Aus einer Pause am Aktienmarkt kann eine Trendwende werden, muss aber nicht. Im Deutschen Aktienindex reiht sich derzeit ein Tag ohne Richtung an den nächsten. Vor zwei Wochen haben die Anleger nach der imposanten Rally auf Pause geschaltet und seitdem fehlt jegliche Richtung im Markt. Nach oben müsste sich der DAX über 12.500 Punkten etablieren, um sich Chancen einzuräumen, den nach wie vor intakten Aufwärtstrend fortzusetzen. Dagegen aber sprechen weiterhin die schnell steigenden Infektionszahlen, die neue Lockdown-Maßnahmen nach sich ziehen und damit den erhofften kraftvollen Konjunkturaufschwung gefährden könnten.

Zu einer Trendwende nach unten kam es aber bislang auch nicht, da gestern erneut überzeugte Käufer in den Aktienmarkt eingestiegen sind. Viele gehen davon aus, dass die Konjunktur trotzdem wieder anspringen wird, auch wenn das Virus nicht aus der Welt ist. Der antrainierte Reflex der Anleger, eine expansive Geldpolitik mit steigenden Börsenkursen zu verbinden, zieht auch in dieser Phase der Pandemie. Zu groß ist andererseits die Angst, sich gegen die Zentralbanken zu stellen, was sich in den vergangenen Jahren oft als Fehler herausstellte.

Motivierend für Käufer wirkt US-Notenbankchef Jerome Powell, der von einem unerwartet früh einsetzenden konjunkturellen Aufschwung spricht. Damit befeuert der Fed-Chef die durch Liquidität getriebene und spekulative Rally noch zusätzlich. Dass Powell auch von Gefahren und Herausforderungen spricht, nimmt man auf Investorenseite eher sportlich. Notfalls hofft man auf noch mehr geldpolitische Eingriffe der Notenbank, die den Aufschwung keinesfalls gefährden möchte. Ob der Glaube an den Vollkasko-Schutz bei der Aktienanlage langfristig die richtige Entscheidung ist, kann allerdings nur die Zukunft zeigen.

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