• DAX - Kürzel: DAX - ISIN: DE0008469008
    Börse: XETRA / Kursstand: 10.887,46 Pkt

Ein Zinserhöhungspfad der US-amerikanischen Notenbank, umrahmt durch eine wahrscheinlich einknickende Weltkonjunktur, der seit gut einem Jahr laufende und sich bis Dezember 2018 immer weiter (verbal) verschärfende Handelskonflikt USA / China, der Haushaltsstreit in den USA, aber auch zwischen Rom und Brüssel, der Brexit mit drohender harter Landung (nur um die dominantesten Belastungsfaktoren zu benennen) führten zu einer Ausgangslage im Markt, wonach sich hohe Hedges-Bestände auf Aktien, niedrige Depot-Deltas und hohe Cash-Bestände angestaut haben. Das Spannungsfeld, welches sich daraus ergab, ließ mit leichten Veränderungen der oben genannten Rahmenbedingungen die ersten Akteure vorpreschen und schob in der Konsequenz die Indizes erwartungsgemäß nach oben hin an.

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Da wir täglich diese fundamentalen / quantitativen und psychologischen Zusammenhänge im Morgen Meeting diskutieren, soll es hier heute einmal ausnahmsweise um die produkttechnischen und interaktiven Zusammenhänge gehen, das konkrete Umfeld und die daraus zu ziehenden Schlüsse besprechen wir wieder ab kommender Woche im Morgen Meeting.

Was hält das System zusammen?

Was hält dieses ganze System aus Kasse und Derivat, Akteuren und ihrer Erwartungshaltungen zusammen? Wenn sich die marktdominanten Akteure überwiegend für eine Handelsrichtung entscheiden (weil plötzlich viele Akteure sehen könnten, dass sich das Umfeld möglicherweise verändert und folglich Umschichtungen und Anpassungen in den Depots sinnvoll werden), wer stellt dann die Gegenseite – schließlich steht jedem Kauf ein Verkauf entgegen?

Halten wir zunächst einmal fest, dass alles, was an der Börse gehandelt wird – Aktien, Anleihen, Rohstoffe, Währungen und deren jeweilige Derivate, sowie die Derivate auf deren Besicherungen, einschließlich aller Substitute – zwar organisatorisch jeweils eigenen Märkten zugeordnet wird, diese aber tatsächlich nur organisatorisch und nicht real untereinander getrennt sind. Alle genannten Produktklassen sind miteinander verbunden, stehen in direkter Abhängigkeit zueinander und beeinflussen sich damit zwangsläufig. Betrachten wir z.B. nur den Aktienmarkt für sich genommen, analysieren diesen fleißig, ohne die produktspezifischen Abhängigkeiten zu den jeweiligen Randmärkten zu berücksichtigen, ist es vergleichbar, als wolle man den Verkehrsfluss New Yorks tiefgehend analysieren und beurteilen, bezieht allerdings nur und ausschließlich die Fahrräder mit ein. Um die Übersicht der Zusammenhänge jedoch einfacher und übersichtlicher zu erläutern, konzentrieren wir uns im Folgenden nur auf den deutschen Aktienmarkt (ab jetzt „die Kasse“ und hier konkret den DAX) – stellvertretend für alle Aktienmärkte in ihrer vollen Breite, mit seinen Derivaten (Futures-Markt und Optionsmarkt). Seien wir uns bewusst, wir besprechen jetzt eine isolierte Einheit, welche in der Realität nicht isoliert ist. Somit sind folgende Ableitungen nur beispielhaft und sollen nur eine Idee dessen liefern, was obige Fragen helfen soll zu beantworten.

Am eingängigsten stellt man sich den Kasse-Markt, den Futures-Markt und den Options-Markt als ein Tetraeder vor, wobei die „drei Märkte“ je eine Fläche darstellen. Jede Seite bildet ihren eigenen Markt ab, scheint isoliert und für sich allein zu existieren und weitestgehend von anderen Märkten unabhängig zu sein. Tatsächlich könnte nur eine Seite allein bestehen – die Kasse –, beide Derivate-Märkte sind für sich genommen auf die Existenz der Kasse als Basiswert angewiesen.

