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Am Wochenende fanden Vorwahlen in Argentinien statt. Und diese fielen aus Sicht des Marktes desaströs an. Die Opposition in Form des sozialistischen Prädidentschaftskandidaten Alberto Fernandez kam auf einen Stimmenanteil von rund 47 %. Der amtierende Präsident Mauricio Macri und seine Bewegung "Juntos por el Cambio" (Gemeinsam für den Wandel) erreichte nur 32 %. Der Markt reagiert heute regelrecht schockiert. So verliert der argentinische Peso gegenüber dem US-Dollar und dem Euro jeweils rund ein Drittel an Wert, wohlgemerkt an einem einzigen Tag.

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EUR/ARS

Argentinische Aktien fallen wiederum reihenweise zweistellig. Der argentinische Leitindex Merval notiert rund 10 % tiefer, der hier dargestellte ETF auf einen Basket mit argentinischen Aktien geht in den freien Fall über.

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GLOBAL X FDS-FTSE ARGENTINA 20

Warum reagiert der Markt so extrem? Macri galt als Marktliberaler. Er hat die Währung entkoppelt, Kapitalkontrollen aufgehoben. Und musste einen Scherbenhaufen zusammenkehren, den die Sozialistin Cristina Kirchner, von 2007 bis 2015 in Argentinien an der Macht, hinterlassen hatte. Brisant: Sein Kontrahent Alberto Fernandez war früher Kirchners Untergebener. Sollte er am 27. Oktober zum neuen Präsidenten gewählt werden, würde sie mit ihm zumindest "indirekt" ein politisches Comeback feiern. Und das nach einem Korruptionsskandal, der sich gewaschen hatte. So hatte ein Chauffeur der Kirchners (ihr Ehemann war ebenfalls Präsident) zahlreiche Fahrten unternommen und dabei Berge an Bargeld verteilt. Dies alles wurde in Notizbüchern festgehalten. Doch Kirchners Ansehen im Volk scheint das nicht nachhaltig zu schaden. Zu verdanken hat sie ihre "Wiederauferstehung" dem politischen Versagen Mauris.

Statt "null Armut", wie Mauri sie vollmundig versprochen hatte, ist diese über die vergangenen Jahre stetig gewachsen. Innerhalb eines Jahres stiegen aufgrund explodierender Inflationsraten die Lebenshaltungskosten in Argentinien um über 60 %, die Löhne aber nur um rund 30 %. Die Armutsrate kletterte von einem Viertel auf ein Drittel der Bevölkerung. Macri war eigentlich auf einem guten Weg, die Wirtschaft schien sich zu erholen. Doch die Aufbruchstimmung hielt nicht lange an. Historisch schlechte Ernten im Vorjahr schlugen auf das Geschäft, hinzu floss das Kapital aufgrund steigender Zinserwartungen in den USA wieder aus den Emerging Markets in den US-Dollarraum zurück, der Peso verlor stark an Wert. Daher ruderte Macri zurück, führte plötzlich wieder Subventionen ein. Um die Inflation unter Kontrolle zu bekommen, wurden Preise für Telekommunikationsdienstleistungen, Strom, Gas und Wasser eingefroren. Sein einstieges Vorhaben, liberal zu agieren, warf Macri also über Bord, agierte sozialistisch wie seine ärgsten Konkurrenten, um die Wiederwahl in diesem Jahr noch zu retten.

Nun steht er erneut vor einem Scherbenhaufen, allerdings vor einem eigens verursachten. 2020 muss Argentinien, das durch den IWF bereits vor Jahren "gerettet worden war", 25 Mrd. USD der gewährten Kredite zurückzahlen. Das Land steht also erneut vor dem Kollaps. Dass sich das bei einer Wahl von Fernandez ändern wird, darf bezweifelt werden.

Der Markt jedenfalls hat seine Meinung bereits getroffen. Die Uhr für Argentinien tickt wieder einmal. Und sie tickt immer schneller.

Bitte beachten Sie: Der Handel mit Derivaten ist mit einem erheblichen Risiko verbunden und kann unter Umständen zum Totalverlust des eingesetzten Kapitals oder sogar zu einer Nachschusspflicht führen.