Die Charts der nordamerikanischen Marihuana-Indizes erinnern stark an den Neuen Markt Ende der 90er Jahre oder die Kryptowährungen in 2017. Und tatsächlich scheint hier der nächste Schwung die Goldgräberstimmung anzuheizen, nachdem es in den vergangenen Jahren bereits immer wieder Ausschläge nach oben gab.

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Mit ein Grund für den Hype dürfte die Vorfreude auf die Legalisierung im bevölkerungsreichsten US-Bundesstaat Kalifornien sein, wo ab dem 1. Januar 2018 der vollständig legale Verkauf von Marihuana startet. Zu den US-Staaten Washington, Oregon, Nevada, Colorado, Maine und Massachusetts sowie dem District of Columbia mit insgesamt rund 29,6 Millionen Einwohnern gesellen sich jetzt rund 39,5 Millionen Kalifornier, was der amerikanischen Cannabis-Wirtschaft nochmals erheblichen Aufwind bringen dürfte. Hinzu kommen zwanzig weitere US-Bundesstaaten, wo der medizinische Einsatz von Cannabis erlaubt ist - Tendenz steigend.

Anbei die Charts der Indizes (lineare Linienchartdarstellung vom 02.01.2015 bis 28.12.2017):

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Quelle: marijuanaindex.com

Auffällig ist hier die starke Outperformance kanadischer Aktien, welche über den betrachteten Zeitraum der letzten drei Jahre deutlich besser abschneiden konnten als die amerikanischen Firmenanteile. Auch Kanada (35,2 Millionen Einwohner) wird mit der liberale Regierung Trudeaus nach Uruguay als zweites Land der Welt den Cannabiskonsum im Juli 2018 komplett legalisieren. Einige der größten Cannabis-Unternehmen haben ihren Sitz in Kanada.

Aus wirtschaftlicher Sicht öffnen sich mit Kalifornien und Kanada gigantische Märkte, was den Ökonomen Dollarzeichen in die Augen treibt. Bereits 2017 wurde laut einem Report von Arcview Market Research der Umsatz mit dem legalen Marihuana-Handel in den USA auf 10 Milliarden Dollar beziffert - eine Steigerung von 33 % gegenüber 2016 mit 6,7 Milliarden Umsatz. Es liegt also auf der Hand, dass 2018 ein goldenes Jahr für die nordamerikanische Cannabis-Industrie werden dürfte.

Kommen wir nun zu den größten Unternehmen, welche hier in einer Liste nach Marktkapitalisierung geordnet sind:

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Quelle: marijuanaindex.com

Mittlerweile werden viele dieser Aktien auch rege in Deutschland gehandelt, wobei hier angemerkt werden muss, dass vor allem die Aktien kleinerer Firmen hochvolatil und damit höchst spekulativ einzustufen sind. Die Branche befindet sich noch in den Kinderschuhen, fehlende Daten zu Konsumenten und Marktpreisen sowie die fehlende Regulierung auf Bundesebene in den USA bringen eine hohe Unsicherheit in den Aktienmarkt. Der kanadische Markt scheint hier etwas besser organisiert zu sein.

Werfen wir einen Blick durch die charttechnische Lupe auf die beiden höchstkapitalisierten Aktien.

Canopy Growth

Mit dem Ausbruch über das 2016er Hoch beschleunigt sich die Rally deutlich. Kursziele sind schwer auszumachen, könnten aber im Bereich bei 40,00 oder 60,00 EUR liegen. Vor allem Kursrücksetzer in Richtung 14,00 - 15,00 oder 11,00 EUR würden die Aktie interessant machen. Tiefer als 9,00 USD sollte es möglichst nicht mehr gehen.

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Canopy Growth Corp. Aktie Chartanalyse

Aurora Cannabis

Es läuft eine Ausbruchsbewegung aus einer mehrmonatigen Seitwärtsrange, welche auf langfristige Sicht Potenzial bis 18,00 oder 34,00 EUR liefern könnte. Korrekturen finden am Ausbruchslevel bei 2,40 - 2,70 EUR Unterstützung, von wo aus weitere Rallyschübe starten könnten.