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Die Beziehungen untereinander ergeben sich mathematisch, womit diese einen objektiven, realen Bezug haben (nicht psychologisch oder reflexiv, wie z.B. technische oder fundamentale Analysen). Die Verbindung der Kasse zu ihrem Future, und damit die unbedingte Verbindung und unumstößliche Abhängigkeit beider Märkte zueinander wird durch die „Basis“[1] definiert und erlaubt somit, das Derivat Futures zur Kasse fair zu bewerten. Da beide Märkte (DAX und FDAX) jedoch frei gehandelt werden und der reale Abstand somit schwankt und von der gerechneten Basis immer wieder abweicht, kommt die Index-Arbitrage ins Spiel und bringt beide Märkte durch Cash and Carry oder Reverse Cash and Carry Transaktionen immer wieder ins faire Gleichgewicht. Die dafür notwendigen Aktien werden der Aktienleihe entnommen. Hierzu stellen Fondsgesellschaften, Pensionskassen oder andere Anleger ihre Aktien leihweise zur Verfügung und erhalten dafür eine Leihgebühr. Da die über die Index-Arbitrage verkauften Aktien gegen Futures Long-Positionen stehen, ist das absolute Niveau des Aktienverkaufes für den Arbitrageur unerheblich. Einzig wichtig ist die Sicherung der Differenz zwischen fairer Basis und realem Spread.

Ein zweiter Liquiditätslieferant ist der Optionsmarkt. Dieser bezieht sich im DAX auf den DAX-Index (NICHT auf den Futures). Da der FDAX aber über die Basis rechnerisch und über die Index-Arbitrage praktisch an die Kasse gebunden ist, werden Hedges von Options-Positionen, Synthetisierungen[2] des Basiswertes oder einer Option (Call oder Put) oder Arbitragen nicht in der vergleichsweise illiquiden und nach Transaktionskosten teuren Kasse getätigt, sondern im Futures. Damit schließt sich der Kreis im Tetraeder.

Allein diese Dreierbeziehung ist ein Garant ausreichender Liquidität, sofern Kursbewegungen in „einem“ Markt, Verzerrungen in den rechnerischen fairen Beziehungen zu den Derivaten in den jeweils „anderen“ Märkten verursachen.

Um diesen Zusammenhang noch eine Ebene zu vereinfachen: entscheiden sich plötzlich mehrere Akteure, zum Beispiel im Kasse-Markt zu kaufen, werden sie selbstverständlich durch ihren entstehenden Nachfrageüberhang einen Kursanstieg im Kasse-Markt verursachen. Durch die damit hervorgerufene Veränderung des realen Spreads der Kasse zum Futures, der damit gegenüber seiner Basis abweicht, wird die Arbitrage ausgelöst. Sie kauft Futures und gibt Kasse. Damit kommt Angebot in den Kasse-Markt und Nachfrage in den Futures, was den Spread wieder der Basis angleicht. Im umgekehrten Falle (Kasse zu billig gegenüber Futures) würde die Index-Arbitrage als Käufer im Kasse-Markt auftreten und FDAX im Gegenzug geben. Damit bleibt der Arbitrageur immer neutral und folglich ist das absolute Kursniveau seiner Transaktion unerheblich. Damit ist die Frage: „Wer stellt die Gegenseite, wenn doch alle kaufen wollen?“ in diesem Falle unerheblich.

Steigt man etwas tiefer ein in die Abhängigkeiten der Delta-Entwicklungen der Kasse, des dazugehörigen Futures und erst recht der jeweiligen Optionspärchen, eröffnet sich einem eine Welt der logischen Abhängigkeiten und Austauschbarkeiten, dass man alle drei Märkte als einen versteht, eben nur von verschiedenen Seiten betrachtet.

