Für die Aktionäre des Medizin- und Sicherheitstechnikspezialisten Drägerwerk kommt es heute knüppeldick. Nicht nur dämpft das Management die Erwartung an die Prognose für 2021. Die Gewinnprognose für 2022 liegt meilenweit unter dem Analystenkonsens. Doch der Reihe nach.

Die hohen Investitionen im Zuge der Coronakrise für intensivmedizinisches Gerät, insbesondere Beatmungsgeräte, laufen langsam aus. In den vergangenen Wochen habe sich der Trend merklich abgeschwächt, so Drägerwerk. Und auch 2022 dürfte unter diesem Aspekt schwach ausfallen. Das allein ist keine Überraschung, doch die gestrige Meldung beinhaltet gemessen an der Markterwartung zwei negative Hauptpunkte.

So geht das Management für 2021 zwar weiterhin von einem währungsbereinigten Umsatzrückgang von 2 % bis 6 % gegenüber 2020 aus. Die EBIT-Marge wird nun aber aller Voraussicht nur das untere Ende der Prognosespanne zwischen 8 und 11 % erreichen. Der Grund sind Einmalaufwendungen in einer Höhe von rund 30 Mio. EUR. Denn die Produktionskapazitäten für Masken wird Drägerwerk aufgrund starker Überkapazitäten am Markt 2022 nicht auslasten können, weshalb die 2020 und 2021 getätigten Investitionen wertberichtigt werden müssen.

Das könnte der Markt vielleicht verschmerzen. Doch mit einer Umsatzprognose von 3,0 bis 3,1 Mrd. EUR und einer voraussichtlichen EBIT-Marge zwischen 1 und 4 % liegen die Verantwortlichen extrem unter dem Analystenkonsens. Dieser lag für 2022 bei einem Umsatz von 3,13 Mrd. EUR. und einem EBIT von 210 Mio. EUR. Nimmt man den Mittelwert der ausgegebenen Spannen ergeben sich Erlöse von 3,05 Mrd. EUR und ein EBIT von 76,25 Mio. EUR. Die EBIT-Prognose liegt also 64 % unter der Markterwartung. Erst 2023 rechnet Drägerwerk wieder mit einem positiven Wachstum und auch einer höheren Profitabilität.

Aus charttechnischer Sicht sind bei Drägerwerk nicht nur die Gewinne aus diesem Jahr ausradiert, es droht auch der Anstieg seit dem Jahreswechsel 2019/20 egalisiert zu werden. Ein Gap aus dem Vorjahr bei 58,35 EUR wird mit dem heutigen Kursrutsch geschlossen. Gelingt keine schnelle Stabilisierung, sind weitere Abgaben in den unteren 50-EUR-Bereich zu erwarten. Prozyklisch deutet sich Entspannung erst über 72,10 EUR an.

Fazit: Drägerwerk macht es im negativen Sinne vor, wie es vielen Coronaprofiteuren 2022 gehen dürfte. Es sind starke Ergebniseinbrüche zu erwarten. Inzwischen ist der Kursanstieg seit 2020 so gut wie Geschichte, der Corona-Sondereffekt also im Kurs ausgepreist. Im Laufe des nächsten Jahres sollte folglich eine Stabilisierung in der Aktie eintreten und sich der Blick wieder auf Wachstum ab 2023 richten. Das kann aber noch eine ganze Weile dauern.

Jahr 2020 2021e* 2022e*
Umsatz in Mrd. EUR 3,41 3,30 3,13
Ergebnis je Aktie in EUR 13,34 11,46 6,16
KGV 4 5 10
Dividende je Aktie in EUR 0,19 0,19 0,19
Dividendenrendite 0,32 % 0,32 % 0,32 %
*e = erwartet
DRÄGERWERK-Aktie-nach-Prognoseschock-im-freien-Fall-Chartanalyse-Bastian-Galuschka-GodmodeTrader.de-1
Drägerwerk-Aktie (Wochenchart)