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Demographie - was kommt da auf uns zu?

Die demographische Entwicklung in Deutschland rückt nun schon seit einigen Jahren immer mehr in den Blickpunkt von Presse und Politik.

In erster Linie wird die demographische Entwicklung als Auslöser für die notwendigen Um- und vor allem Rückbauarbeiten am Sozialsystem angeführt. Die Ursachen sind alle bekannt: ein deutlicher Rückgang der Fertilität gepaart mit einem erfreulichen Anstieg der Lebenserwartung. Diese Entwicklungen sind nicht auf Deutschland beschränkt sondern treffen – von wenigen Ausnahmen abgesehen – auf alle Länder zu. Die neuesten UN-Daten (UN-World Population Prospects, 2004 revision, median variant) weisen einen Anstieg des Medianalters der Weltbevölkerung von 24 Jahren in 1950 auf 28 Jahre heute und knapp 38 Jahre im Jahr 2050 aus. Gleichzeitig sank die Weltgeburtenrate von 5 Kinder pro Frau vor 50 Jahren auf heute 2,55 Kinder, Tendenz weiter fallend. In 45 Jahren werden nur noch 2,05 Kinder pro Frau erwartet. Hält diese Entwicklung an, wird die Weltbevölkerung in der zweiten Hälfte diesen Jahrhunderts anfangen zu schrumpfen. Gleichzeitig nimmt auch das Verhältnis der Über-65- Jährigen zu den 15- bis 64-Jährigen (der so genannte Altenquotient) spürbar zu. Obwohl demographische Veränderungen in aller Regel schleichend und mit langer Vorlaufzeit vonstatten gehen, erfolgt in der öffentlichen Meinung oftmals eine überraschend schnelle Veränderung der Wahrnehmung. Anfang der siebziger Jahre, als der „Club of Rome“ seinen ersten Bericht zu den „Grenzen des Wachstums“ vorlegte, stand die drohende Überbevölkerung der Erde im Brennpunkt der Berichterstattung über demographische Entwicklungen. Diese Sichtweise hielt noch rund eine Dekade an. Erst seit der zweiten Hälfte der neunziger Jahre rückte die Alterung in den Mittelpunkt des öffentlichen Interesses. Dabei gehen geringere Befürchtungen hinsichtlich des Bevölkerungswachstums und größere mit Blick auf die Alterszusammensetzung Hand in Hand. Die Folge eines Rückgangs der Fertilität ist eine zunehmende Alterung der Bevölkerung. Da zusätzlich auch noch die Lebenserwartung anstieg, spricht man in Fachkreisen von einer doppelten Alterung. Eine Entwicklung, von der in besonderem Maße heute Japan und Europa betroffen sind. Aber auch in Asien zeichnen sich vergleichbare Entwicklungen ab, so sieht China die Folgen der rigorosen Ein-Kind-Politik heute mit großer Sorge auf sich zurollen. Innerhalb Europas sind besonders die Entwicklungen in Deutschland, Italien und Spanien von Interesse, denn diese bevölkerungsreichen Länder weisen dramatisch niedrige Geburtenraten auf. In den neuen EU-Mitgliedsländer gingen nach dem Ende der Sowjetunion die Geburtenraten dramatisch zurück und sind immer noch auf sehr niedrigem Niveau. Ein rapider Alterungsprozess der dortigen Bevölkerungen ist unvermeidlich. Einige Länder in der EU wie z.B. Frankreich oder Schweden weisen aber auch eine deutlich höhere Fertilität auf. In diesem Artikel werden die wichtigsten demographischen Entwicklungen Deutschlands beleuchtet.

Was bestimmt die demographische

Entwicklung? Die Bevölkerungsentwicklung eines Landes wird von drei Faktoren beeinflusst:

1. Fertilität: in der Regel ausgedrückt als Anzahl der Kinder, die eine Frau im Laufe ihres Lebens zur Welt bringt, wenn die durchschnittliche altersspezifische Geburtenziffer (Anzahl Kinder je Frau im Alter x) in Zukunft unverändert bleibt. Diese liegt in Deutschland zurzeit (2003) bei 1,34, d.h. 1.000 Frauen bringen in ihrem Leben rund 1.340 Kinder zur Welt.