Dehnen wir die Betrachtungen weiter aus, werden die Verwebungen der Märkte untereinander deutlich. Ein einfaches Beispiel hier, wären z.B. Wirtschaftsbereich übergreifende Indizes wie z.B. der EuroStoxx 50, welcher die Hälfte der DAX Aktien mit umfasst. Diese wiederum werden wiederum in direkte Abhängigkeit zur Entwicklung der Derivate auf diesen Europa-Index gesetzt, das heißt, die hier stattfindenden Arbitragen und Synthetisierungen wirken sich damit auf diese DAX-Aktien direkt aus, folglich wirken diese auf den DAX selbst, dieser auf Futures und Optionen.

Aber auch Produktklassen übergreifend finden wir faszinierende Verknüpfungen und Abhängigkeiten, so dass einem bewusst wird, dass alles mit allem zusammenhängt und sich gegenseitig in Abhängigkeit zueinander bedingt. Dieses Geflecht liegt umfasst in einer Suppe des geopolitischen und geowirtschaftlichen Rahmens.

Wir haben heute neue Herausforderungen

Die Herausforderung eines jeden Akteurs ist hierbei aber weniger die Beurteilung der Wechselwirkung zwischen „Suppe“ und „Geflecht“ (dies ließe sich sicher über KI unter Umständen mathematisch und damit systemtechnisch entwirren und profitabel ausnutzen). Die Herausforderung besteht heute in der Interpretation der Reflexivität der Akteure. Diese Erkenntnis und noch viel mehr die Möglichkeiten der Analyse und Bewertung des Verhaltens, der Arbeitsweise und der psychologischen und mentalen Faktoren durch Nutzung der Mittel des technologischen Fortschritts, führten Anfang der 90ger zu einem kompletten Umbruch in der Handelsmethodik im Bereich des Long / Short Tradings – der Bereich, dem das Scalping und das Principal Trading zugeordnet sind.

Dieser Prozess entfaltete sich natürlich nicht plötzlich und basiert auch nicht auf pseudowissenschaftlichen Annahmen, sondern erstreckt seine Wurzeln bis in den Bereich der Spieltheorie hinein und konnte sich erst durchsetzen, nachdem der Neoliberalismus (im Grunde als eine Wirtschafts- und Gesellschaftsphilosophie, welche ebenfalls in ihrer Förderung stark an Erkenntnisse der Spieltheorie anlehnt) auch die regulatorischen Voraussetzungen und Rahmenbedingungen schaffte. Um den Rahmen hier nicht zu sprengen, möchte ich hier nicht den ursächlichen Entwicklungs- und Einflussstrang, beginnend im 18. Jahrhundert nachzeichnen, obwohl es sehr empfehlenswert ist, sich mit der Geschichte der heute den Markt dominierenden Denk- und Handelsweise zu befassen.

Um aber dennoch den direkten Bezug zum Verhalten der Akteure, der Ausrichtung besonders einiger strukturierter Produkte und der Wechselwirkung der Märkte untereinander besser zu verstehen, soll auf die Übergangsphase vom Kalten Krieg hin zu einer Ausbreitung der Handlungsstränge dieser Zeit auf unser gesamtes Leben (und damit besonders auf den Kapitalmarkt) dennoch kurz eingegangen werden.

Rückblick

Die Fähigkeit, mit einem einzigen Flugzeug die Vernichtungskraft ganzer Flugzeugflotten zu transportieren, bzw. bei einer völligen Entfesselung der gehorteten Massenvernichtungswaffen das Leben auf der Erde komplett auszulöschen, erzwang ein strategisch völlig neues Denken. Erstmals in der Geschichte wurde es überlebenswichtig, Signale des Gegners nicht nur zu registrieren, jetzt musste man in der Lage sein, die Züge des Gegners, welche sich als grün blinkende Punkte auf dem Radar zeigten, vorherzusagen.

