Die Bundesregierung glänzt einmal mehr mit einer nonsense Änderung des Einkommensteuergesetzes und schießt damit ganz gezielt gegen Privatanleger, die ihre Kapitalerträge aus Termingeschäften erwirtschaften. Und das ganz still und heimlich zum Jahreswechsel in guter alter demokratischer und sozialer Manier. Das geänderte Gesetz sieht nun Folgendes für Termingeschäfte vor:

WERBUNG

Nach § 20 Absatz 6 Satz 4 werden die folgenden Sätze eingefügt:
Verluste aus Kapitalvermögen im Sinne des Absatzes 2 Satz 1 Nummer 3 dürfen nur in Höhe von 10 000 Euro mit Gewinnen im Sinne des Absatzes 2 Satz 1 Nummer 3 und mit Einkünften im Sinne des § 20 Absatz 1 Nummer 11 ausgeglichen werden; die Sätze 2 und 3 gelten sinngemäß mit der Maßgabe, dass nicht verrechnete Verluste je Folgejahr nur bis zur Höhe von 10 000 Euro mit Gewinnen im Sinne des Absatzes 2 Satz 1 Nummer 3 und mit Einkünften im Sinne des § 20 Absatz 1 Nummer 11 verrechnet werden dürfen."

Link zur Gesetzesänderung: https://www.bundesrat.de/SharedDocs/drucksachen/2019/0601-0700/649-19.pdf;jsessionid=994163D05E496D3D58EED7A2ECCCA424.1_cid365?__blob=publicationFile&v=1

Zur Klärung, was unter die oben genannten Absätze und Nummern im Gesetz fällt:

§20 Absatz 2 Satz 1 Nummer 3 EStG

Zu den Einkünften aus Kapitalvermögen gehören auch

3. der Gewinn

a) bei Termingeschäften, durch die der Steuerpflichtige einen Differenzausgleich oder einen durch den Wert einer veränderlichen Bezugsgröße bestimmten Geldbetrag oder Vorteil erlangt;
b) aus der Veräußerung eines als Termingeschäft ausgestalteten Finanzinstruments;

§20 Absatz 1 Nummer 11 EStG

Stillhalterprämien, die für die Einräumung von Optionen vereinnahmt werden; schließt der Stillhalter ein Glattstellungsgeschäft ab, mindern sich die Einnahmen aus den Stillhalterprämien um die im Glattstellungsgeschäft gezahlten Prämien.


Auf meinem Guidants-Desktop setze ich konkrete Handelsideen in einem 20.000 EUR Echtgelddepot um!
Folgen Sie mir und traden Sie mit!


Was bedeutet das also nun konkret für den Privatanleger, der mit Termingeschäften seine Kapitalerträge erwirtschaftet?

Zunächst einmal wird es durch diese Gesetzesänderung so sein, dass nicht nur Privatanleger betroffen sind, die mit Optionen und Futures handeln, sondern auch diejenigen die mit Optionsscheinen und KO-Zertifikaten handeln. Der Grund ist unter dem genannten §20 Absatz 2 Satz 1 Nummer 3 b) EStG zu finden. Hier heißt es nämlich "aus der Veräußerung eines als Termingeschäft ausgestalteten Finanzinstruments;"

Soweit wie ich das beurteilen kann, wird es also in Zukunft eine steuerliche Unterscheidung zwischen den einzelnen strukturierten Produkten geben. Jedes strukturierte Finanzprodukt, das eine derivative Komponente enthält, wie bspw. Optionsscheine und KO-Zertifikate, wird unter den Punkt fallen, dass es sich um ein als Termingeschäft ausgestaltetes Finanzinstrument handelt. Strukturierte Produkte, wie bspw. die Indexzertifikate, Bonuszertifikate usw. also die ohne Hebelwirkung (Delta1 Produkte), werden nicht darunter fallen.

Der absurde Teil, soweit ich das interpretiere, ist aber die Beschränkung auf eine inner jährliche Verrechnung und steuerliche Anerkennung der Verluste auf maximal 10.000 EUR. Was das für den Privatanleger bedeutet, kann man sich am einfachsten an einem Rechenbeispiel veranschaulichen:

Nehmen wir an, dass Anleger A zum Jahresende 100.000 EUR Profit aufweisen kann. Gleichzeitig hat er aber auch Verluste in Höhe von 80.000 EUR erzielt. Laut der aktuell noch geltenden Regelung müsste Anleger A Kapitalerträge in Höhe von 20.000 EUR versteuern, da die Verluste voll angerechnet werden können. Anleger A müsste also 25 % Kapitalertragsteuer auf 20.000 EUR zahlen, was 5.000 EUR Steuerlast entspricht.

Mit der neuen Regelung schaut es 2021 so aus, dass von diesen 80.000 EUR Verlust lediglich maximal 10.000 EUR eine steuerliche Berücksichtigung finden. Damit müsste Anleger A statt 20.000 EUR satte 90.000 EUR (100.000 EUR - 10.000 EUR) versteuern. Die Steuerlast würde also auf 22.500 EUR ansteigen, obwohl lediglich ein Bruttogewinn von 20.000 EUR erwirtschaftet wurde. Der Anleger hätte also eine Art Nachschusspflicht gegenüber dem Staat von 2.500 EUR.

Richtig gehört! Das muss man sich mal durch den Kopf gehen lassen. An Schwachsinnigkeit nicht zu überbieten, was sich die sozialen Umverteiler da wieder einfallen haben lassen, wenn das tatsächlich so richtig interpretiert wurde. Wieder einmal wird der Fachkräftemangel in Berlin mehr als deutlich.

Das Gesetz zielt sicherlich auf Spekulanten ab, verfehlt diese Intention aber meilenweit, da hier nur Privatanleger, also keinen institutionellen Anleger getroffen werden. Es ist auch jeder betroffen der bspw. mit Optionen / Optionsscheinen sein Depot absichert oder systematisch mit Optionsstrategien handelt. Diese Vorgehensweisen dienen eigentlich der Risikominimierung, als Anleger wird man hierfür nun bestraft.

Dieser Regulierungswahnsinn muss endlich aufhören. Lasst die Leute verdammt nochmal selbst entscheiden, wie sie ihr eigenes Geld anlegen und kümmert euch um eure eigenen Sparbücher.

PS: Man sollte diese Thematik unbedingt weiter verfolgen, da es sicherlich zu Klagen hinsichtlich verfassungsrechtlicher Bedenken kommen wird. Meiner Meinung nach sollte man als Privatanleger dieses Mal auch nicht einfach nur zuschauen, sondern selbst aktiv werden und sich bspw. entsprechenden Musterverfahren anschließen.