2. Lebenserwartung: in der Regel ausgedrückt als Anzahl der Jahre, die ein Mensch bei Geburt wahrscheinlich erleben wird. Die aktuelle Lebenserwartung ergibt sich aus der jeweiligen Sterbetafel und stellt daher keine wirkliche Prognose dar, sondern ist eher eine Momentaufnahme der altersspezifischen Sterblichkeit in einem Land. Gegenwärtig liegt die Lebenserwartung bei Alter 0 für Männer bei 75,59 Jahren und für Frauen bei 81,34 Jahren.

3. Wanderungssaldo: neben der natürlichen Bevölkerungsbewegung, die sich aus dem Saldo Geborener zu Gestorbenen ergibt, bestimmen Zu- und Fortzüge aus einem Land die Bevölkerungsentwicklung. 2003 wanderten rund 143.000 Menschen mehr nach Deutschland zu, als fortzogen. Damit die Bevölkerung in einem Land konstant bleibt, muss eine durchschnittliche Frau in ihrem Leben rund 2,1 Kinder zur Welt bringen (d.h. 1.000 Frauen, 2.100 Kinder). Sie ersetzt damit sich selbst und ihren Partner, hinzu kommt noch ein „Sicherheitszuschlag“ für Kinder, die sich später selbst nicht fortpflanzen können oder vorher versterben. Das letzte Jahr, in dem dieser Wert in Deutschland erreicht wurde, war 1970, ihren höchsten Wert seit dem zweiten Weltkrieg erreichte die Fertilität 1964 mit 2,54. Neben der Fertilität ist auch zu beachten, wie viele Kinder in einem Land insgesamt geboren werden. Die zahlenmäßige Besetzung der unterschiedlichen Jahrgänge potenzieller Mütter ist dafür ausschlaggebend. Denn hat sich die Fertilität einmal, wie z.B. in Deutschland dauerhaft nach unten bewegt, dann genügt nicht ein entsprechender Anstieg auf das alte Niveau, um die Bevölkerungszahl konstant zu halten. Da die Kohorten potenzieller Mütter entsprechend dünner besetzt sind, müsste die Fertilität sehr weit über den Wert von 2,1 ansteigen – sieht man einmal von Zuwanderung ab – um in Deutschland die gegenwärtige Bevölkerungszahl von 82,5 Millionen dauerhaft zu halten. Bei einem Anstieg nur etwas über das Niveau von 2,1 dauert es einige Generationen, bis die alte Bevölkerungszahl wieder erreicht wird.

Ein Blick auf die Zahl der Geborenen zeigt ein ähnliches Bild wie der auf die Fertilität. 1964, dem Höhepunkt seit 1945, wurden in Deutschland 1,36 Millionen Kinder geboren. 2003 waren es noch 707.000 oder 48 % weniger. Allein seit 1990 ist die Zahl der Geborenen um 22 % gesunken.

Ein Rückgang der Fertilität, verbunden mit einer sinkenden Anzahl Neugeborener, führt unweigerlich zu einer Alterung der Gesellschaft. Zu wenige Junge rücken nach und das Durchschnittsalter bzw. Medianalter (Alter über bzw. unter dem 50 % der Bevölkerung sind) steigt an. Dieser Trend wird noch verstärkt, wenn die Lebenserwartung zunimmt. In Deutschland betrug die Zunahme der Lebenserwartung für Männer seit 1970 gut 8 Jahre und für Frauen 7,5 Jahre. Der Trend zur Zunahme der Lebenserwartung hält nach wie vor an. Bedeutsam, z.B. für die Berechnung zukünftiger Rentenlasten, ist neben der Entwicklung der Lebenserwartung ab Geburt auch die ab Alter 65. 1970 betrug dieser Wert für Männer 12,06 Jahre und für Frauen 15,18 Jahre: Heute betragen diese Werte für Männer und Frauen entsprechend 16,07 und 19,61 Jahre. Ein Anstieg um ein Drittel bei Männern und um knapp 30 % bei den Frauen, mit entsprechenden Auswirkungen auf die Finanzen der Rentenkassen.

Weitere Anstiege stehen bevor. Die Bevölkerungssituation in Deutschland wird neben Geburten und Lebenserwartung in erheblichem Maße von Wanderungsbewegungen mitbestimmt. Fast 770.000 Menschen zogen 2003 (das letzte Jahr, für das diese Daten vorliegen) nach Deutschland zu, ihnen standen 630.000 Fortzüge gegenüber. Im Saldo wuchs die deutsche Bevölkerung durch Zuwanderung um 143.000 Menschen. Die Zahlenreihe des Wanderungssaldo ist starken Schwankungen unterworfen, die u.a. von Änderungen gesetzlicher Regelungen bezüglich des Asylrechts oder anderer Bestimmungen herrühren. 1992 wanderten netto nahezu 800.000 Menschen nach Deutschland zu, 1998 waren es dagegen knapp 50.000.

