• EUR/USD - Kürzel: EUR/USD - ISIN: EU0009652759
    Börse: FOREX / Kursstand: 1,22324 $

Ob der Euro das Jahreshoch aus dem Januar bei 1,2349 wieder angreift, bleibt abzuwarten. Das Momentum ist jedenfalls auf seiner Seite, am Donnerstag zieht die Gemeinschaftswährung um 0,55 Prozent an. Unterstützung liefert dabei die gute Stimmung an den Finanzmärkten. Der Dollar als Weltreservewährung ist daher etwas weniger stark gefragt. Der Dollar-Index fiel auf den tiefsten Stand seit Anfang 2021, wovon auch der Euro profitiert.

Der Kurs des US-Dollars dürfte weiter nachgeben, prognostiziert Paul Doyle, Leiter für europäische Aktien bei Columbia Threadneedle. Als Grund dafür nennt er das Haushaltsdefizit der USA, das während der Amtszeit des neuen US-Präsidenten Joe Biden voraussichtlich weiter steigt. „Für den Dollar bedeutet das ein Bären-Szenario“, sagt Doyle. Die Biden-Administration will 1,9 Bio. Dollar in die Wirtschaft schießen, nachdem mit zwei Vorgängerprogrammen 3 Bio. Dollar locker gemacht worden waren und die Fed monatlich Anleihen für 80 Mrd. Dollar erwirbt.

Doyle sieht einen weiteren Faktor, der den Greenback schwächt: Eine höhere Nachfrage und geplante höhere öffentliche Ausgaben dürften dazu führen, dass sich die Produktionslücke in den USA (also die durch die Krise erzwungene Unterauslastung der gesamtwirtschaftlichen Kapazität, die aktuell bei rund 900 Mrd. Dollar liegt) schneller schließt. „Dadurch wird die US-Inflation steigen“, ist Doyle überzeugt. Hält die US-Notenbank dann die Füße still, steigt der Druck auf die Realzinsen. „Das dürfte zu einem niedrigeren Dollarkurs führen“. Strafft die Fed andererseits die Geldpolitik zu stark, drohen Finanzkrise und Rezession.

In den USA unterschreitet die Inflation seit knapp 10 Jahren das von der Fed angestrebte Inflationsziel von zwei Prozent. Der notenbankseits bevorzugte Preisindikator PCE stieg im vergangenen Jahr um 1,5 Prozent. In der EU lag die Inflationsrate noch niedriger.

Doch die Annahme einer auf Dauer niedrigen Inflation dürfte nicht zu halten sein. In den USA sind teilweise hohe Preissprünge zu sehen. Vor allem im Häuserbereich, auch Rohstoffe verteuerten sich zuletzt stark. Die Inflationserwartungen deuten inzwischen klar nach oben: Die Umfrage der New York Fed per Januar zeigte zwar "nur" drei Prozent. Doch das war immerhin ein halber Prozentpunkt höher als noch im Schnitt in 2020. Und an den Finanzmärkten steigen die Renditen zehnjähriger Staatsanleihen auf neue Rekordhöhen - ein Warnsignal, dass die Marktakteure höhere Preise erwarten.

Fed-Chef Jerome Powell hält das Risiko einer hohen Inflation aktuell noch für beherrschbar. Die Fed könnte laut Powell mehr als drei Jahre brauchen, bis sie ihre Inflationsziele erreicht. Die US-Notenbank hatte in Aussicht gestellt, die Zinsen solange nicht zu erhöhen, bis die Teuerungsrate nachhaltig und dauerhaft zwei Prozent übertroffen hat.

Der nächste wichtige Widerstand für EUR/USD liegt am Impulshoch vom 06. Januar 2021 bei 1,2249. Das Währungspaar trifft dagegen am Tief vom 17. Februar 2021 bei 1,2022 auf eine markante Unterstützung.

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