• Corestate Capital Holding S.A - WKN: A141J3 - ISIN: LU1296758029 - Kurs: 8,480 € (XETRA)

Doch nun kommt alles anders. Die gestrige Adhoc des Unternehmens zeigt deutlich, es brennt an allen Ecken und Enden. Ein Happy End könnte für Aktionäre noch teuer werden. Ob sie es überhaupt erleben hängt auch am Geldbeutel von Efrimidis und Ehlerding. Doch erzählen wir die Geschichte nochmals kurz im Zeitablauf.

Was geschah bisher

Alles Begann damit, dass René Parmatier Vorstand von Corestate wurde. Dies war im Dezember 2020. Parmantier ist einer der Investmentbanker, die in Frankfurt bekannt sind wie ein bunter Hund. Angetreten um den Laden komplett umzubauen und wieder zu alter Stärke zu führen, machte er sich an die mühsame Restrukturierung. Doch der Weg war gepflastert von Altlasten und Stolpersteinen. Ein Jahr später wurde bekannt, dass Stavros Efrimidis und Karl Ehlerding beabsichtigen einen nennenswerten Anteil am Unternehmen zu übernehmen. Dies taten sie dann auch. Der Verkäufer war die Aggregate Holding, ja genau die, die auch bei Adler knietief im Sumpf mit drinhängen.

Zunächst lief scheinbar auch alles nach Plan. Der Kurs legte einen Kursanstieg aufs Parkett, die Frankfurter Finanzcommunity war sich einig, hier geht wieder was. Efrimidis zog in den Aufsichtsrat ein, soweit so gut.

Kaum sind zwei Monate vergangen, wechselte Efrimidis aus dem Aufsichtsrat in den Vorstand. Parmantier hingegen wurde Leiter des Real-Estate-Debt Geschäfts. Ein ordentlicher Abstieg. Hier muss Efrimidis wohl die ein oder andere Schieflage entdeckt haben und zog den Stecker, um die Probleme selbst in die Hand zu nehmen.

Ende März verkündete Corestate dann die Verschiebung des Geschäftsberichtes. Es gab wohl Bilanzprobleme bei der Bewertung von Tochterfirmen. Ende April berichtete man dann über gigantische Abschreibungen in der Bilanz, die den Jahresverlust von Corestate auf über 200 Mio. EUR auftürmten. Das entsprach etwa 2/3 der damaligen Marktkapitalisierung. Wer dachte, nun ist das Gröbste durch, weit gefehlt!

Jetzt wird es eng

Gestern Abend kam Adhoc mit der Überschrift „Prüfung von Optionen zur Refinanzierung unter Einbeziehung von potenziellen Alternativszenarien. Prognose für das Geschäftsjahr 2022 wird zurückgezogen“. Wow! Das kann jetzt alles und nichts bedeuten. Man will die Anleihen auf jeden Fall restrukturieren. Das ist scheinbar auch dringend nötig, denn der Markt glaubt schon einige Zeit nicht mehr an eine vollständige Rückzahlung. Der Kurs der Corestate Anleihe lag zuletzt nur noch bei 50 % des Nennwerts.

Lassen wir die Prognose mal beiseite, auch das Corestate vor kurzer Zeit noch eine Dividendenankündigung rausgehauen hat, warum auch immer, wohl um den Kurs zu stützen.

Es gibt nun zwei Möglichkeiten. Einen debt-to-equity-swap, also der Tausch von Schulden in Eigenkapital, in dem sich das Aktienkapital massiv erhöht und Altaktionäre stark verwässert werden. Ein absolutes Horrorszenario für Anleiheinhaber und Aktieninhaber. Anleiheinhaber bekommen Aktien die sie nicht wollen und Aktieninhaber werden quasi enteignet.

Die zweite Alternative ist eine harte Restrukturierung der Anleihen. Längere Laufzeit, mehr Zinsen, zusätzlich eine Eigenkapitalspritze. Das ist m.E. ein realistisches Szenario. Doch man sollte die Adhoc weiterlesen. Corestate neigt dazu, die Dinge immer extrem positiv darzustellen! Da gehen bei Worten wie „signifikant geringere Einnahmen aus Akquisitionserlösen und erfolgsabhängigen Gebühren im Kerngeschäft“ und „deutlich gestiegene Unsicherheit auf Seiten der Gesellschaft aufgrund des derzeit laufenden Refinanzierungsprozesses mit möglichen negativen Folgen für das Neugeschäft im laufenden Jahr“ alle Alarmglocken an.

Die Aktie verkommt jedenfalls erstmal zum reinen Zock, bis Details auf den Tisch kommen, wie man sich die Restrukturierung vorstellt. Es gibt viel Arbeit und Efrimidis, der eigentlich ein gemachter Mann war nach seinen zahlreichen (erfolgreichen) Immobiliendeals, hat jetzt erstmal richtig Dreck am Stecken.

Aktie meiden! Ich bleibe an der Story dran!