Norbert Braems, Chefvolkswirt bei Sal. Oppenheim, kommentiert die aktuelle Konjunkturlage.

Kernaussagen:

1. Der Inflationsausblick ist unverändert moderat. Die niedrigen Kernraten zeigen, dass in der Breite kein Preisdruck feststellbar ist. Nachdem die Teuerung zu Jahresbeginn wegen steigender Energiekosten höher ausgefallen ist, verlief der Preisauftrieb in den letzten Monaten sehr moderat, sodass die Inflationsrate 2010 nur bei 1,6 Prozent liegen sollte. Die Output-Lücken sind weiterhin groß. Die hohe Wettbewerbsintensität lässt den Unternehmen nach wie vor nur geringe Preissetzungsspielräume. Daher steigt vor allem die Gesamtinflation, während die Kernraten sehr niedrig sind und im Verlauf von 2010 um 1 Prozent verharren sollten. Die Inflationserwartungen sind weiterhin fest verankert. Auch 2011 dürfte die Inflationsrate in der Euro-Zone unter 2 Prozent liegen.

2. Weiterhin hohe Dynamik in Entwicklungs- und Schwellenländern. In den meisten Regionen zeichnet sich ein Übergang zu einem selbsttragenden Wachstum ab. Der IWF erwartet eine deutliche Erholung der Weltwirtschaft und hat seine Wachstumsprognose für 2010 auf 4,8 Prozent erhöht. 2011 rechnet er mit einer weiterhin starken Dynamik. Aufgrund der schwächer als erwartet ausgefallenen Entwicklung hat er die Prognose für die USA nach unten revidiert. Die Aussichten für die exportabhängige japanische Wirtschaft werden ebenfalls negativer bewertet. Die Euro-Zone profitiert von der starken Entwicklung Deutschlands. Die größte Dynamik geht unverändert von den Entwicklungs- und Schwellenländern aus. Die stärksten Impulse kommen weiterhin aus Asien, insbesondere China und Indien, die schwächste Entwicklung zeichnet sich für die mittel- und osteuropäischen Länder ab.

3. Die Euro-Zone befindet sich weiter im Aufwärtstrend. Insgesamt wird die Erholung 2010 aber hauptsächlich von Deutschland getragen sein. In den letzten Monaten haben sich die Stimmungsindikatoren in Deutschland weiter verbessert. Dies hat uns zu einer erneuten Anhebung der Wachstumsprognose für das deutsche BIP veranlasst. Wir rechnen jetzt 2010 mit einem Zuwachs von 3,5 Prozent. Deutschland liefert damit die höchsten Raten in der Euro-Zone. Dennoch verläuft die konjunkturelle Erholung immer noch zweigeteilt. Gerade die PIIGS-Staaten leiden unter den Anstrengungen zur Konsolidierung der öffentlichen Haushalte. Daher wird der konjunkturelle Aufschwung 2011 in diesen Ländern auch gedämpft ausfallen und Staaten wie Griechenland werden in der Rezession bleiben.