• DAX - Kürzel: DAX - ISIN: DE0008469008
    Börse: XETRA / Kursstand: 8.812,43 Punkte

In der letzten Handelswoche knallte der DAX unter die 8.913er Unterstützung, in dieser Woche folgte ein panikartiger Abverkauf bis 8.355 Punkte. Man muss kein Profi in Sachen Charttechnik sein, um zu erkennen, dass die Bullen und Bären ein gefährliches Spiel spielen. Für viele private Trader ist damit wieder einmal die Zeit des Hedgens und Verbilligens gekommen – vor allem, wenn man zu teuer eingekauft hat.

WERBUNG

Beim Hedgen handelt es sich um sogenannte Absicherungsgeschäfte, in denen bestehende Wertpapierbestände gegen eine Bewegung in die für den Trader ungünstige Richtung abgesichert werden sollen. Dafür werden neue Positionen eingegangen, die einen Teil oder die gesamten Verluste aus dem Wertpapiergeschäft auffangen. Besitzt ein Trader beispielsweise Daimler Aktien, könnte er seinen Bestand durch den Kauf von Put-Optionsscheinen, Put-Zertifikaten oder durch das Shorten der Aktie im CFD Handel absichern. Je nach Wahl seiner Positionsgröße wird damit ein anvisierter Teil der Verluste aufgefangen, sollte die Daimler Aktie im Kurs nachgeben.

Das hört sich doch eigentlich nach einer feinen Sache an, oder? Ich möchte nicht abstreiten, dass es Situationen gibt, in denen solche Absicherungsgeschäfte Sinn machen, bezweifle aber, dass diese Gründe für die meisten privaten Trader gegeben sind. Hedgegeschäfte kommen per Saldo einem Verkauf oder Teilverkauf der bestehenden Wertpapierbestände gleich, denn sobald eine Hedgeposition eingegangen wurde, wird der Kontostand je nach Hedgeumfang eingefroren. Am einfachsten ist dies bei einem vollständigen Hedge zu sehen. Sollte die Daimler Aktie bspw. weiter steigen, gewinnt zwar unsere Aktienposition, aber unsere Hedgeposition verliert in gleichem Umfang an Wert. Fällt der Aktienkurs hingegen tatsächlich, so sind die dort entstehenden Verluste gleich unseren Gewinnen aus der Hedgeposition. Erkennen Sie das Problem? Den gleichen Effekt würden Sie erzielen, wenn Sie Ihre Aktienposition einfach komplett veräußern würden. Dies hätte sogar noch einige weitere Vorteile:

  1. Ihr frei verfügbares Kapitals steigt, während Sie beim Hedge sowohl Kapital in der Aktie als auch im Hedge gebunden haben.
  2. Sie sparen Transaktionskosten, denn früher oder später werden sowohl der Hedge aufgelöst als auch die Originalposition.
  3. Einen Hedge durchzuführen und diesen stabil auf dem anvisierten Niveau zu halten, erfordert unter Umständen eine ständige Anpassung der vorhandenen Positionsgröße (bspw. bei Absicherung über Optionsscheine, deren Delta sich im Zeitverlauf ändert und wo der Aufgeldverlust kompensiert werden muss).
  4. Statt zwei Entscheidungsproblemen haben Sie nun gar keines mehr bzw. maximal eines. Sobald Sie einen Hedge eingegangen sind, müssen Sie sich um zwei Positionen kümmern und es stellt sich die Frage, wann ist welche Position aufzulösen.

Welchen Grund haben Sie eigentlich, um einen Hedge einzugehen? Bei den meisten Tradern lässt sich dies auf einen einzigen, leider aber auch unsinnigen Punkt, zurückführen: Angst vor Verlusten oder dem Verpassen einer Bewegung! Statt die Position aufzulösen und eventuell einen Verlust zu realisieren, wird gehedget. Man könnte ja Glück haben, und am Ende sogar beide Positionen mit einem Gewinn schließen. Ich hedge quasi die Abwärtsbewegung in Daimler, löse den Hedge am Tief auf und dann läuft die Originalposition ja wieder in Richtung Einstandspreis oder bisherigem höchsten Buchgewinn. Aber woher wollen Sie genau wissen, wann der Hedge aufzulösen ist und könnten Sie zu diesem Zeitpunkt nicht einfach auch direkt Ihre Aktienbestände zurückkaufen? Denken Sie einmal darüber nach oder ist Ihr Wertpapierbestand vielleicht rechtlich nicht auflösbar bzw. so groß, dass Sie sich beim Verkauf Ihrer Daimler Aktien selbst den Kurs kaputtmachen würden? Das wären tatsächlich zwei rationale Gründe für einen Hedge. Gründe, die vor allem im Institutionellen Bereich anzutreffen sind. Dort werden Einzelbestände gehalten, die nicht so einfach verkauft werden können. Entweder, weil die Position so groß wäre, dass man mit seinem eigenen Angebot selbst den Preis drücken würde und/oder aber, weil man die Position schlicht nicht verkaufen darf (bspw. Fonds mit einer Mindestinvestitionsquote).

Neben dem Hedgen ist jedoch auch das Verbilligen eine sehr beliebte Spielart privater Trader, um auf ungünstige Entwicklungen zu reagieren. Auch hier ist die Angst vor einem Verlusttrade oft die treibende Kraft. Der Daimler Kurs knickt ein und anstatt zu verkaufen, wird ungeplant nachgekauft. Ursprünglich wollte man gar keine weiteren Positionen aufbauen, aber nun, wo der Markt in die falsche Richtung läuft, wird nachgelegt. Bisher sind´s ja nur Buchverluste und keine echten und fällt die Aktie weiter, egal, es wird nochmals nachgekauft. Wehe dem, in Daimler entsteht ein Abwärtstrend. Dann wird nachgekauft was das Zeug hält und glauben Sie mir eines: Irgendwann kommt der eine Trend, in dem Sie verbilligt haben bis all Ihr Kapital gebunden ist und der Kurs fällt weiter wie ein Stein. In diesem Moment fällt Ihr schönes Kartenhaus zusammen, genau wie Ihr Kontostand und Ihr Psyche. Ich habe Trader gesehen, die so in nur wenigen Tagen (Intradaytrader) oder Wochen, die Arbeit von Monaten und Jahren kaputtgemacht haben. Wollen Sie wirklich dazugehören? Abgesehen davon ist es ein großer Irrtum zu meinen, dass Buchgewinne/Verluste nicht real sind? Ihr aktuelles Vermögen, über welches Sie sofort in Geldscheinen und Münzen verfügen könnten, setzt sich aus Ihrem Bargeldbestand auf dem Tradingkonto und allen Buchgewinnen und -verlusten zusammen. Haben Sie Wertpapiere im Wert von 250.000 Euro im Depot und schauen zu, wie dieser auf 125.000 Euro schrumpft, dann ist der Rückgang um 50% so real, wie er nur sein kann.

Sollte es am Markt in den nächsten Monaten wirklich turbulent zugehen, bin ich gespannt, wie viele Konten es dank Hedgings und Verbilligen wieder zerlegen wird, nur weil diese Taktiken aus der Angst der Trader heraus geboren wurden. Planen Sie Ihren Trade und traden Sie Ihren Plan und lassen Sie sich nicht zu vorschnellen Reaktionen hinreißen. Hierbei wünsche ich Ihnen viel Erfolg

Ihr Rene Berteit