Externe Quelle: DekaBank

Gewinnwarnungen - Keine Panik angebracht
1. Die heute veröffentlichten Öllagerbestände in den USA wurden vom Markt mit Spannung erwartet, da sie erstmals die Effekte von Hurrikan Katrina widerspiegeln würden. Angesichts der umfangreichen Produktions-, Import- und Raffinerieausfälle musste man von einem deutlichen Rückgang der Lagerbestände ausgehen. Am Ende fielen die Rückgänge aber doch nicht ganz so stark aus wie erwartet. Die Rohöllagerbestände sanken im Vergleich zur Vorwoche um 6,5 Mio. Barrels. Erwartet wurde ein Rückgang um 7,7 Mio. Barrels. Die Rohölimporte fielen angesichts der tagelangen Komplettschließung des Louisiana Offshore Port (LOOP) um 900.000 Barrels pro Tag. Die Benzinlagerbestände fielen im Vergleich zur Vorwoche um 4,3 Mio. Barrels. Der Rückgang fiel ebenfalls geringer aus als die prognostizierten 6,3 Mio Barrels. Die Bestände an Heizöl und Diesel lagen 800.000 Barrels unter dem Niveau der Vorwoche (Bloomberg- Median: -1,9 Mio Barrels). Die Kapazitätsauslastung brach erwartungsgemäß um 10,22 Prozentpunkte ein.

Dass der Rückgang der Öllagerbestände vergleichsweise moderat ausfiel, lässt sich vermutlich auch durch die Tatsache erklären, dass ein Großteil des aus der Golfregion gespeisten Pipelinenetzes über mehrere Tage hinweg ausgefallen war. Dadurch sind insbesondere die Lager in der Golfregion recht stabil geblieben, was die Lagerdaten für das sogenannte PADD III belegen. Der tatsächliche Rückgang der Produktlager dürfte in der vergangenen Woche bei den Endlagern wie beispielsweise Tankstellen stattgefunden haben. Da diese Daten aber offensichtlich nicht in die Datenerhebung mit einfließen, dürften erst die Lagerbestandsdaten der nächsten Wochen (insbesondere für Benzin) mehr Licht ins Dunkel bringen. Da die Endlager nach der Wiederinbetriebnahme der Pipelines nun wieder gefüllt werden müssen, ist in den nächsten Wochen mit weiteren deutlichen Rückgängen der Produktlager zu rechnen.

2. Die Entwicklung am Ölmarkt wird weiterhin von den Auswirkungen von Hurrikan Katrina dominiert. Seit dem 26.09.2005 belief sich der kumulierte Ausfall der Rohölproduktion im Golf von Mexiko auf 13,6 Millionen Barrels. Aktuell liegt die tägliche Produktion in der Region immer noch 860.568 Barrels bzw. 57,37 % unter dem normalen Niveau. Zum Vergleich: nach Hurrikan Ivan im vergangenen Jahr, belief sich der tägliche Ausfall nach einer ähnlichen Zeitspanne nur noch auf 490.493 Barrels pro Tag. Ersten Schätzungen des Minerals Management Service (MMS) zufolge dürften etwa 10 % der Produktion (150.000 Barrels pro Tag) für 3 bis 6 Monate ausfallen. Nichtsdestotrotz, der Ausfall der Rohölproduktion ist zweitrangig, denn diese Situation ist durch das Anzapfen der weltweiten strategischen Reserven mehr oder weniger in den Griff zu bekommen. Trotz der Ausfälle sollte sich dadurch vorerst ein deutlicher Anstieg des Rohölpreises verhindern lassen.

Viel größeres Kopfzerbrechen bereitet hingegen die katastrophale Situation bei den Raffinerien. In der Spitze hatte Hurrikan Katrina Raffineriekapazitäten im Umfang 1,77 Mio Barrels pro Tag lahmgelegt. Dies entspricht in etwa 10 % der gesamten Raffineriekapazitäten in den USA. Aktuell haben immer noch 5 Raffinerien mit einem Produktionsvolumen von 1,13 mbd den Betrieb noch nicht wieder aufgenommen. Bei vier von diesen fünf Raffinerien ist davon auszugehen, dass sich der Komplettausfall über mehrere Monate erstreckt, d.h. knapp 900.000 Barrels pro Tag an Verarbeitungskapazitäten könnten dem Markt über mehrere Monate fehlen.

