• Brent Crude Öl - Kürzel: BCOEL - ISIN: XC0009677409
    Kursstand: 79,18 $/Barrel (Deutsche Bank Indikation) - Zum Zeitpunkt der Artikel-Veröffentlichung
  • WTI Öl - Kürzel: WTI - ISIN: XC0007924514
    Kursstand: 74,97 $/Barrel (Deutsche Bank Indikation) - Zum Zeitpunkt der Artikel-Veröffentlichung
  • Brent Crude Öl - WKN: 967740 - ISIN: XC0009677409 - Kurs: 79,18 $/Barrel (Deutsche Bank Indikation)
  • WTI Öl - WKN: 792451 - ISIN: XC0007924514 - Kurs: 74,97 $/Barrel (Deutsche Bank Indikation)

Es war einer meiner Hauptthesen für das laufende Jahr, dass das Ölkartell OPEC ein Problem mit ihrem Mindestpreis von 100 USD/Barrel bekommen wird wenn sich das ereignet, was sich nun zu einem perfekten Sturm für den Ölmarkt zusammengebraut hat (siehe "2014: Droht eine neue Öl- und Russlandkrise?" von Januar 2014). Das geschah im Jahr 2014 und das belastete Öl:

  • Ölschwemme
    Vor allem Libyen, Irak und die USA produzieren so viel Öl, dass es der Weltmarkt nicht mehr aufnehmen kann. Die Gefahr von Lieferausfällen sinkt, da die Lagerbestände steigen. Der Ölmarkt verliert seine Absicherungsfunktion gegen geopolitische Risiken.
  • Schwache Nachfrage
    Für die Eurozone ist im Sinne einer baldigen dynamischen Konjunkturerholung kein Land in Sicht. China verzichtet zu Gunsten der Durchführung von Wirtschaftsreformen, Liberalisierung des heimischen Kapitalmarktes und der Bekämpfung der Korruption auf neue fiskalische oder monetäre Maßnahmen.
  • US-Dollar
    Der US-Dollar, der seit 2011 unter dem Tanmantel eines zeitlich weit ausgedehnten Ausstiegs der US-Notenbank aus der Politik des billigen Geldes in einer versteckten Hausse lag, tritt in die nächste Phase des Bullenmarktes ein, jener, die öffentlich immer stärker wahrgenommen wird.
  • US-Zinswende
    Die US-Notenbank beendet ihr Anleihenaufkaufprogramm und schafft sich damit Raum für erste Zinsschritte im kommenden Jahr.

Überraschend ist, dass die OPEC nichts gegen ein Unterschreiten ihres Mindestpreises tat. Umso heftiger fiel damit auch der Rutsch im Ölpreis aus. Nach zweimonatigem Schweigen konnte auch die knappe Wortmeldung des saudischen Ölministers Ali al-Naimi in der vergangenen Woche nicht dazu beitragen, dass seither Verschwörungstheorien über die Hintergründe der Passivität der OPEC Hochkonjunktur haben.

In der kommenden Woche wird die OPEC in Wien tagen. Die Unsicherheit vor solchen Sitzungen war schon immer groß. Dieses Mal reichen die Prognosen aber von einer starken Fördermengensenkung bis hin zu einer kleinen oder sogar gar keiner Anpassung der Quoten. Immerhin bezeichnete Ali al-Naimi die Preisschwäche am Ölmarkt in der vergangenen Woche als "vorübergehend" und sie werde "sich von selbst lösen."

Nun gab es da aber dieses geheime Treffen im September und Oktober in Riad und New York, wo saudische Politiker sich mit anderen Abgesandten der OPEC-Mitgliedsstaaten trafen. Dies geht aus diplomatischen Informationen hervor, die unter anderem der Nachrichtenagentur Reuters zugetragen worden seien. Die klare Botschaft der Meetings: Saudi Arabien hat genug Währungsreserven, um für bis zu einem Jahr Ölpreise zwischen 70 und 80 USD auszuhalten. Im März hatte US-Präsident Obama außerdem die saudische Hauptstadt besucht. Was wurde dort besprochen? Im September war der amerikanische Außenminister John Kerry in Riad. Als er von Journalisten gefragt wurde, ob bei dem Treffen auch der Ölpreis ein Thema gewesen sei lächelte er und sagte: "Sie (die Saudis) sind sich ihrer Fähigkeit, den weltweiten Ölpreis bewegen zu können, sehr, sehr bewusst." Wenn die Saudis die Fördermengen nicht senken, dann werden es die anderen Staaten auch nicht tun, um keine Marktanteile zu verlieren. Die Frage ist nur: Warum haben sie nicht gehandelt?

Eine Erklärung ist, dass die Saudis den Ölschieferboom in den Vereinigten Staaten bremsen wollen. Die USA benötigen (so die Annahme) weit höhere Ölpreise, um gewinnbringend Öl produzieren zu können, als die Saudis. Eine weitere Erklärung könnte sein, dass die Saudis den Ölpreis als Waffe gegen Iran und Russland verwenden, da beide Länder den syrischen Präsidenten Bashar al-Assad unterstützen, einen Erzfeind der Saudis. Mehrmals haben Vertreter des Kartells in den vergangenen Monaten bekräftigt, dass die Geopolitik in ihrer eigenen Preispolitik keine Rolle spiele aber die Spekulationen, dass die USA und Saudi Arabien zusammenarbeiten, um den Ölpreis zu drücken, haben sich stets gehalten. Eine weitere Erklärung ist, dass die Saudis sich als Führer innerhalb der OPEC sehen und sich selbst als Helfer der G20-Staaten etablieren wollen, in dem sie den Ölpreis senken, um den G20 eine Konjunkturerholung zu ermöglichen.

Unterdessen hat WTI das im Januar von mir genannte Ziel von 80 USD sogar unterschritten. Es könnte also wieder eine größere Erholung anstehen, bevor sich die OPEC in der kommenden Woche in Wien treffen wird.