Nun hatte es der Deutsche Aktienindex nach einer wochenlangen Seitwärtsphase zur Wochenmitte endlich geschafft, sich aus dieser zu lösen und nach oben auszubrechen. Alles sah danach aus, als könne der Markt nun im Windschatten eines wieder schwächeren Euro mit der notwendigen Dynamik den Rückstand auf die Wall Street zumindest ein wenig aufholen. Aber dann machten ausgerechnet die Anleger in New York diesem Unterfangen einen Strich durch die Rechnung. Was nach dem gestrigen stärksten Einbruch an der Wall Street seit drei Monaten bleibt, ist ein Fehlausbruch im DAX. Das kann zu einer Steilvorlage für weitere Verkäufe werden, vor allem wenn der Markt die heute Nachmittag anstehenden Arbeitsmarktdaten negativ interpretiert.

Fakt ist jedoch, dass auch nach dem dramatisch wirkenden Ausverkauf gestern die Aufwärtstrends weiter intakt sind. Korrekturen in Bullenmärkten zählen zu den stärksten in der Börsengeschichte. Es kracht einmal richtig, aber danach geht es Schritt für Schritt erneut wieder nach oben, neue Verlaufshochs inklusive. Erst wenn der DAX auf dem Rückweg nach oben bei dem Versuch scheitert, diese neuen Hochs auszubilden, und dann wieder tiefer fällt als zuvor, kann von einer Trendwende gesprochen werden. Das ist de facto hier und jetzt nicht der Fall.

Wenn man Nachrichten für den Auslöser des gestrigen kleinen Ausverkaufs gerade bei den Technologiewerten identifizieren möchte, dann sind es wohl diese beiden: Dass sich der Brennstoffzellenhersteller Ballard Power und der Elektroauto-Pionier Tesla frisches Kapital über die Börse besorgen können, ist zwar auf den ersten Blick eine gute Nachricht für den kapitalintensiven Sektor und für die finanzielle Flexibilität dieser Unternehmen. Es ist auch ein gutes Zeichen für die Gesundung der gesamten Wirtschaft. Dass Aktionäre allerdings jetzt zur Kasse gebeten werden und durch eine Verwässerung ihrer Firmenanteile deren Zukunft mit bezahlen sollen, passt nicht zur Sorglosigkeit der Rally, die jüngst immer stärker um sich gegriffen hat.

Das gestrige Minus an der US-Technologiebörse Nasdaq war ein Realitäts-Check für Anleger. Es geht eben nicht um Kurssteigerungen zum Selbstzweck, sondern hier sind Unternehmen, die überleben und investieren müssen. Nachdem in den vergangenen Wochen sehr viel Fantasie gehandelt wurde, wird jetzt mal eine Prise Realität über diesen stark gestiegenen Sektor alternativer Mobilitätskonzepte verstreut.

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