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    Stimmungsumschwung zugunsten des Euro

    „Es spielt fast keine Rolle, welchen Maßstab Investoren heranziehen: Die Volatilität ist beim Währungspaar EUR/USD so niedrig wie zuletzt vor der Finanzmarktkrise – teilweise sogar niedriger. Das macht den Euro im Vergleich zum US-Dollar anfällig für sprunghafte Kursbewegungen. Diese These gehört zu den absoluten Kernbotschaften 2020.“ Das Zitat haben wir eins zu eins aus dem Schlussplädoyer unseres Jahresausblicks entnommen. Neben einem „Mehr“ an Volatilität prognostizierten wir ein finales EUR-Tief gegenüber dem Greenback, um das „Macron-Gap“ bei rund 1,08 USD zu schließen. Da das Währungspaar EUR/USD praktisch rund um die Uhr gehandelt wird, gibt es nur am Wochenende ein schmales Zeitfenster, an dem es überhaupt zur Ausprägung einer Kurslücke kommen kann. Entsprechend groß ist die Relevanz und die Anziehungskraft solcher Gaps im Währungsbereich. Mit 1,0635 USD musste die europäische Einheitswährung tatsächlich ein neues, zyklisches Tief im März hinnehmen. Damit hat sich unser Jahresfahrplan (bisher) als wichtiger Orientierungsmaßstab bewährt. Doch jetzt drängt sich – aufgrund der EUR-Aufwärtsbewegung der letzten drei Monate – die Frage nach einem grundsätzlichen Gezeitenwandel zu Lasten der USA auf.

    pfeil-rotEUR/USD (Monthly)
    Chart EUR/USD

    Quelle: Refinitiv, tradesignal, Stand: 24.07.20

    Außenstab von besonderer Qualität

    Bei der Beantwortung dieser Frage stellt der Monatschart des Währungspaars aus unserer Sicht einen geeigneten Ausgangspunkt dar. Dabei möchten wir zunächst auf den „einfachen Teil“ unserer Jahresprognose – nämlich eine höhere Schwankungsintensität – zurückkommen. Am eindrucksvollsten verdeutlicht die März-Kerze des Währungspaars EUR/USD die gestiegene Volatilität. Während in 2019 zwischen dem Jahreshoch bei 1,1573 USD und dem Jahrestief bei 1,0878 USD weniger als 7 US-Cents lagen, stellte allein die High-Low-Spanne im März (1,1492 USD vs. 1,0635 USD) die gesamte Schwankungsbreite des vergangenen Jahres in den Schatten! Für die weitergehende Analyse des Währungspaars spielt die extrem schwankungsintensive Märzkerze eine entscheidende Rolle. Schließlich lässt die Handelsspanne von fast 9 US-Cents einen sog. Außenstab entstehen. Dabei handelt es sich sogar um eine ganz besondere „outside candle“, denn die Märzkerze umschließt die 13(!) vorangegangenen Monatskerzen sowie die drei folgenden (siehe Chart 1). Die dadurch gesetzten Grenzen bei 1,0635 USD und vor allem bei 1,1492 USD sind essentiell für die weitere Kursentwicklung.

    pfeil-rotEUR/USD (Quarterly)
    Chart EUR/USD

    Quelle: Refinitiv, tradesignal, Stand: 24.07.20

    Das Jahrestief gesehen?

    Doch der beschriebene, massive Außenstab ist nicht die einzige Erkenntnis der langfristigen Analyse des Währungspaares: Zusätzlich fallen die markanten Lunten der Monatskerzen von Februar bis Mai ins Auge. Das Lösen von den Monatstiefs an vier aufeinanderfolgenden Monaten signalisiert den grundsätzlichen Gezeitenwandel. Im Vergleich zum US-Dollar sollte die europäische Einheitswährung im Bereich von 1,07/1,06 USD deshalb sehr gut unterstützt sein. Vor diesem Hintergrund dürfte das Märztief bei 1,0635 USD einen wichtigen zyklischen Tiefpunkt markieren. Wir lehnen uns an dieser Stelle sogar so weit aus dem Fenster, dass dieses Low das Jahrestief 2020 darstellen sollte. Auf der Oberseite markiert die Kombination aus der 38-Monats-Linie (akt. bei 1,1475 USD) und dem vielzitierten Märzhoch aber lediglich den Auftakt zu einer massiven Widerstandszone. So hat der Euro in Relation zum Greenback in der letzten Dekade in schöner Regelmäßigkeit zusätzlich diverse Hoch- und Tiefpunkte zwischen 1,15 USD und 1,18 USD ausgeprägt. D. h. auf diesem Niveau entsteht gleichzeitig ein wichtiges, horizontales Barrierenbündel.

    pfeil-rotEUR/USD (Monthly)
    Chart EUR/USD

    Quelle: Refinitiv, tradesignal, Stand: 24.07.20

    1,15/1,18 USD: Charttechnisch ein dickes Brett

    Doch das ist immer noch nicht alles. Vielmehr stellt das Kursband zwischen rund 1,15 USD und gut 1,18 USD einen außerordentlichen Widerstandsgürtel dar. Bei rund 1,17 USD besteht darüber hinaus ein Fibonacci-Cluster aus drei unterschiedlichen Retracements (1,1684/1,1716/1,1734 USD; siehe Chart). Am schwersten wiegt aber ohne Zweifel der seit dem Hoch bei 1,60 USD bestehende Basisabwärtstrend seit 2008 (auf Monatsbasis akt. bei 1,1874 USD). Abgerundet wird das diskutierte Barrierenbündel durch einen aus dem Jahres-Pivotpunkt abgeleiteten Widerstand (1,1561 USD), welchen wir traditionell für den Jahresausblick auf Basis des Hoch-, des Tief- und des Schlusskurses des Vorjahres berechnen (siehe Grafik unten). Um dem Euro eine nachhaltige Perspektive zu geben, ist deshalb ein Bruch der Widerstandszone bei 1,15/1,18 USD notwendig. Da der MACD gerade ein neues Einstiegssignal generiert hat, halten wir einen Test der angeführten Schlüsselzone in den nächsten Monaten für durchaus realistisch. Aufgrund der Bedeutung des Kumulationswiderstands wird ein direkter Durchmarsch jedoch ein schwieriges Unterfangen. Vielmehr sollte die europäische Einheitswährung zunächst an den Hürden abprallen und neue Kraft sammeln.

