Nimmt man an, dass in den Vereinigten Staaten gegen den bisherigen Trend die Arbeitlosenquote und Haushaltsdefizite wieder steigen, die Wirtschaft wegbrechen, das CBO die Lage falsch einschätzen, die Ölproduktion fallen sowie die Erholung des Immobiliensektors abgebrochen werden wird dann wird man die Goldpreisentwicklung der vergangenen Monate nicht verstehen können und sie auf düstere Machenschaften, arglistige Täuschungen und Manipulationen, die Unfähigkeit der Politik und sinistre Weltverschwörungstheorien zurückführen.

    Steigt man nicht in diese Gedankenwelt ab, stellt sie sogar vielleicht in Frage, wenn auch nur zum Teil, dann beginnt der der Sturz im Goldpreis plötzlich langsam Sinn zu ergeben. Dann ergeben auch die Anstiege der Renditen der US Treasuries und der deutschen Bundesanleihen, des USD, der Aktienmärkte Europas und der USA, die Probleme der Schwellenländer und die Tatsache einen Sinn, dass alle Rohstoffe außer Kupfer und Öl schon längst auf dem Niveau ihrer Produktionskosten angelangt sind.

    Erst wenn man Bereitschaft dazu zeigt, neben den ultrabärischen auch leicht optimistische Szenarienverläufe zu akzeptieren wird man langsam aber sicher zu dem Entschluss gelangen, dass wir an einem bedeutenden Wendepunkt im Anlagezyklus stehen könnten. An einem, an dem der US-Dollar als Weltreservewährung eben weder abgelöst werden noch abwerten, sondern möglicherweise massiv aufwerten wird. Die USA erleben einen Energieboom, was ihnen ermöglicht, zunehmend auf Energieimporte zu verzichten. Da die Energiehandelsbilanz rund 40% zum Leistungsbilanzdefizit beiträgt bedeutet dies nichts anderes, als dass die Defizite in der Leistungsbilanz in den kommenden Jahren sukzessive schrumpfen werden. Das ist neben der Erholung des Immobilienmarktes eine positive Entwicklung.

    Der US-Dollar steht vor einem neuen Haussezyklus. Das bekommen die meisten Anleger aber nicht mit, da die wachsende Attraktivität des US-Dollars unter dem Tarnmantel der schrittweisen Drosselung der Sachkäufe der US-Notenbank erwächst und somit kaum erkennbar ist. Das Problem dabei ist, dass viele Anleger immer noch glauben, dass die Favoriten von gestern - sichere Häfen wie das Gold oder Anleihen mit Fluchtwertstatus wie die US-Treasuries oder die deutschen Bundesanleihen, Schwellenländer-Anleihen oder Aktien aus diesen Regionen, Rohstoffe sowie "sichere" Währungen wie der Schweizer Franken - auch zu den Favoriten von morgen zählen werden. Das ist aber vermutlich nicht zutreffend. Haussephasen des US-Dollars, wie jene der Jahre 1995 bis 2001, sind von einer Underperformance dieser eben genannten Märkte begleitet worden. Haussiert haben in Phasen, in denen sich der US-Dollar in einem Bullenmarkt befand hingegen deutsche, europäische und US-amerikanische Aktien.

    Würde ich mich heute entscheiden müssen, 100.000 EUR zu investieren, dann würde ich deutsche, griechische, spanische, japanische und US-amerikanische Aktien damit kaufen. Außerdem würde ich Palladium-ETFs, Kupfer-Short-Positionen sowie taktische Long-Positionen auf den US-Dollar gegenüber dem japanischen Yen aufbauen. Hätte ich mehr zur Verfügung, würde ich noch eine Eigentumswohnung oder ein Haus in Südeuropa dazu kaufen.

    Was würde ich tun, wenn ich an alledem zweifeln würde? Dann würde ich mir wahrscheinlich immer noch mehr Gold kaufen und zusehen müssen, wie der Preis immer weiter fällt. Ich würde beginnen, Erklärungen dafür zu finden und würde sie auch finden. Und wenn es sein muss, würde ich einfach alles auf Manipulationen zurückführen. Ich würde passend machen, was nicht passt. Aber das tue ich ja nicht.

    Grafiken zum Haushaltsdefizit, der Leistungsbilanz, der Gas- und Ölproduktion und andere fundamentale Belege für meine Einschätzungen finden Sie in meinem Stream.