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Aurora Cannabis Inc. Aktie Chartanalyse

In Deutschland finden sich entsprechend der restriktiven Gesetzeslage nur wenige Firmen in der Cannabis-Branche. Als börsennotiertes Unternehmen ist hier die Deutsche Cannabis AG zu nennen, welche sich auf Beteiligungen am amerikanischen Cannabis-Markt spezialisiert hat.

Deutsche Cannabis AG

Mit einem massiven Kurssprung startete hier das Jahr 2017, anschließend pendelte sich der Wert seitwärts ein oberhalb der 1-Euro-Marke. Der zweite Rallyschub im Herbst wird aktuell korrigiert. Das langfristige charttechnische Setup ist sehr konstruktiv, oberhalb von 2,20 könnte ein neuer Anlauf bis 4,20 - 4,40 und 6,36 EUR folgen. Später sind Rallybewegungen in Richtung 30,00 EUR denkbar. Weitere Rücksetzer zur 1-Euro-Marke wären nur Alternativszenarien, könnten aber gute Chancen bieten.

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Deutsche Cannabis AG Chartanalyse

Weitere Anlagemöglichkeiten wären ETFs wie der kanadische Horizons Marijuana Life Sciences Index ETF (WKN A2DTQB, ISIN CA44054J1012) der über die Börsen München und Düsseldorf handelbar ist. Dieser ETF versucht, den oben im ersten Chart gezeigten North American Marijuana Index abzubilden. Weitere Infos gibt es hier: horizonsetfs.com/hmmj.

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Horiz.Marij.Life Scien.Ind.ETF Registered Units Class A o.N.

Fazit:

Mit der fortschreitenden Legalisierung der jahrtausendealten Nutz- und Heilpflanze in Nordamerika eröffnet sich nach dem medizinischen jetzt auch immer mehr der Markt als legales Genuss- und Rauschmittel. Und wie uns die Geschichte zeigt schwappen Trends aus Nordamerika früher oder später auf Europa und den Rest der Welt über. Ein ganzer Industriezweig, der Forschung, Medizin, Anbau und Konsum umfasst, wird aufgebaut und könnte mit anderen Branchen konkurrieren.

Ein Mutlimilliardenmarkt, der viel Geld aus dem Schwarzmarkt in legale Bahnen zieht, weckt natürlich auch Begehrlichkeiten in der Politik und vor allem in der Wirtschaft, jeder will mitverdienen. Wir erleben aktuell Wildwest-Stimmung an den Märkten. Für Anleger ist es momentan nicht leicht, angesichts unklarer Marktdaten und wechselnder Gesetzeslagen die Perlen zu finden, Investments in Cannabis-Firmen bleiben hochriskant!

Wie in Zeiten der dotcom-Blase zur Jahrtausendwende spült es momentan Visionäre, Glücksritter und Schwindler gleichermaßen in den Markt, wir werden mit Sicherheit in den kommenden Jahren auch zahlreiche Betrugsfälle, Pleiten und Übernahmen sehen. Letztlich braucht der Markt seine Zeit, um sich selbst zu regulieren, so wie wir es aus Zeiten der Internetblase oder den erneuerbaren Energien kennen.

Hohe Chancen stehen auch hier hohen Risiken gegenüber. Wer in kleine Cannabis-Firmen investiert, sollte sich des extrem hohen Risikos bewusst sein und nur Spielgeld einsetzen. Aktuell sind einige Aktien auch schon heißgelaufen, weshalb es besser sein könnte, Korrekturen und bullische Kursmuster für Einstiege zu abzuwarten. In einem solchen Markt empfiehlt es sich, das Risiko zu streuen und auf ein strenges Moneymanagement und auf die Branchengrößen oder breitgefächerte ETFs zu setzen.

Bitte beachten Sie: Der Handel mit Derivaten ist mit einem erheblichen Risiko verbunden und kann unter Umständen zum Totalverlust des eingesetzten Kapitals oder sogar zu einer Nachschusspflicht führen.