Die Entwicklung der Bevölkerungszahl ergibt sich aus der Summe des Wanderungssaldo und des Geburten- oder Sterbeüberschusses. Da seit 1972 in Deutschland Jahr für Jahr mehr Menschen sterben als geboren werden, geht die Bevölkerungszunahme seitdem allein auf die Nettozuwanderung zurück. Dabei gab es auch immer einzelne Jahre, in denen die Zuwanderung nicht ausreichte, den Sterbeüberschuss zu kompensieren, wie z.B. im Jahr 2003, als die Bevölkerung um rund 5.000 Menschen schrumpfte. Langfristig wird an dieser Entwicklung ohnehin so gut wie kein Weg vorbeiführen. Selbst ein jährlicher Wanderungsüberschuss von 200.000 Menschen reicht auf Dauer nicht aus, den Bevölkerungsrückgang in Deutschland aufzuhalten.

Die zukünftige Bevölkerungsentwicklung in Deutschland

Verglichen mit vielen anderen Prognosen sind Bevölkerungsvorausschätzungen relativ sicher. Dies liegt daran, dass sich die maßgeblichen Parameter Fertilität und Sterblichkeit in aller Regel nur allmählich ändern, und die wahrscheinlichen Veränderungen in die Prognosen aufgenommen werden können. Am schwierigsten ist die Migration zu fassen. Neben ökonomischen Veränderungen haben auf sie auch regulatorische Maßnahmen maßgeblichen Einfl uss, diese sind allerdings kaum prognostizierbar. Für Deutschland erstellt das Statistische Bundesamt Bevölkerungsprognosen. Die aktuelle ist die 10. koordinierte Bevölkerungsvorausberechnung aus dem Jahr 2003. Unterstellt wurden dabei jeweils drei Szenarien für den zukünftigen Anstieg der Lebenserwartung und die Entwicklung der Nettozuwanderung, sodass insgesamt neun Varianten vorliegen. Im Folgenden beziehen wir uns immer auf die so genannte mittlere Variante (Variante 5), die einen Anstieg der Lebenserwartung bis 2050 auf 81,1 Jahre für Männer und 86,6 Jahre für Frauen unterstellt, und von einer Nettozuwanderung zwischen rund 230.000 im Jahr 2010 und 200.000 im Jahr 2050 ausgeht. Das untenstehende Schaubild gibt die Bevölkerungsentwicklung Deutschlands im Zeitraum von 1950 bis 2050 unter diesen Annahmen für die Zukunft wieder.

Gemäß diesen Prognosen wird die Bevölkerungszahl ab dem Jahr 2012 – in dem rund 83,2 Millionen Menschen in Deutschland leben sollen – beginnen zu schrumpfen. Da die getroffenen Zuwanderungsannahmen in den vergangenen Jahren nicht zutrafen, könnte der Hochpunkt der Bevölkerungsstärke auch zu einem etwas früheren Zeitpunkt erreicht sein. Im Jahr 2050 werden dann noch rund 75 Millionen Menschen in Deutschland leben. Fällt die Zuwanderung nur halb so hoch aus, werden es rund 67 Millionen Menschen sein. Sollte die Lebenserwartung stärker ansteigen als erwartet, in der Vergangenheit war dies regelmäßig der Fall, so fällt der Bevölkerungsrückgang geringer aus. Zu konservative Prognosen der Lebenserwartung vermitteln das Bild einer tendenziell zu jungen Gesellschaft und lassen Reformen der sozialen Sicherungssysteme weniger notwendig erscheinen.