3. Am vergangenen Freitag hatte die Internationale Energieagentur eine teilweise Freigabe der weltweiten strategischen Ölreserven beschlossen. In einer konzertierten Aktion der Mitgliedstaaten, sollen für eine Dauer von 30 Tagen täglich 2 Millionen Barrels an Öl und Ölprodukten aus den strategischen Reserven verkauft werden. Die Bekanntgabe dieser Nachricht hat in den vergangenen Tagen für eine zuweilen deutliche Entspannung an der Preisfront gesorgt. Was die Rohölpreisentwicklung betrifft, so machen die Rückgänge der vergangenen Tage durchaus Sinn: Erstens werden durch die Freigabe der strategischen Reserven in den nächsten Wochen knapp 39 Millionen Barrels an zusätzlichem Rohöl auf den Markt kommen. Zweitens befanden sich die Rohöllagerbestände vor dem Hurrikan auf einem recht komfortablen Niveau. Drittens wird es angesichts der Ausfälle bzw. Engpässe bei den Raffinerien gar nicht möglich sein, das gesamte zusätzliche Rohöl weiterzuverarbeiten. Insofern ist davon auszugehen, dass es in den nächsten Wochen sogar ein Überangebot an Rohöl am Markt geben wird, und die Rohöllagerbestände dann relativ schnell wieder aufgebaut werden. Dies sollte zumindest an der Rohölpreisfront für eine leichte Entspannung sorgen, wobei immer noch keine allzu starken und vor allem nachhaltigen Preisrückgänge zu erwarten sind. Ob mit oder ohne strategische Reserven, solange der Markt nicht über einen gewissen Sicherheitspuffer an freien Kapazitäten verfügt, und die Angebotsseite tendenziell eher enttäuscht als positiv überrascht, solange ist auch bei der Ölpreisentwicklung nicht mit einer Trendwende zu rechnen.

4. Was die Benzinpreisentwicklung betrifft, so kann trotz der deutlichen Preisrückgänge (an den Terminmärkten) in den vergangenen Tagen noch keinesfalls Entwarnung gegeben werden. Die Ankündigung, dass es sich bei einem Teil der zur Freigabe anstehenden strategischen Reserven um Produkte bzw. auch Benzin handeln sollte, hat zwar ihren psychologischen Effekt nicht verfehlt. Dennoch ist davon auszugehen, dass dieser vorübergehende Optimismus recht schnell wieder verfliegen könnte. Fakt ist: Von den 60 Millionen Barrels sind lediglich 21 Millionen Barrels Produkte, davon wiederum sind 11 Millionen Benzin. Betrachtet man das gesamte Ausmaß der Produktionsausfälle aufgrund der Raffinerieausfälle, so wird dies am Ende des Tages vermutlich nicht mehr als ein Tropfen auf den heißen Stein sein. Hinzu kommt, dass sich die Produkte allesamt in Europa und Asien befinden, wodurch sich erhebliche Zeitverzögerungen ergeben werden, bis dieses Öl den US-Markt erreichen wird. Von den notwendigen Tankerkapazitäten gar nicht zu sprechen. Bereits jetzt belaufen sich die tatsächlichen Ausfälle, bedingt durch die Raffinerieschließungen, auf deutlich mehr als die von der IEA bereitgestellten Produkte. Bedenkt man dann noch, dass auf Sicht der nächsten Monate mit anhaltenden Kapazitätsausfällen von täglich nahezu einer Mio. Barrels zu rechnen ist, wird schnell klar, dass es am US-Markt eine erhebliche Versorgungslücke geben wird. Diese dürfte lediglich teilweise durch Nachfragerückgänge, aufgrund des sprunghaften Anstiegs der Tankstellenpreise, abgemildert werden. Diese zu erwartende Versorgungslücke spiegelt sich unserer Ansicht nach noch nicht in den Terminkontrakten auf Benzin wieder. Insofern rechnen wir auf Sicht der nächsten Wochen mit einem erneuten Anstieg der Benzinpreise in den USA.

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