… hilft nur noch Arbitrage. Arbitrage ist definiert als sicherer Gewinn ohne Risiko. Angeblich gibt es Arbitrage ja gar nicht, aber das ist eher Definitionssache. Im klassischen Sinn werden Preisdifferenzen ausgenutzt, die durch Marktineffizienz entstehen. Ein Beispiel ist etwa der Kauf eines Rohstoffes dort, wo er am billigsten ist und der Verkauf des Rohstoffes dort, wo er am teuersten ist. Lassen wir regulatorische und andere praktische Aspekte einmal außen vor, könnten Sie theoretisch in einem arabischen Land, wo das Benzing nur ein Drittel oder weniger von europäischen Preisen beträgt, ein Tankschiff voll tanken und das Benzin in Europa zum Marktpreis verkaufen. Sofern der Transport, Einkaufskosten, Lagerung und Distribution des Benzins günstiger sind als der europäische Marktpreis, machen Sie einen sicheren Gewinn. Der Aufwand dafür ist natürlich beträchtlich. Arbitrage findet daher meist auf anderen Ebenen statt und konzentriert sich auf Währungen, Zinsen, Aktien usw. Da auftretende Preisdifferenzen desselben Wertes schnell für Arbitrage genutzt werden, besteht die Möglichkeit davon zu profitieren oft nur für sehr kurze Zeit. Dennoch ist es ein lukratives Geschäft. Einige Hedgefonds haben sich auf Arbitrage Strategien spezialisiert und setzen diese erfolgreich um.

    Privatanlegern stehen im Gegensatz zu Hedgefonds selten Milliarden, Personal, Hochleistungscomputer etc. zur Verfügung. Als Privatanleger ist es also beinahe unmöglich mit den Strategien der Hedgefonds Gewinne einzufahren. Für Privatanleger lohnen sich aber andere Strategien, die nur mit kleinem Volumen umgesetzt werden können. In extremen Marktsituationen treten immer wieder Gelegenheiten auf, die als Arbitrage bezeichnet werden können. Dabei können sich Anleger Ineffizienzen im Pricing von Zertifikaten und Optionen zunutze machen. Zugegeben, diese Gelegenheiten sind selten. Derzeit bestechen vor allem zwei Leveraged Bonus Zertifikate von HSBC Trinkaus. Die zwei Zertifikate DE000TB1ZD16 und DE000TB1ZD24 bilden die Dax Performance nach, wobei der Hebel unter 1 liegt. Fällt oder steigt der Dax um 1%, steigt bzw. fällt das Zertifikat um weniger als 1%. Das erste Zertifikat hat die Schwellen von 3.200 und 6.900 Punkten, das Zweite von 3.400 und 7.000. Beide Schwellen sind derzeit außer Reichweite und dürften daher bis Laufzeitende am 16.12.2011 kaum von Relevanz sein. Zumindest scheint es unwahrscheinlich, dass der Dax in den kommenden dreieinhalb Monaten 27% gewinnt oder mehr als 35% verliert. Genau darin liegt derzeit die Gelegenheit. Die Zertifikate haben die Besonderheit, dass sie bei überschreiten der oberen Grenze die Dax Performance gehebelt nachvollziehen und bei unterschreiten der unteren Grenze ebenso die Dax Performance nachbilden. Die Zertifikate wurden im August und September 2008 ausgegeben. Der Tiefstkurs des Dax lag bei etwas über 3.500 Punkten. Damit sind die unteren Grenzen nicht verletzt worden. Bleibt es dabei, werden die Zertifikate zu mindestens 69 und 70 Euro zurückgezahlt. Die Kurse liegen derzeit bei 66,50 und 66,90 Euro. Unter der Bedingung, dass die unteren Grenzwerte nicht erreicht werden, ergibt sich daraus momentan der Gewinn von 3,6 und 4,6%. Annualisiert sind das immerhin noch deutlich über 10%. In der derzeitigen Marktlage ist das durchaus lukrativ. Die außergewöhnliche Gelegenheit für Anleger ergibt sich durch den unwahrscheinlichen Kursverlauf des Dax seit Emission. Mitte 2008 konnte davon ausgegangen werden, dass der Dax die unteren Schwellen erreicht und Anleger damit einfach an der Kursentwicklung vom Dax partizipiert hätten. Durch das erneute Unterschreiten von 6.000 Punkten, was ebenfalls kaum zu erwarten war, ist das Zertifikat günstiger, als der Auszahlungsbetrag zu Laufzeitende. Da die Preisfeststellung der Zertifikate festen Regeln befolgt, die nicht geändert werden können, muss die Emittentin derzeit einen garantierten Verlust hinnehmen bzw. sind die Zertifikate unter ihrem fair value zu haben. Würde sich der Wert der Zertifikate rein an Marktpreisen orientieren, müssten sie zum Auszahlungsbetrag mit einem Abschlag des risikolosen Zinssatzes und eventuell noch einem Risikoaufschlag für die Emittentin bewertet werden (das entspräche ca. 1% Abschlag auf den Auszahlungsbetrag). Steigt nun der Dax, partizipieren Anleger an den steigenden Kursen. Auch wenn es sich hier quasi um eine Art von Arbitrage handelt, gibt es leider dennoch Risikofaktoren. Zum einen könnten die unteren Grenzen verletzt werden. Zum anderen besteht das Emittentenrisiko. Wird das Zertifikat nicht bis zu Laufzeitende gehalten, besteht entsprechend auch ein Kursrisiko, ebenso wie Ausübungs- bzw. Liquiditätsrisiko. D.h., dass für die Scheine keine Kurse gestellt werden oder zum gewünschten Preis nicht verkauft werden können.

