• Hapag-Lloyd AG - Kürzel: HLAG - ISIN: DE000HLAG475
    Börse: XETRA / Kursstand: 100,600 €

Es gab wohl kaum eine Aktie, über die man als fundamentaler Analyst in den vergangenen Wochen dermaßen den Kopf geschüttelt hat, wie das Papier von Hapag Lloyd. Der Kurs des Transport- und Logistikunternehmens verdoppelte sich seit April, die Marktkapitalisierung belief sich in der Spitze auf über 30 Mrd. EUR. Das würde locker für einen Platz im DAX reichen, wenn, ja wenn der Freefloat nicht bei überschaubaren 4 % liegen würde. Und darin dürfte wohl tatsächlich der Hauptgrund für die Kursexplosion liegen. Ende März teilte der Großaktionär Kühne mit, dass er den Anteil an Hapag-Lloyd auf 30 % hochgefahren habe. Andere Großaktionäre sind die Stadt Hamburg mit 13,9 % und die Staatsfonds von Katar und Saudi-Arabien, die zusammen 22,5 % der Anteile besitzen. Im Übrigen, falls Sie sich für solche Auswertungen interessieren, können Sie diese Daten in unserem Keyfacts-Widget auf Guidants abrufen.

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Quelle: Guidants

Die Kursexplosion der Hapag-Lloyd-Aktie hat sogar die Aufsichtsbehörde BaFin auf den Plan gerufen. Man werde sich die Kurs- und Umsatzentwicklung der Aktie "routinemäßig ansehen", äußerte sich eine Sprecherin gegenüber der FAZ Anfang des Monats. Auch der Hapag-Lloyd-Konzernchef Rolf Habben Jansen war angesichts der Kursrally überfragt. "Ich wüsste gerne, was da los ist. Aber ich habe ehrlich gesagt keine Erklärung", so Jansen gegenüber der FAZ.

Spekuliert wird am Markt, dass Hedgefonds, die sich mit Blick auf die Corona-Krise short in der Aktie positioniert hatten, nach einem ersten Einbruch der Aktie wohl ihre Shorts nicht rechzeitig beendet hatten. Die Kühne-Meldung und die allgemeine Markterholung zwangen diese Marktteilnehmer zu Eindeckungen, wobei kaum Stücke am Markt erhältlich waren. Das wiederum hatte den sprichwörtlichen "Short-Squeeze" zur Folge. Dass die Aktie sich meilenweit von ihrem fairen Wert entfernt hatte und auch immer noch hat, zeigen zahlreiche Analysteneinstufungen. Erst heute hat das Bankhaus Metzler die Verkaufsempfehlung bestätigt und sieht den fairen Kurs bei 83 EUR. Andere Analystenhäuser wie Warburg oder die Deutsche Bank haben Ziele bei 36,50 oder 30 EUR.

Inzwischen hat der Aktienkurs auch wenig überraschend deutlich Federn lassen müssen, selbst jetzt ist die Aktienbewertung aber immer noch aberwitzig. Das KGV liegt für das kommende Jahr bei 69. Wohlgemerkt handelt es sich hier um keinen Technologiekonzern.

Jahr 2019 2020e* 2021e*
Umsatz in Mrd. EUR 12,61 11,72 12,34
Ergebnis je Aktie in EUR 2,06 -0,74 1,46
KGV 49 - 69
Dividende je Aktie in EUR 1,10 0,29 0,65
Dividendenrendite 1,09 % 0,29 % 0,64 %
*e = erwartet

Das Kursziel von Metzler passt im Übrigen recht gut zur charttechnischen Situation. Denn ein Rücklauf auf das nun wichtige Unterstützungslevel um 82 EUR dürfte wohl das Mindeste sein, was als Korrektur fällig wäre. Dort könnte man die Aktie wieder auf Long-Signale untersuchen, zumindest technisch bewertet.

Den Hut ziehe ich im Übrigen vor meinem Kollegen André Rain, der als reiner Charttechniker die Rally der Aktie wunderbar herausarbeiten konnte. Das Archiv mit seinen Chartbesprechungen können Sie hier einsehen.

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