Graphik 5 gibt auch Aufschluss über die Entwicklung des so genannten Altenquotienten, der das Verhältnis der 65-Jährigen und älteren zu den 15- bis 64-Jährigen darstellt. Damit gibt dieser Aufschluss über das Verhältnis von potenziell erwerbsfähiger Bevölkerung zu den potenziellen Rentnern. Dieser Quotient liegt zurzeit bei rund 28,5 %, d.h. auf 100 Personen in der Altersgruppe 15-64, kommen im Schnitt 28,5 Personen über 65. Bis 2015 weist dieser Quotient nur einen vergleichsweise moderaten Anstieg aus. Die relativ geburten-schwachen Kriegs- und Nachkriegsjahre sind die Ursache dafür. Erst Mitte der fünfziger Jahre des letzten Jahrhunderts begann die Zahl der Geburten wieder spürbar anzusteigen. Der Jahrgang 1955 erreicht 2020 das Alter von 65 Jahren. In den Jahren von 2020 bis 2035 erreichen dann die geburtenstarken Jahrgänge das Alter 65 und der Altenquotient verschlechtert sich stetig auf knapp 49 % im Jahr 2035. 100 jüngeren Bürgern stehen dann fast 50 Rentner gegenüber, 1957 – als unser heutiges Rentensystem eingeführt wurde – waren es nur 17.

Mindestens genauso interessant wie der Altenquotient ist der totale Abhängigkeitsquotient, der die potenziell erwerbstätigen Personen zu denen ins Verhältnis setzt, die noch nicht oder nicht mehr am Erwerbsleben teilnehmen, also das Verhältnis der 0- bis 14-Jährigen und der Über-65-Jährigen zu den 15- bis 64-Jährigen. Dieser Quotient gibt an, wie groß der Anteil an Menschen einer Bevölkerung ist, die zwar konsumieren aber nicht für den Produktionsprozess zur Verfügung stehen. Mit knapp 59 % erreichte er Anfang der siebziger Jahre des letzten Jahrhunderts einen Wert, der erst wieder 2025 erreicht wird. In den kommenden 20 Jahren ist die demographische Situation Deutschlands in dieser Betrachtung vorteilhafter, als sie es vor 35 Jahren war. Diese Zeit könnte man nutzen, um die Allokation von Ressourcen den neuen Erfordernissen anzupassen. Stark verkürzt bedeutet dies, dass nicht mehr Kindergärten und Schulen wie in den siebziger Jahren, sondern mehr Altenheime bereitgestellt werden müssen.

Konsequenzen der demographischen Entwicklung

Die Folgen der demographischen Veränderungen lassen kaum einen Bereich der deutschen Wirtschaft unberührt. Das Erwerbspersonenpotenzial, das ist die Anzahl der Menschen im Alter von 15 – 64, sinkt um 20 % von heute 55 Mio. auf 44 Mio. im Jahr 2050. Geht man davon aus, dass die Berufstätigkeit mit dem 20. Lebensjahr beginnt und dem 65. endet, so werden ab 2013 Jahr für Jahr mehr Menschen aus dem Erwerbsleben ausscheiden als nachrücken. Am ungünstigsten wird dieses Verhältnis in rund 25 Jahren: denn von 2026 bis 2033 übersteigt jedes Jahr die Zahl derer, die 65 Jahre alt werden, die der 20-Jährigen um über 500.000. Danach – mit dem Renteneintritt der letzten Baby-Boomer – verringert sich diese Zahl wieder.

Im Zuge dieser Entwicklung ist mit einer Entspannung der Lage auf dem Arbeitsmarkt zu rechnen, allerdings beruht ein erheblicher Teil der Arbeitslosigkeit in Deutschland darauf, dass die Qualifi kation oder der potenzielle Einsatzort von Arbeitssuchenden und angebotenen Stellen nicht zueinander passen. Dieses Missverhältnis kann auch die demographische Entwicklung nicht beseitigen. Neben der absoluten Zahl wird sich auch der Altersaufbau der Erwerbsbevölkerung verändern. Die Zahl der 35- bis 49-Jährigen wird sich bis 2050 um knapp ein Drittel verringern, die der 20- bis 34-Jährigen um ein Viertel, während die Zahl der 50- bis 64-Jährigen nahezu konstant bleibt. Gleichzeitig steigt auch das Medianalter der Bevölkerung von heute rund 41 Jahren auf 48 Jahre.

Deutlich negativer als auf den Arbeitsmarkt wirkt die demographische Entwicklung auf die Renten-, Kranken- und Pfl egeversicherung. Bei der Rentenversicherung ist der Zusammenhang für jedermann offensichtlich. Vergleicht man die Zahl der sozialversicherungspfl ichtig Beschäftigten mit der der Rentner, kommt man zu dem Ergebnis, dass heute 100 Beitragszahler für 58 Rentner aufkommen müssen, 2050 werden es 72 Rentner sein. Diese Zahl stimmt aber nur dann, wenn die Erwerbsquoten der Frauen und Personen über 55 Jahren in den nächsten Jahren kräftig ansteigen, auf Niveaus wie in den skandinavischen Ländern.

