• DAX - Kürzel: DAX - ISIN: DE0008469008
    Börse: XETRA / Kursstand: 11.999,01 Pkt

Gastbeitrag von Stephan Heibel, Experte auf Guidants

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Der DAX ist in der abgelaufenen Woche um 3 % abgerutscht, Konjunktursorgen wurden durch aktuelle Konjunkturdaten bestätigt, selbst Politiker aller Couleur scheinen ihre Volkswirtschaften sehenden Auges in eine Rezession führen zu wollen. Kein Wunder, dass Anleger Sorgenfalten auf der Stirn bekommen. Schauen wir mal auf das Ergebnis unserer Sentiment-Analyse, um zu beurteilen, ob sich schon Angst und Panik ausbreitet.

Die Stimmung ist tatsächlich eingebrochen, denn auf einen Schlag betrachten 50 % (+34 %) unserer Umfrageteilnehmer den DAX als in einem Abwärtsimpuls befindlich. Nur noch 31 % (-24 %) gehen von einer übergeordneten Seitwärtsbewegung aus, die anderen Lager sind leer gefegt. Unser wichtigster Sentiment-Indikator notiert mit einem Wert von -4,4 schon wieder so niedrig wie zum Sommerschlussverkauf im August. Es gibt aber noch Luft nach unten.

Ein Ausverkauf sollte erwartet und nicht gefürchtet werden. Doch das haben viele Anleger noch nicht verstanden: 35 % (+25 %) geben an, dass sie von diesem Ausverkauf vollständig auf dem falschen Fuß erwischt wurden. Weitere 32 % (-5 %) geben an, dass sich ihre Erwartungen von vor einer Woche kaum erfüllt hätten. Auf der anderen Seite geben nur noch 25 % (-21 %) an, diese Entwicklung zum größten Teil erwartet zu haben und 8 % (+1 %) wollen sogar darauf spekuliert haben. Damit macht sich große Verunsicherung breit.

Nur noch 26 % (-4 %) gehen davon aus, dass der DAX in drei Monaten steigen wird. Unverändert 23 % (+2 %) gehen davon aus, dass der DAX in drei Monaten fallen wird. Eine Seitwärtsbewegung erwarten mit 38 % (unv.) die meisten Umfrageteilnehmer. Zwar haben Optimisten leicht die Oberhand, aber dennoch würde ich die Zukunftserwartung als noch neutral bezeichnen.

Immerhin für 21 % (+1 %) scheint der Ausverkauf geeignet zu sein, Aktien in den kommenden zwei Wochen günstig nachzukaufen. Nur noch 14 % (-4 %) wollen nach dem bereits heftigen Ausverkauf in den kommenden zwei Wochen noch Aktien verkaufen. Mit 65 % (+3 %) haben sich die meisten Anleger noch nicht über ihre nächsten Handelsaktivitäten entschieden.

Das Euwax-Sentiment zeigt an, dass viele Privatanleger ihre Absicherungspositionen in den Ausverkauf hinein geschlossen haben. Genau dazu sind sie ja da: Man gewinnt ein wenig an fallenden Kursen, um die Verluste in den bestehenden Long-Positionen abzumildern. Inzwischen bestehen kaum noch Absicherungspositionen, Privatanleger sind neutral positioniert.

Ganz anders haben institutionelle Anleger reagiert. Das liegt jedoch auch daran, dass diese zuvor überhaupt nicht abgesichert waren, sondern stark auf eine Fortsetzung der Rally gewettet haben. Diese stark optimistische Positionierung wurde in den vergangenen Tagen aufgegeben, Profis haben sich mit Put-Optionen gegen weitere Verluste abgesichert. Das Put/Call-Verhältnis der Eurex ist von 0,7 auf 2,0 angesprungen: Mit einem Schlag wurden Long-Spekulationen aufgelöst und Put-Absicherungen in großem Stil eingegangen.

In den USA war das Put/Call-Verhältnis zwar nicht so bullisch wie hier in Deutschland, aber auch in den USA haben Anleger stark Put-Absicherungen nachgefragt. Das Put/Call-Verhältnis der CBOE ist von 0,9 auf 1,1 gesprungen.

US-Fondsmanager haben ihre Investitionsquote um 7 % auf 57 % vermindert und verfügen nun wieder über eine Investitionsquote, die im laufenden Jahr mehrfach schon das Minimum angezeigt hat. Sprich: Mehr Cash hatten Fondsmanager dieses Jahr noch nie.

Die US-Privatanleger sind extrem pessimistisch, die Bulle/Bär-Quote ist auf -18 % gefallen und befindet sich schon wieder auf dem Weg zu den extrem pessimistischen Notierungen von Anfang August.

Der technische Angst und Gier Indikator des S&P 500 zeigt mit 31 % moderate Angst im Markt auf. Auch der Short Range Oscillator des S&P 500, der erfahrungsgemäß wesentlich stärker schwankt, zeigt mit einem wert von -2 % keine überverkaufte Situation an.

Interpretation

Der Stimmungseinbruch ist heftig, doch das absolute Stimmungsniveau ist noch nicht bei Angst und Panik angelangt. Damit haben wir noch kein ausreichendes Signal, das jetzt schon aggressive Käufe nahelegen würde. Allerdings würde ich die Stimmung als negativ genug interpretieren, um wieder erste Käufe zu tätigen.

Verantwortungsvoll zu investieren ist immer eine Wahrscheinlichkeitsrechnung und die entsprechende Positionierung: Ich würde der aktuellen Korrektur eine 40 %ige Wahrscheinlichkeit geben, schon zu Ende zu sein. Das heißt aber auch, dass es durchaus nochmals weitergehen kann.

Es steht die nächste Verhandlungsrunde zwischen den USA und China an. Wie die regelmäßigen Leser unter Ihnen wissen, halte ich es für unwahrscheinlich, dass es zu einer Einigung kommt. Dennoch war es gerade Donald Trump, der durch seine Tweets die Hoffnung auf eine Einigung "schneller als von vielen erwartet" geschürt hat. Und am Freitag hat sein Wirtschaftsberater Larry Kudlow nochmals bekräftigt, dass positive Ergebnisse aus dieser Verhandlungsrunde durchaus wahrscheinlich seien.

Mag sein, dass die Chinesen ein bisschen mehr Agrarprodukte aus den USA kaufen, aber eine Einigung in Sachen Umsetzung des Patentschutzes, erzwungener Knowhow-Transfer und Missbrauch des US-Kapitalmarktes ist meinen Informationen in weiter Ferne. Enttäuschungspotenzial ist also durchaus vorhanden.

Entsprechend unserer animusX-Sentimentanalyse haben extrem viele Anleger in dieser Woche einen Stimmungseinbruch erlitten. Negative Stimmung ist gemäß der Sentimenttheorie die Voraussetzung für einen tragfähigen Boden. Doch die Stimmung war zuvor sehr gut, so dass der heftige Stimmungseinbruch noch keine absolut negativen Extremwerte erzeugt hat. Da geht wohl leider noch was, könnte man im negativen Sinne sagen.

Entsprechend würde ich zwar bei extrem ausverkauften Titeln schon erste, vorsichtige Käufe tätigen. Gleichzeitig würde ich aber noch ausreichend Pulver trocken halten, um im Falle einer zweiten Ausverkaufswelle handlungsfähig (kauffähig) zu bleiben.