    Eine ganz andere Frage ist die nach dem richtigen Einstiegszeitpunkt. Momentan werden Kursziele und Analysen von fast allen Basiswerten regelmäßig angepasst. In meiner letzten Dax Analyse http://www.godmode-trader.de/blog/weygand/2011/08/15/clemens-schmale-wo-steht-der-dax-zu-jahresende/seite/1habe ich ein favorisiertes Szenario für den Dax Verlauf bis Jahresende gezeichnet. Idealerweise hätte der Dax sich zwischen 5.750 und 6.250 Punkten einpendeln sollen. Leider haben weitere grottenschlechte Konjunkturdaten den Dax nachhaltig unter 5.850 gedrückt. Dort befindet sich nun ein Widerstand. Eine Ausdehnung der Range auf 800 Punkte war zwar möglich, allerdings nicht favorisiert. Mit den Fibonacci-Retracements der letzen Hausse ergeben sich die eingezeichneten Widerstände und Unterstützungen. Der Dax konnte bereits früher als erwartet ein neues Tief ausbilden. Es ist aber gut möglich, dass die Ausbildung noch nicht abgeschlossen ist und es noch einmal bis ca. 5.200 geht. Maßgeblich für den weiteren Verlauf ist aber die Frage, ob es eine Jahresendrally geben wird. Das ist momentan leider überhaupt nicht abzuschätzen. Es gibt wenig, was wirklich dagegen spricht. Saisonale und behavioristische Faktoren sprechen für eine Jahresendrally. Die Schuldenkrise und sich weiter verlangsamendes Wachstum kann diese Situation jedoch jederzeit verändern und eine Jahresendrally im Keim ersticken. Für die hier vorgestellten Zertifikate ist der tatsächliche Kursverlauf allerdings unerheblich. Ab einem Dax Kurs von 6.000 Punkten ist die risikoarme Rendite bei Laufzeitende 0% und bei höheren Kursständen negativ. Je tiefer der Dax in den nächsten Wochen noch fallen kann, desto höher wird die risikominimierte Rendite.

    Bitte beachten Sie wie immer die Risikofaktoren. Die hier vorgestellten Investmentszenarien können Ihre persönliche Einschätzung und Entscheidung nicht ersetzen.

    Viel Erfolg

    Clemens Schmale

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    Zum Schluss möchte ich Ihnen noch die Bilanz der Investmentszenarien vom August und der noch laufenden Positionen präsentieren. Sollten Sie Trades nachgebildet haben, kann es natürlich sein, dass diese von meinen persönlichen abweichen. Dort, wo ich konkrete Renditeziele genannt hatte, habe ich diese in Klammern hinter die aktuelle Performance geschrieben. Die Alpha Zertifikate auf Dax/IBEX und WTI/Brent bleiben hinter ihrer Erwartung zurück. Das Renditeziel wurde mit 15% am Hochpunkt verfehlt. Kurserholungen bieten sich zum Verkauf an. Den Power OS auf Gold kann man mit engen Stops laufen lassen, da nicht ganz eindeutig ist, ob Gold die Rally fortsetzen wird.

    Laufende Positionen

    Power OS auf Gold DE000TB9MTS3: +95% (158%)

    Ikarus Dax/EuroStoxx DE000DR0Q3X0: +0% (10%)

    Ikarus Dax/EuroStoxx DE000SEB3R46: -6% (10%)

    Ikarus Dax/EuroStoxx DE000UB8HX98: +0% (10%)

    Alpha Dax/IBEX DE000DZ2MW77: -20% (20%)

    Futures Spread Brent DE000DZ2RCE3: -6%

    Alpha Brent/WTI DE000SG12KE0: -25% (20%)

    Futures-Spread Gold DE000DZ2RDR3: +3%

    Geschlossene Positionen

    Faktor Tracker auf Erdgas DE000CZ34JM3: -50% (60%)

    Vola long VStoxx DE000CZ34KT6: +65%

    Vola long VIX DE000CZ34KN9: +28%

    Korridor Hit Dax DE000SG1VMQ6: + 85%

    Die Zertifikateseite von GodmodeTrader.de :
    http://www.godmode-trader.de/Zertifikate