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Externe Quelle: ABN Amro Asset Management

Europa boomt im Osten

Das Nein zur europäischen Verfassung hat eines klar gemacht: Das Tempo der EU-Erweiterung ist vielen Bürgern zu hoch. Umstritten sind nicht nur die Beitrittsverhandlungen mit Bulgarien, Rumänien und der Türkei. Auch die Integration der im vergangenen Jahr hinzugekommenen EU-Mitglieder rückt ins Zentrum der politischen Diskussionen.

Viele Beobachter befürchten, dass die Erweiterungsdiskussion die osteuropäischen Börsen unter Druck setzen könnte. Doch bislang ist davon nichts zu spüren. Der CECE-Index, in dem die 26 wichtigsten Werte der Börsen Budapest, Prag und Warschau zusammengefasst sind, legte im Juni um mehr als zwölf Prozent zu. Der Grund ist einfach: Die Ablehnung der Verfassung hat zwar die Europa-Euphorie gedämpft. Die Anleger scheinen aber auch zu erkennen, dass sich realpolitisch kaum etwas ändern wird.

Boom- statt Planwirtschaft

Mit der EU-Erweiterung im Jahr 2004 wurde die wirtschaftliche Integration von Polen, Tschechien, Ungarn, Slowenien, der Slowakei und der drei baltischen Staaten Estland, Lettland und Litauen vollzogen. Der Konvergenzprozess ist damit aber keinesfalls abgeschlossen. Lebensstandard und Konsum hinken dem westeuropäischen Niveau noch hinterher. Entsprechend groß ist das Aufholpotenzial.

Hohes Wachstum, steigende Auslandsinvestitionen

Mit Wachstumsraten zwischen vier und sechs Prozent übertrumpfen die neuen Beitrittsländer die Altmitglieder der EU bei weitem. Während Westeuropa unter einer strukturellen Wirtschaftsschwäche leidet, sind im Osten hochflexible Reformstaaten herangewachsen. Die ehemaligen Planwirtschaften haben die Bürokratie abgebaut, die Steuersysteme vereinfacht und verstärkt in die Bildung und den Ausbau der Infrastruktur investiert.

Niedrige Lohnkosten, flexible Arbeitskräfte und die räumliche Nähe zu den Absatzmärkten in Westeuropa locken immer mehr internationale Investoren in die Region. Unbürokratische Genehmigungsverfahren und massive Steuererleichterungen steigern die Attraktivität des Investitionsstandorts Osteuropa zusätzlich.

Seit dem Zusammenbruch des Ostblocks haben sich die ausländischen Direktinvestitionen verzehnfacht. So ist ihr Kapitalbestand in den mittel- und osteuropäischen Staaten seit 1994 von 20 Milliarden Dollar auf 197 Milliarden Dollar gestiegen.

Historische Höchststände

Für internationale Anleger sind vor allem die Börsen in Ungarn, Polen und Tschechien interessant. Sie bieten neben dem vergleichsweise hohen Handelsvolumen auch eine hohe Zahl an börsennotierten Gesellschaften. Die Börsen in Rumänien, der Slowakei und den baltischen Staaten sind dagegen relativ klein und illiquide.

Für die drei großen Kernmärkte spricht auch die Kursentwicklung des vergangenen Jahres. In Warschau, Budapest und Prag haben die Leitindizes im vergangenen Jahr um mehr als 40 Prozent zugelegt und verzeichnen derzeit historische Höchststände.

Zu den erfolgversprechendsten Branchen zählen wir den Automobilsektor. Fast alle deutschen, amerikanischen und japanischen Hersteller haben Produktionsstandorte in Ungarn, Tschechien und Polen errichtet. Aber auch Banken, Versorger und die Telekommunikations- Sparte bieten Chancen, von denen ihre westeuropäischen Pendants nur träumen können. Konsumwerte werden durch den enormen Nachholbedarf der Bevölkerung getrieben, der auch die Binnenwirtschaft ankurbelt. Für weitere Kapitalzuflüsse an den Börsen könnten die anstehenden Privatisierungen in Polen und Tschechien sorgen.

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