Konzentriert wandert der Blick des Shortsellers über seine Bildschirme. Wann würde er wieder zuschlagen und in welchem Sektor ? Dann, - seine Augen funkeln wie die einer Wildkatze, die ein Stück Wild erspäht hat -, schlägt er im Bankensektor zu. Er tätigt einen Leerverkauf der Aktien der Commerzbank und von J.P. Morgan. Er shortet diese Aktien; und zwar nicht direkt, sondern mittels Knock-Out Produkte (Hebelzertifikate). Anbei die Links zu den Original-Kaufmeldungen :
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Kauf 2,5fach gehebelter Turbo Put auf Commerzbank (WKN CK2QZ) zu 0,83 €

Kauf 2,7fach gehebelten WAVE Put auf J.P. Morgan (WKN DE6WJ4) zu 0,86 €

Wie ich neuerdings zu sagen pflege: Der Shortseller investiert in fallende Kurse. Ich nutze dezidiert die Begrifflichkeit "investiert" und nicht "spekuliert", weil beide dasselbe meinen, das eine in der breiten Öffentlichkeit aber negativ, das andere positiv konnotiert ist.

Wenn Warren Buffett Aktien kauft, ist das gut. Wenn er sich mit Derivaten in Bankaktien engagiert, ist dies ebenfalls gut. Wenn ein Hedgefunds exakt diesselben Transaktionen tätigt, wird dies als Spekulation abgetan. Hier wird mit zweierlei Maß gemessen. Beide Marktteilnehmer, sowohl der Investor als auch der Trader, beabsichtigen von Preisdifferenzen zu partizipieren. Der eine tut dies im langfristigen Zeitfenster, der andere im mittelfristigen.

Und warum haben Hedgefunds eher das mittelfristige Zeitfenster im Blick ? Weil dies die Marktverhältnisse seit den 1990er Jahren erforderlich machen. Schauen Sie sich den Chart vom DAX an. Seit Ende der 1990er Jahre stolpert der Index zwischen Bullen- und Bärenmärkten schneller hin und her als er es jemals gemacht hat. Die Welt dreht sich schneller, das Globalisierungskarussell dreht sich schneller, unser Finanzsystem kommt mit diesen gewaltigen Trends nicht mehr mit, es läuft Gefahr, uns um die Ohren zu fliegen.

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Warum hat sich der eingangs erwähnte Shortseller für den Leerverkauf ausgewählter Aktien aus dem Bankensektor entschieden ?

Nun. Weil die Risikoprämien auf große Bankaktien seit Monaten wieder steil ansteigen. Es sind die typischen Verlaufsmuster, die wir aus dem Jahr 2008 kennen. Teilweise haben die Creditspreads die Niveaus von 2008 überschritten. Es herrscht zunehmend Panik. Das Ausfallrisiko wird wieder höher eingeschätzt. Diese neuerliche Entwicklung ist insofern bemerkenswert, als sich der Lehman Brothers Default 2008 im Nachhinein als Fehler herausgestellt hat. Die Folgen waren brachial, der Interbankenhandel brach ein, Schockwellen breiteten sich mit voller Wucht in die Realwirtschaft aus. Es ist eher unwahrscheinlich, dass die Politik nach der Lehman Erfahrung ein größeres Bankinstitut insolvent gehen lassen wird! Eine solche Kettenreaktion wie 2008 will keiner mehr sehen.

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Die Risikoprämien aus Bankaktien weltweit steigen. Also auch die auf chinesische Banktitel. Der Sektor ist weltweit angeknockt. Neben der Verschuldungsproblematik spielt hinein, dass sich das Geschäft der Institute seit dem Ausbruch der Finanzkrise in einigen Bereichen erheblich verändert hat. Es wird weniger gut verdient, unter anderem, weil beispielsweise der Eigenhandel eingestellt wurde oder in anderen Bereichen die Risiken heruntergefahren wurden. Insofern in Teilen also eine gesunde Entwicklung.

Warum werden Bankenshorts vorgestellt ?

Weil der Bankensektor in Europa und den USA relative Schwäche aufweist. Er underperformt die marktbreiten Indizes wie S&P 500 Index, Russell 3000 und Russell 2000. Das Jahr 2011 ist im Bankensektor bis dato durch Abwärtstrends gekennzeichnet, die sich sogar noch verschärfen. Der Sektor erfährt eine Neubewertung. Getreu der Devise : Schwäche shorten, wird gehandelt. Wir bei GodmodeTrader.de sind unabhängig. Auch wenn das Who is Who der Emittenten zu unserer Kundschaft gehört, traden wir den Sektor so, wie es uns die Charts vorgeben. Derzeit spekulativ (!) noch nach unten. Wohlwissend, dass jederzeit Nachrichten aus der Politik und seitens der Notenbanken einen Shortsqueeze einleiten können.

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Innerhalb des Bankensektor weisen die Aktien von Commerzbank und der SocGen relative Schwäche auf. Die Vergangenheit hat gezeigt, dass es Sinn macht, die schwächsten Basiswerte des schwächsten Sektors zu shorten. Deshalb fiel die Entscheidung auf diese beiden europäischen Papiere. J.P. Morgan sieht rein kurstechnisch aber auch schwach aus, eine größere Doppeltop-Trendwende ist seit Wochen dabei ausgelöst zu werden, was einem erneuten Verkaufssignal gleichkommt.

Laut einer Studie von Goldman Sachs stehen hinter 85% aller Shortpositionen am US Aktienmarkt Hedgefunds. Auf der anderen Seite gibt es zahlreiche Studien, die aufzeigen, dass diese Branche mit Leerverkäufen häufig auch Gelder verliert. Gerade in den letzten Jahren mehren sich die Aussagen bekannter Hedgefundsmanager, die den Aufbau ihres Hedgebooks überdenken und den Anteil reduzieren wollen. Die Wahrscheinlichkeit, mit einer Shortposition einen Verlust einzufahren ist erheblich größer als die mit einer Longpositionen einen Gewinn.

Herzlichst,
Ihr Harald Weygand - Head of Trading bei GodmodeTrader.de

GodmodeTrader ist ein Service der BörseGo AG : http://www.boerse-go.ag/

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