Bei der Kranken- und Pflegeversicherung zeichnen sich Entwicklungen ab, die denen bei der Rentenversicherung an Dramatik nicht nachstehen. Ein Anstieg der Gesundheitskosten ist im Zuge der zunehmenden Alterung der Gesellschaft nicht aufzuhalten. So sind die Gesundheitsausgaben für einen 60-Jährigen 2,8 mal (80-Jährigen 5,7 mal) so hoch wie für einen 30-Jährigen (vgl. Risikostrukturausgleich der Krankenkassen, 2002) und die Arzneiausgaben von 60-Jährigen 3,6 mal so hoch wie bei 30-Jährigen. Die Zahl der 60-Jährigen und älteren wird von heute 20,5 Millionen auf 28 Millionen im Jahr 2030 ansteigen. Ähnlich ist die Lage der Pfl egeversicherung. Das Pfl egefallrisiko steigt mit dem Alter. In den Altersgruppen bis 60 Jahre ist es nahezu verschwindend gering, steigt danach aber vergleichsweise steil an. Die Brisanz, die in diesen Zahlen steckt, wird erst dann deutlich, wenn man sie mit der zahlenmäßigen Entwicklung verschiedener Altersgruppen in Verbindung bringt. So wird die Zahl der Über-80-Jährigen in Deutschland von heute 3,6 Mio. auf 6 Mio. im Jahr 2030 und 9 Mio. im Jahr 2050 ansteigen. Statt 4 % wie heute werden dann 12 % der Bevölkerung in dieser Altersgruppe sein. Der Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung geht von einer notwendigen Verdreifachung des Beitragssatzes zur Pfl egeversicherung bis 2030 aus. Die Alterung der Bevölkerung wird auch das Bild der Gesellschaft verändern.

In 20 Jahren werden mehr Menschen zwischen 60 und 80 Jahre alt sein als zwischen 20 und 40. Dass ein rascher Wechsel demographischer Trends ohne eine drastische Veränderung der Zuwanderung nicht möglich ist wird deutlich, wenn man die Gruppe potenzieller Mütter, also der Frauen im Alter von 15 – 49 Jahren betrachtet. Ihre Zahl wird voraussichtlich von knapp 20 Millionen heute auf rund 14 Millionen im Jahr 2050 fallen. Der Rückgang um 30 % spiegelt die heutige Fertilität wider. Bei einer Geburtenrate von rund 1,4 (also 2/3 der zum Bevölkerungserhalt notwendigen 2,1 Kinder pro Frau) schrumpft eine Bevölkerung von Generation zu Generation um 30 %.

Ein Blick über den Tellerrand

Die demographische Entwicklung Deutschlands darf nicht verallgemeinert werden. Eine vergleichbar rasche Alterung der Bevölkerung verbunden mit einem Bevölkerungsrückgang ist keinesfalls die Regel, auch nicht unter Industrieländern. Wie bereits eingangs erwähnt, wächst die Weltbevölkerung auf Sicht der nächsten 50 Jahre weiter. Unter den großen Industrieländern wachsen vor allem die Vereinigten Staaten, deren Bevölkerung von heute knapp 300 Millionen voraussichtlich auf über 400 Millionen im Jahr 2050 ansteigen wird. Der Großteil des Bevölkerungszuwachses auf der Erde wird allerdings in Afrika und Asien stattfinden. Selbst innerhalb der EU gibt es eine Reihe von Unterschieden. So schwankte 2003 die Fertilität zwischen 1,98 in Irland und 1,17 in der Slowakei. Unter den großen Ländern weist Frankreich mit 1,89 den höchsten Wert auf, während Italien und Spanien mit 1,29 am unteren Ende liegen. Deutschland befi ndet sich im Mittelfeld, aber noch unter dem Durchschnitt der EU-25 von 1,48 Kindern pro Frau. Deutlich höher ist der Wert für die USA, die eine zum Bevölkerungserhalt ausreichende Geburtenzahl von 2,07 aufweisen, während Japan mit 1,38 auf dem Niveau Deutschlands liegt. Aus der Fertilitätsentwicklung lassen sich auch die Bevölkerungsentwicklungen ableiten. Ausgeprägter Bevölkerungsrückgang wird vor allem für Deutschland, Italien, Spanien sowie die neuen Mitgliedsländer erwartet. Der anhaltende Anstieg der Lebenserwartung führt jedoch zusammen mit den niedrigen Geburtenraten zu einer Alterung der Gesellschaft. Das Medianalter und der Altenquotient steigen in nahezu allen Ländern. Die Niveaus, von denen aus dieser Anstieg erfolgt, weisen jedoch große Unterschiede auf. Deutschland fi ndet sich bei diesen Betrachtungen regelmäßig in der Ländergruppe mit den ungünstigsten Entwicklungen. Dies hat seine Ursache vor allem darin, dass der Geburtenrückgang vor rund 40 Jahren schneller erfolgte und auf ein niedrigeres Niveau führte als in den meisten anderen Ländern.

