• Snap Inc. - Kürzel: 1SI - ISIN: US83304A1060
    Börse: XETRA / Kursstand: 10,054 €
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Kurz nach Börsenschluss wurden die Zahlen veröffentlicht. Erst legte der Aktienkurs nachbörslich um über 7 % zu. Dieses Plus hielt sich bis zur Vorbörse am Mittwoch. Als der Handel dann tatsächlich begann, ging es steil bergab. Aus einem Plus von 7 % wurde ein Minus von 7 %.

Die enorme Range zeigt, wie unglaublich gespalten die Anlegerlager sind. Die einen sehen endlich den Turnaround, hohes Wachstum und die Profitabilität in Reichweite. Die anderen halten das Unternehmen für einen Bankrottkandidaten.

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Snap Inc.

Zur zweiten Gruppe gehöre ich. Nach den letzten Quartalszahlen sprang der Kurs nach oben. Bei 8,80 USD verkaufte ich die Aktie leer. Heute steht sie bei ca. 11,50 USD. Ein Verlust von knapp einem Viertel. Das ist nicht schön.

Wie lange ich dem Short treu bleibe, weiß ich noch nicht. Vieles hängt von den nächsten Stunden und Tagen ab, also davon, wie der Markt die jetzigen Zahlen interpretiert. Wegen der wilden Kursausschläge in beide Richtungen ist das noch nicht eindeutig.

Gegen eine Fortführung des Shorts spricht vor allem die Stabilisierung der Nutzerzahlen. Von Anfang bis Ende 2018 schrumpfte die Nutzerzahl von 191 Mio. auf 186 Mio. Der Umsatz je Nutzer konnte weiter zulegen. So konnte auch der Umsatz weiter wachsen (Grafik 1).


Diejenigen, die die Aktie kaufen, hoffen auf eine Wiederaufnahme des Nutzerwachstums. 190 Mio. Nutzer sind langfristig nicht genug, um eine Marktkapitalisierung von 16 Mrd. Dollar zu rechtfertigen. Der Umsatz, der je Nutzer generiert werden kann, ist begrenzt. Selbst wenn dieser von knapp 2 Dollar auf 4 oder 5 Dollar steigt, wäre Snap gerade so profitabel. 16 Mrd. Marktwert sind da etwas viel.

Genau deswegen ist das Unternehmen für mich auch ein Short. Der Umsatz kann derzeit noch wachsen, weil der Umsatz je Nutzer steigt. Das reicht aber nicht für Gewinn. Obwohl Snap Anfang 2019 mit 320 Mio. den zweithöchsten Umsatz in einem Quartal erzielen konnte, lag der Verlust immer noch bei 310 Mio.

So wird Snap in diesem Jahr vermutlich um die 900 Mio. Dollar Verlust schreiben. Die aktuelle Konsensprognose geht nicht davon aus, dass vor 2022 oder 2023 ein Gewinn möglich ist. Snap hat nach den neuesten Zahlen noch 1,2 Mrd. Barreserven. Dieses Polster reicht noch eine Weile.

Der Verlust würde die Reserven zwar innerhalb weniger Quartale aufzehren, doch diese Rechnung kann man so nicht machen. Der Verlust entsteht unter anderem dadurch, dass das Unternehmen im vergangenen Quartal Aktien im Wert von 162 Mio. an Mitarbeiter ausgezahlt hat. Das trägt zum Verlust bei, reduziert aber nicht den Cashbestand des Unternehmens. Das ist eine gute und eine schlechte Nachricht. Die gute: das Geld reicht länger. Die schlechte: es findet Quartal um Quartal eine stattliche Verwässerung statt.

In den kommenden Tagen wird sich zeigen, ob die Aktie weiter steigen kann oder nicht. Persönlich fand ich die Quartalszahlen ernüchternd, aber ich bin ja auch short, also alles andere als neutral.

Ich bin überzeugt, dass das Unternehmen keine 16 Mrd. wert ist. Mehr als 5 Mrd. ist fundamental einfach nicht denkbar. Ewig werde ich aber nicht darauf warten, dass sich das realisiert. Bei einem anderen Short, Spotify, musste ich fast ein Jahr auf einen Gewinn von 20 % warten. Dazwischen gab es viel Schmerz. Rennt Snap nun weiter nach oben, tue ich mir das nicht an.