Euro-Bund-Future

Fazit: Der Markt schichtet aktuell um. Momentum ist kurzfristig out, Value ist wieder gefragt. Alles was gut gelaufen ist, wird verkauft. Werte mit schlechter Performance werden wieder hochgekauft. Gut möglich, dass die jüngsten Kursentwicklungen nur eine Reaktion auf die etwas übertriebenen Bewegungen zuvor waren. Allerdings kann auch nicht ausgeschlossen werden, dass die Märkte an einem Wendepunkt angekommen sind. Mit der EZB-Sitzung am Donnerstag und dem Fed-Zinsentscheid in der kommenden Wochen stehen zwei sehr wichtige Termine im Kalender, die den Märkten neue Impulse geben könnten. Anschließend wird man womöglich besser beurteilen können, wohin die Reise an den Märkten geht.

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