Es herrscht Katerstimmung auf dem Börsenparkett nach dem, wenn auch nur kurzen Rausch in Reaktion auf die Einigung zwischen London und Brüssel auf ein neues Brexit-Abkommen. Denn die größte Hürde steht dem Deal erst noch bevor – die Abstimmung der britischen Parlamentarier im Unterhaus am morgigen Samstag. Und wie oft waren wir schon an dieser Hürde? So oft, dass jedem Anleger klar ist, die Börse hat sich gestern etwas zu früh gefreut. Das Risiko, am Montag mit einem sehr viel tieferen DAX in den Handel gehen zu müssen, könnte im heutigen Verlauf zu weiteren Gewinnmitnahmen führen und den Markt drücken.

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Kommt es dann morgen wie erwartet und der Deal wird erneut abgelehnt, geht es im Deutschen Aktienindex weiterhin um die Unterstützung bei 12.441 Punkten. Ob sie hält, dürfte auch davon abhängen, ob Boris Johnson nach der Ablehnung noch einen Plan B in der Tasche hat und wie dieser aussieht. Erst unter dieser Marke würde die Situation im DAX technisch etwas brenzliger werden.

Die großen Indizes in New York, die normalerweise immer stärker gelaufen sind, bewegten sich in dieser Woche eigentlich nur seitwärts. Jetzt erleben wir die seltene Situation, dass der DAX ein Eigenleben entwickelt. Die Wall Street und die Ereignisse dort sind zunächst zur Nebensache geworden. Die Strafzölle gegen Airbus, Whiskey und Wein könnten jetzt aber ein neues Thema dominanter werden lassen, was bisher ignoriert wurde: eine drohende handelspolitische Eiszeit zwischen den USA und Europa.

In Nordsyrien kehrt derweil etwas Ruhe ein. Der US-Präsident drohte der Türkei mit wirtschaftlicher Zerstörung. Offenbar ist er über die Jahre des Streits mit China mittlerweile so glaubhaft geworden, dass er nun einen Waffenstillstand durch die Androhung von wirtschaftlichen Sanktionen durchsetzen konnte. Der Vorteil am Handel ist, dass die Welt gemeinsam in Aufruhr gerät. Trump hat es geschafft, das Image Chinas in der Welt zu verändern. Seine wirtschaftlichen Drohungen verfehlen keinesfalls ihre Wirkung. Man sollte sich deshalb nicht darauf verlassen, dass er wegen des laufenden Wahlkampfs schonend mit der EU umgehen wird. Es könnte ihm sogar nützen, eine klare Kante zu zeigen.

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