Das Biotech-Unternehmen Vertex, durchaus eines der Vorzeigeunternehmen der Branche, hat bereits seit geraumer Zeit Probleme. Denn pipelinetechnisch, also aus der Medikamentenforschung, kommt wenig nach. Der Abwärtstrend begann mit dem Kurssturz am 15. Oktober, als Vertex eine klinische Phase-II-Studie mit dem Wirkstoff VX-814 zur Behandlung des Alpha-1-Antitrypsin-Mangels, einer Stoffwechselerkrankung, die zu Schäden an Leber und Lunge führen kann, einstellte. Die Analysenserie seither können Sie hier noch einmal einsehen:

Gestern nach Börsenschluss vermeldete das Management den nächsten Rückschlag. Denn auch der Wirkstoff VX-864 wird nicht mehr weiter verfolgt, obwohl eine Phase-II-Studie den primären Endpunkt erreichte. Doch sei der klinische Effekt zu gering, um ihn als substanziell einstufen zu können. Die Verantwortlichen werden daher einen bzw. zwei Schritte zurückgehen und neue präklinische Kandidaten auswählen. Auch VX-864 war zur Behandlung des Alpha-1-Antitrypsin-Mangels angedacht.

Folgt nun eine Übernahme?

Analyst Cory Kasimov von JPMorgan wertet die gestrige Meldung als klaren Rückschritt. VX-864 sei der primäre Valuetreiber gewesen, schreibt Kasimov in einem Kommentar an seine Klienten. In der Tat sieht die Pipeline von Vertex nicht so rosig aus. Der klare Marktführer bei Medikamenten zur Behandlung von Mukoviszidose hat neben Präparaten in dieser Indikation nur zwei weitere Kandidaten in der mittleren der klinischen Phasen: VX-548 zur Schmerzbehandlung und VX-147 gegen Nierenversagen. Es ist daher sehr wahrscheinlich, dass sich Vertex durch Zukäufe wird verstärken müssen. Ein heißer Kandidat wäre hier beispielsweise das Unternehmen Crispr Therapeutics, mit dem Vertex bereits seit Jahren eng zusammenarbeitet. Allerdings wurde eine Kooperation erst im April ausgebaut. Eine Komplettübernahme könnte also noch etwas auf sich warten lassen.

Finanziell steht Vertex jedenfalls glänzend da. Das Mukoviszidose-Business wirft satte Gewinne ab, das EBIT dürfte 2021 rund 3,9 Mrd. USD betragen. Der Cashbestand belief sich Ende März auf 6,9 Mrd. USD. Insgesamt erinnert mich die Situation bei Vertex an Gilead. Der Marktführer bei Hepatitis-C-Produkten hat ebenfalls Probleme, wieder auf den Wachtumspfad zurückzufinden, wenngleich es sich bei Gilead inzwischen um ein altbekanntes Problem handelt. Interessanterweise hat die Vergangenheit gezeigt, dass in Vertex trotz immer wieder aufkommender Probleme viel steckt. Denn vor Gilead war Vertex Weltmarktführer bei Hepatitis-C-Produkten, ehe der Konzern von Gilead regelrecht überrollt wurde und das Geschäft komplett wegbrach. In der damaligen Phase, als Vertex sein Hepatitis-C-Medikament entwickelte, war ich selbst investiert, verlor aber dann irgendwann die Geduld.

Nur für Hartgesottene

Bleibt noch ein Blick auf den Chart. Meine Zielzone zwischen 197,49 und 195,81 USD wird nach vielen Monaten des Wartens heuteerreicht. Stand jetzt ist die Aktie nur für sehr hartgesottene Antizykliker geeignet. Bereits in der kommenden Woche muss ein Konter her, ansonsten drohen Folgeverluste in Richtung 163,68 USD. Für ein Ende des Abwärtstrends wären zumindest Kurse über 225 USD vonnöten.

Fazit: Wer monatelang gewartet hat und antizyklisch vorgehen möchte, kann eine erste Position bei Vertex eingehen, sollte sich aber bewusst sein, dass eine mögliche Übernahme eines Konkurrenten den Kurs in den kommenden Monaten weiter belasten kann. Daher ist, wenn überhaupt, nur eine erste Tranche sinnvoll. Ein potenzielles weiteres Zukauflevel im Chart notiert bei 163,68 USD.

Jahr 2020 2021e* 2022e*
Umsatz in Mrd. USD 6,20 6,94 7,58
Ergebnis je Aktie in USD 10,32 11,03 12,63
Gewinnwachstum 6,88 % 14,51 %
KGV 19 18 15
KUV 8,2 7,3 6,7
PEG 2,6 1,1
*e = erwartet
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Vertex-Aktie (Wochenchart)