Externe Quelle: DekaBank

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1. Eine Vielzahl der privaten Haushalte hat im Mai in ihrem Briefkasten einen Scheck vom Staat erhalten. Hintergrund hierfür sind die Steuerrückerstattungen im Rahmen des Konjunkturpakets. Die heutigen Daten zu den Einnahmen und Ausgaben im Mai geben genaueren Aufschluss über deren Auswirkungen. Im Mai stiegen die Einnahmen mit 1,9 % mom überraschend stark (Bloomberg-Umfrage: 0,4 %, DekaBank: 0,5 %).

2. Was auf den ersten Blick wie ein großer Prognosefehler der Analysten aussieht, relativiert sich allerdings recht schnell: Von den Steuerrückerstattungen profitierten nicht nur die Personen, die im vergangenen Jahr Steuern gezahlt hatten. In diesen Fällen verringerte sich lediglich die zu leistende Steuerzahlung im Mai, sodass die verfügbaren Einkommen (Differenz aus Einnahmen und Steuerzahlung) um 5,7 % gegenüber dem Vormonat sehr kräftig anstiegen. Daneben erhielten auch Personen eine „Rückzahlung“, obwohl sie im vergangenen Jahr keine Steuer bezahlt hatten. Diese Zahlungen fließen in die Transferzahlungen ein, die eine Teilkomponente der Einnahmen darstellen. Zwar war die Gesamthöhe der Steuerrückerstattungen im Vorfeld bekannt, allerdings ließ sich nicht zuordnen, wie viel in den Bereich der geringeren Steuerlast bzw. in den Bereich der Transferzahlungen fließen würde. Somit stellt das Einnahmenplus zwar eine positive Überraschung dar, die Entwicklung der verfügbaren Einkommen trifft dagegen unsere Erwartungen.

3. Die Einnahmen der privaten Haushalte sind aber nicht nur wegen der Steuerrückerstattungen kräftig angestiegen, sondern auch weil fast alle Einnahmenquellen höhere monatliche Zuwachsraten als im Vormonat vorzuweisen haben: Die Löhne und Gehälter stiegen um 0,3 % mom nach einem Rückgang um 0,1 % im Vormonat. Die Jahresveränderungsrate ist mit 4,6 % zwar weiterhin unterdurchschnittlich. Der Tiefpunkt im März (3,9 %) scheint aber überwunden zu sein. Sehr kräftig stiegen die Einnahmen aus Mieten und Pachten (11,1 % mom), und auch die Zuwächse der Unternehmereinkommen (0,6 % mom) sowie der Dividendeneinnahmen (0,6 % mom) stechen positiv hervor. Dem niedrigen Zinsumfeld ist geschuldet, dass die Zinseinnahmen zum achten Mal in Folge gegenüber dem Vormonat gesunken sind.

4. Die privaten Konsumausgaben stiegen im Mai mit 0,8 % mom ebenfalls stärker als erwartet (Bloomberg-Median und DekaBank: 0,7 %). Der starke Zuwachs der verfügbaren Einkommen führte zu einem sehr kräftigen Anstieg der Sparquote auf 5,0 %, was freilich ein Einmaleffekt ist wie schon zum Jahreswechsel 2004 / 5 (damals Dividendenausschüttung von Microsoft).

5. Das Ausgabenplus setzt sich zusammen aus einem Rückgang der Ausgaben für Gebrauchsgüter (-0,2 %), weil zum dritten Mal in Folge der Autokonsum (-1,4 % mom) sank. Relativ kräftig stieg dagegen der Konsum für Verbrauchsgüter (+1,2 % mom), der zur Hälfte auf den Bereich der Energiegüter (4,4 % mom) zurückzuführen ist. Zudem ist der Konsum für Dienstleistungen überdurchschnittlich stark gewesen (0,7 % mom). Die Auswirkungen der Steuerrückerstattungen auf die privaten Einnahmen sind einfach zu berechnen. Für die Ausgaben gilt dies nicht, da nicht bekannt ist, wie sich die privaten Haushalte ohne Steuerrückerstattungen verhalten hätten. Das Bureau of Economic Analysis berechnete einen Anstieg der verfügbaren Einkommen ohne die Steuerrückerstattungen in Höhe von 46,4 Mrd. US-Dollar (ann.). Unterstellt man, dass die privaten Haushalte diese Summe auch dann ausgegeben hätten, wenn keine zusätzlichen Zahlungen erfolgt wären, dann entfallen rund 31 Mrd. US-Dollar der gesamten zusätzlichen Konsumausgaben im Mai auf die Steuerrückerstattungen. Dies sind gut 5 % der bisher erfolgten Zahlungen. Somit haben die privaten Haushalte bislang nur wenig vom Konjunkturpaket ausgegeben, und weitere zusätzliche Ausgaben sind in den kommenden Monaten wahrscheinlich. Der starke Anstieg der Benzinpreise hat zwar die privaten Haushalte im Mai belastet. Die Entlastung durch die Steuerrückerstattungen ist jedoch weit größer. Der Konsumzuwachs für Energiegüter in Höhe von 18 Mrd. US-Dollar (ann.) entspricht gerade einmal 3 % der ausgezahlten Rückerstattungen im Mai.

6. Der Deflator der privaten Konsumausgaben (PCE-Deflator) stieg mit 0,4 % mom (3,1 % yoy) etwas weniger stark als erwartet. Während die Preisentwicklungen in den Bereichen Energie (4,3 % mom) und Lebensmittel (0,2 % mom) weitgehend mit dem in Einklang stehen, was der Verbraucherpreisindex für Mai angezeigt hatte, war der Preisauftrieb in der Kernrate des PCE-Deflators mit 0,1 % mom erneut überraschend niedrig. Zurückzuführen ist dies vor allem auf die vergleichsweise moderaten Preissteigerungen in den beiden gewichtigen Teilkomponenten "Wohnen" und "Medizinische Dienstleistungen". Die Jahresrate des PCE-Kerndeflators blieb mit 2,1 % unverändert, da dem geringen Preisauftrieb im Mai leichte Aufwärtsrevisionen in den Monaten Januar bis März gegenüberstehen.

7. Angesichts fallender Immobilienpreise und schlechter Stimmungswerte ist die Konsumdynamik der privaten Haushalte außerordentlich kräftig. Denn rechnet man den Preiseffekt heraus, dann erhöhten sich die realen Konsumausgaben um 0,4 % gegenüber dem Vormonat. Dies ist der kräftigste monatliche Zuwachs seit August letzten Jahres.

Quelle: DekaBank

Die DekaBank ist im Jahr 1999 aus der Fusion von Deutsche Girozentrale - Deutsche Kommunalbank- und DekaBank GmbH hervorgegangen. Die Gesellschaft ist als Zentralinstitut der deutschen Sparkassenorganisation im Investmentfondsgeschäft aktiv. Mit einem Fondsvolumen von mehr als 135 Mrd. Euro und über fünf Millionen betreuten Depots gehört die DekaBank zu den größten Finanzdienstleistern Deutschlands. Im Publikumsfondsgeschäft hält der DekaBank-Konzern einen Marktanteil von etwa 20 Prozent.