    pfeil-rotEUR/USD (Quarterly)
    Chart EUR/USD

    Quelle: Refinitiv, tradesignal, Stand: 24.07.20

    Langfristige Perspektive „hängt“ am Baissetrend

    Im nächsten Schritt möchten wir einen Blick in die etwas größere „Glaskugel“ werfen. Sprich: was wäre wenn? Wie gestaltet sich die Ausgangslage, wenn dem Euro der Bruch des langfristigen Baissetrends der letzten 12 Jahre gelingt? Wir nehmen die Kernbotschaft vorweg: Aus charttechnischer Sicht käme ein solcher Befreiungsschlag einem absoluten „game changer“ gleich. Schließlich werden derart lange Trends auf der Währungsseite nicht alle Tage zu den Akten gelegt. Im Erfolgsfall definiert der Durchschnitt der letzten 38 Quartale (akt. bei 1,2048 USD) ein wichtiges Etappenziel, zumal diese Glättungslinie bestens mit dem 2012er-Jahrestief (1,2040 USD) harmoniert. Bei einem Ausbruch auf der Oberseite dürfte der Euro zum US-Dollar langfristig sogar das Mehrjahreshoch vom März 2018 bei 1,2555 USD ins Visier nehmen. Der dortige Widerstand wird noch zusätzlich durch die 200-Monats-Linie (akt. bei 1,2632 USD) verstärkt. Hier entsteht dann eine weitere ganz große Schaltstelle, denn ein Sprung über den beschriebenen Kreuzwiderstand würde die Stabilisierung seit Anfang 2015 in eine langfristige Bodenbildung umschlagen lassen. Aber zunächst ist eine solche Trendwende noch Wunschdenken und Zukunftsmusik.

    pfeil-rotEUR/USD (Quarterly)
    Chart EUR/USD

    Quelle: Refinitiv, eigene Berechnungen, Stand: 24.07.20

    USD-Index: Trendwende nimmt Form an

    Traditionell werfen wir bei der Erstellung des Währungsausblicks auch einen Blick auf den USD-Index. Dieser spiegelt die Entwicklung des Greenbacks im Vergleich zu den sechs wichtigsten Handelswährungen EUR, GBP, JPY, CHF, CAD und SEK wider. Auch hier zeichnet sich eine Trendwende inzwischen ab. Im Halbjahreschart steht für die ersten sechs Monate des Jahres 2020 ein sog. „shooting star“ zu Buche. An dem markanten Docht dieses negativen Kerzenmusters können Anleger den fehlgeschlagenen Versuch festmachen, die runde 100er-Marke nachhaltig zu überwinden. Bereits im Vorfeld scheiterte eine Reihe von Anläufen auf diese Hürde. In den letzten fünf Jahren hat sich der USD-Index immer wieder mit dem beschriebenen Widerstand auseinandergesetzt, so dass nun die Gefahr einer Topbildung nicht von der Hand zu weisen ist (siehe Chart). Der Bruch des Aufwärtstrends seit 2011 (akt. bei 94 Punkten) würde diesem Szenario Nachdruck verleihen und die Haltezone bei 90 Punkten ins Blickfeld rücken. Das korrespondierende Level zur Marke von gut 1,25 USD beim Währungspaar EUR/USD stellt indes erst das Tief vom Juni 2018 (88 Punkte) dar. Ein Abgleiten darunter würde die obere Umkehr im USD-Index vervollständigen.

    pfeil-rotUSD-Index (Semi-annually)
    Chart USD-Index

    Quelle: Refinitiv, tradesignal, Stand: 24.07.20

    Fazit und Schlussplädoyer

    Mit dem Märztief bei 1,0635 USD hat der Euro im Vergleich zur US-Valuta möglicherweise das prognostizierte, finale Verlaufstief gesehen. Seither gewinnt die langfristige Trendwende deutlich an Konturen. Deren Abschluss ist zwar noch Zukunftsmusik – und eher nicht mehr im Jahresverlauf 2020 zu erwarten –, doch das Mantra der Technischen Analyse, wonach der (USD-)Trend dein Freund ist, scheint in Zukunft nicht mehr zu gelten. Statt „sell the rallies“ findet derzeit ein Paradigmenwechsel zu „buy the dips“ statt. Auf dem Weg zu einer strategischen Bodenbildung der europäischen Einheitswährung bildet das Widerstandscluster zwischen 1,15 USD und 1,18 USD ein Barrierenbündel, das von der Bedeutung her seinesgleichen sucht. Damit stecken die dortigen Hürden eine wichtige Schlüsselzone für die EUR/USD-Entwicklung im weiteren Jahresverlauf 2020 ab.

    pfeil-rotEUR/USD (Monthly)
    Chart EUR/USD

    Quelle: Refinitiv, tradesignal, Stand: 24.07.20

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    Autor: Jörg Scherer