Als wenn die wirtschaftlichen Folgen der Corona-Pandemie nicht schon schlimm genug wären, kehrt jetzt mit dem Handelsstreit ein Thema aus dem vergangenen Jahr in die Köpfe der Anleger zurück, das nun als Krisenbeschleuniger wirken könnte.

Die Börsen erlebten heute Nacht einen Schwächeanfall, nachdem der Handelsberater der US-Regierung Navarro in einem Fernseh-Interview zunächst davon sprach, dass der Handelsvertrag mit China vor dem Aus stünde. Später korrigierte er sich, diese Einschätzung hätte sich auf das Vertrauen in die chinesische Regierung bei der Handhabe des Corona-Virus bezogen, nicht auf den Handelsvertrag.

Trotz dieser Berichtigung hinterlassen die Aussagen einen faden Beigeschmack. Die US-Regierung scheint trotz der schwachen Konjunktur nicht vor neuen Angriffen auf China zurückzuschrecken. Die Anleger fühlen sich damit in das Jahr 2019 zurückversetzt, als sich quasi im Minutentakt verbale Angriffe und verbales Zurückrudern aus Washington in Richtung Peking abwechselten.

​​​​​​​Offenbar versucht die Trump-Regierung, China die Schuld an der Pandemie in die Schuhe zu schieben. Diese Strategie hat aber schon beim Handelsvertrag nicht geklappt. China drohte bei den Verhandlungen im vergangenen Jahr an einem Punkt mit dem vollständigen Abbruch der Gespräche. Dieses Risiko ist eine Wildcard, die Peking jetzt wieder ziehen könnte.

Die jüngsten Entwicklungen stellen ein hohes Risiko für den Aktienmarkt dar. Das Letzte, was die Weltwirtschaft und damit auch die Börsen jetzt brauchen, ist eine Fortsetzung des Handelskonflikts zwischen den beiden Wirtschaftsmächten. Anleger sollten im Deutschen Aktienindex heute die 12.330 Punkte als mögliche Unterstützung im Auge behalten. Kann diese verteidigt werden, könnte es zu einem erneuten Test der 12.500er Marke und des dort liegenden Widerstands kommen. Ansonsten droht zunächst eine Fortsetzung der Seitwärtsbewegung.

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