Herr Galuschka, seit wann sind Sie an der Börse dabei?

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Wie viele Anleger, bin ich mit der Welle des Neuen Marktes an die Börse gespült worden. Allerdings erst relativ spät im Jahr 1999. Ein Kollege meines Vaters hatte ihn und schließlich auch mich mit dem Börsenfieber angesteckt. Vom Vervielfacher bis zum Totalverlust habe ich in der Folge auch alles mitgemacht. Es war einfach eine wilde Zeit an den Börsen. Wir wussten damals auch nicht wirklich, was wir taten.

Was macht die Börse für Sie so spannend?

Im Gegensatz zu vielen enttäuschten Anlegern bin ich der Börse bis heute treu geblieben. Mir macht es einfach Spaß, Trendthemen zu identifizieren und die dazu passenden Aktien zu analysieren und herauszufiltern. Das Interessante für mich persönlich ist auch, dass ich nahezu täglich etwas Neues dazulerne. Nehmen wir nur den Flashcrash im Jahr 2010. Wer hätte es für möglich gehalten, dass der Dow Jones in zehn Minuten um 1.000 Punkte fallen kann? Ich war sogar live am Screen dabei und habe gehandelt. Die Börse überrascht einfach immer wieder.

Welche Rolle spielt für Sie die Charttechnik?

Bei allem Unerwarteten lassen sich bei genauer Beobachtung der Kurse Muster erkennen und analysieren, die sich auf allen Zeitebenen wiederholen. Hinter diesen Mustern stecken die Marktteilnehmer, die als Gewohnheitstiere immer wieder dieselben Verhaltensweisen an den Tag legen. Da ich überzeugt bin, dass Trends an der Börse existieren, kann ich selbst als ausgebildeter Diplom-Volkswirt der Random-Walk-Theorie der Wissenschaft nicht sehr viel abgewinnen. Die Charttechnik leistet gerade bei der Frage des Timings von Ein- und Ausstieg gute Dienste.

Auf der anderen Seite darf man die Charttechnik natürlich auch nicht als Heiligen Gral sehen. Gerade aufgrund des technischen Fortschritts bin ich der Meinung, dass sich die Fehlsignale im Bereich der klassischen Charttechnik in den vergangenen Jahren deutlich erhöht haben. Doch wenn man dies weiß und akzeptiert, kann man es sich sogar zunutze machen.

In welchem Umfang spielen fundamentale Daten in Ihren Analysen eine Rolle?

Ich habe es mir größtenteils abgewöhnt, mit irgendwelchen Zockerpapieren herumzuhantieren. Das Unternehmen, das mich interessiert und in mein Privatdepot wandert, muss finanziell gut dastehen und vielversprechende Wachstumsperspektiven bieten. Fundamentals sind daher ein wichtiger Bestandteil meiner Analyse. Die Hardcore-Charttechniker blenden ja alles um sich herum aus und schauen nur auf den Chart. Das halte ich gerade bei Einzelaktien im mittel- bis langfristigen Anlagezeitraum für wenig sinnvoll.

Ein Beispiel: Was nützt mir eine vermeintliche Bodenbildung im Chart der Solarworld-Aktie, wenn ich aus fundamentaler Sicht weiß, dass die Firma quasi pleite ist und nur durch einen Kapitalschnitt überhaupt noch eine Lebenszeitverlängerung erhalten hat?

Auf Guidants haben Sie einen viel gelesen Stream. Auf welche Aktien setzen Sie derzeit vorrangig in Ihren Musterdepots? Welche Sektoren sind von besonderem Interesse?

Ich stelle in meinem Stream zwei Strategien vor. Zum einen die Momentumstrategie. Diese basiert auf einem trendfolgenden Ansatz und der Relativen Stärke einzelner Aktien zum Gesamtmarkt. Fundamentals spielen bei dieser Strategie nur eine geringe Rolle, im Fokus steht die technische Verfassung der Aktie.

Im Dividendendepot drehe ich den Spieß hingegen um. Hier haben Aktien mit einer hohen Dividendenrendite und einer soliden Bilanz ihren Platz. Technische Aspekte treten dabei eher in den Hintergrund. Beide Strategien sind langfristig ausgerichtet. Bei den Sektoren habe ich über viele Jahre hinweg eine Vorliebe für Biotech-Werte entwickelt. Die Biotechnologie ist neben dem Internet auch einer der wenigen (Börsen-)Trends, der aus der Jahrtausendwende heraus noch überlebt hat.

Was würden Sie Anfängern raten, die jetzt an der Börse einsteigen wollen?

Das Jahr 2014 ist bislang alles andere als einfach. Nach der Rally im vergangenen Jahr gönnen sich die Indizes eine auch verdiente Verschnaufpause. Im DAX sehe ich für den kommenden Sommer und Herbst ein mögliches Rückschlagpotenzial in den Bereich von 8.700 bis 8.500 Punkten. Daher ist, wie übrigens auch generell, ein etappenweiser Einstieg ratsam. In Anbetracht der Niedrigzinsen sollten sich die Anleger weiterhin auf dividendenstarke Unternehmen konzentrieren, die ein visibles Geschäftsmodell und eine lange Dividendenhistorie aufweisen können.

Hier ein Beispiel, an dem sich die Macht der Dividende gut zeigt: Die Aktie der Deutschen Telekom, wahrlich kein Outperformer im DAX, stand vor 10 Jahren bei 14,50 Euro. Heute notiert sie bei rund 11,50 Euro. Alle Dividenden einberechnet, hätte ein Anleger vor Steuern aber insgesamt 6,50 Euro je Aktie an Ausschüttungen erhalten. Damit liegt er mit der Position nicht rund 20% im Minus, wie es der reine Kursverlauf vermeintlich widerspiegelt, sondern satte 24% im Plus.

Nun ist die Telekom wahrlich nicht für Gewinnsteigerungen in den vergangenen Jahren bekannt gewesen und daher auch nicht das beste (Investment-)Beispiel. Dennoch ist auch in diesem Fall der Renditeeffekt der Dividende im langfristigen Kontext – wie ich finde – sehr gut zu erkennen.

Die Fragen stellte Helge Rehbein.

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