Fazit

Deutschland hat noch knapp 10 Jahre Zeit, bis sich die Folgen des demographischen Wandels immer rascher und deutlicher zeigen werden. Diese Zeit gilt es zu nutzen, um die sozialen Sicherungssysteme vorzubereiten. Im Prinzip ist bereits alles gesagt, es mangelt aber noch an der beherzten Umsetzung der als notwendig erkannten Maßnahmen, wie z.B.

· Anhebung des Rentenalters auf 67 Jahre, Beschränkung des Leistungskatalogs der gesetzlichen Krankenversicherung verbunden mit einer stärkeren Kapitaldeckung,

· Dynamisierung der Pfl egeleistungen im Zuge einer Kapitaldeckung der Pfl egeversicherung, usw.

Der anhaltende Verzicht auf Kinder ist das bestimmende Element des demographischen Wandels in Deutschland. Die Folge ist auf gesellschaftlicher Ebene die gleiche wie auf familiärer: Vorsorgeleistungen, die früher von Kindern erbracht wurden, müssen zukünftig stärker vom Individuum selbst geleistet werden. Bei der Rente bedeutet dies, dass die fehlenden Nachkommen durch verstärkte Sparanstrengungen kompensiert werden müssen. Eine Gesellschaft, die weniger Kinder alimentieren muss, verfügt aber auch über die fi nanziellen Mittel, diese Leistungen zu erbringen.

Die Problematik kurzfristig durch eine Anhebung der Geburtenrate zu lösen, ist unmöglich. Zum einen liegt sie bereits viel zu lange auf niedrigem Niveau, um die dadurch hervorgerufenen Veränderungen des Bevölkerungsaufbaus innerhalb einer Generation zu korrigieren. Zum anderen ist auch nicht klar, wie dies bewerkstelligt werden könnte. Denn Klarheit scheint nur insoweit zu herrschen, als dass es keine monokausale Erklärung für den Geburtenrückgang gibt. Dass der so genannte „Pillenknick“ – womit der plötzliche Rückgang der Fertilität ab 1968 beschrieben wird – auch in Japan und dort sogar früher einsetzte, zeigt die Problematik, denn die „Pille“ als Verhütungsmittel ist in Japan nach wie vor nicht zugelassen. Eine Steigerung der Fertilität ist daher eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe und die Frage, wo der günstigste Ansatzpunkt für einen ersten Schritt ist, spaltet die Experten. Neuere Forschungen zeigen jedoch, dass sich das Wunschbild von der idealen Familiengröße im deutschsprachigen Raum immer stärker an die heute tatsächlich angetroffene Situation annähert. Inzwischen liegt die bei Umfragen von Frauen zwischen 20 und 34 Jahren als optimal erachtete Kinderzahl bei 1,7 und damit unter dem Selbsterhaltungsniveau. In aller Regel werden weniger Kinder realisiert als in den Wünschen geäußert. Dies liegt zum Teil auch daran, dass das Alter der Mütter bei der ersten Geburt immer weiter ansteigt, die Fruchtbarkeit mit dem Alter aber abnimmt, „(...) – so wird das Risiko der ungewollten Kinderlosigkeit, das bei einer 35-jährigen Frau etwa 25 % beträgt, in Zeiten eines immer späteren Kinderwunsches völlig unterschätzt“ (Börsch-Supan 2005).

Sieht man einmal von den Unwägbarkeiten, die mit einer veränderten Zuwanderungspolitik verbunden sind, ab, so ist die demographische Entwicklung in Deutschland für die kommenden 50 Jahre recht gut abschätzbar und kaum veränderbar. Die Gesellschaft als Ganzes und jeder Einzelne sind nun an der Reihe, ihre Dispositionen so zu treffen, dass sie von dieser Entwicklung nicht überrascht werden.

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