In diesem Zusammenhang ging es nicht mehr darum, die Wirklichkeit zu beurteilen, sondern zukünftige Möglichkeiten und strategische Handlungsstränge vorherzusagen. In den 60ger und 70ger Jahren besaß das Militär die leistungsstärksten Rechner dieser Zeit und setzte diese für diese Analysetätigkeiten ein. Um eine Basiskomponente zu haben, an der sich alle Analysen und Szenarien ausrichteten, musste eine einzige Annahme als gegeben vorausgesetzt werden: der Gegner denkt „rational“. Diese Rationalität hatte allerdings nichts mit der rationalen Vernunft zu tun, welche man in den Sozialwissenschaften dem „Homo oeconomicus“ unterstellte, sondern hier definierte sich rationale Vernunft anders. Vernünftig und rational zu sein bedeutete, dass man nur an sich selbst dachte. Somit orientierte sich das zu beobachtende Subjekt nicht mehr an der optimalen Ausnutzung aller Möglichkeiten, um ein allgemeines Optimum in seinen Handlungen zu erreichen, sondern jetzt setzte sich der Egoismus an die Spitze der Entscheidungsfindung. Jetzt ging es darum, ein Optimum zum eigenen Vorteil zu finden, auch wenn dieses Vorgehen nicht rational oder vernünftig ist. Dieses Denken revolutionierte die militärische Auswertungsmaschinerie. Jetzt wurde es möglich, unter Annahme einer wirklichkeitsnäheren Verhaltensweise des zu beurteilenden Subjektes, mathematische Modelle in Anwendung zu bringen, mit denen das Verhalten der Akteure greifbarer wurde. Diese Art des Denkens wurde als einer „der größten Einschnitte in der intellektuellen Geschichte des Westens“ definiert[3]. Jetzt hieß es, dass erst dann, wenn man als Prämisse akzeptiert, dass jeder nur aus Eigennutz handelt, die gesamte Komplexität menschlichen Verhaltens in die Sprache der Mathematik übersetzt werden kann. „Man kann Formeln schreiben, Spielzüge berechnen, Verhandlungen und Kompromisse modellieren und Menschen eine neue `Rationalität´ antrainieren, die sie wie in Trance automatisch beherrschen ...“[4]

Die Computer analysierten immer besser die Signale auf den Radarschirmen und sagten ständig die nächsten Züge des Gegners voraus. Was tut er? Was plant er? Was verbirgt er? Da die Gegner von damals (wie heute) jedoch auch zunehmend paranoid wurden (angesichts der dauernden Möglichkeit einer gegenseitigen völligen Vernichtung nicht ungewöhnlich), landete man rasch bei: Was tut er, wenn er weiß, dass ich weiß, was er plant?

Mitte der 80ger Jahre, als der Computer auch alle Lebensbereiche außerhalb des Militärs eroberte, erst recht aber mit dem Ende des Kalten Krieges, durchdrang diese Art des Denkens auch die ökonomischen Modelle und verhalf, wie bereits erwähnt dem Neoliberalismus zu seinem Durchbruch und beginnenden Siegeszug. Jetzt waren es Ökonomen, Physiker und Mathematiker, welche die Verhaltens- und Denkmodelle der Gesellschaft formten. Die Ökonomen kannten sich aus in Märkten, in denen jeder seinen eigenen Vorteil sucht. Ihre Strategien für eine Gesellschaft, die im Egoismus überlebt, waren nie nur auf Soldaten im Kalten Krieg beschränkt. Jetzt erhoben sie Anspruch, universal zu sein. Sie sollten überall funktionieren, wo Menschen Entscheidungen treffen: im Spiel, im Geschäftsleben, in den sozialen Medien, an der Börse und im Krieg[5].

Mit dem Ende des Kalten Krieges, veränderte sich die Ausrichtung der Präferenzen in den Berufszweigen, welche bis dahin von der Konfrontationspolitik profitierten. Wie Schirrmacher feststellte, brachte das Ende der atomaren Bedrohung auch massive Folgen für die Karriereplanung und die Finanzierung von Physikern. Parallel dazu eröffneten die Möglichkeiten des technologischen Fortschritts und die Entwicklung komplexer Bewertungsmodelle an den Kapitalmärkten Möglichkeiten, welche ein „Wechseln der Pferde“ für Physiker und Mathematiker einfach machte. Auslöser und Beschleuniger für diese Entwicklung war die in den 70ger Jahren entwickelte Formel, die „die Regeln, nach denen das Finanzsystem arbeitet, für immer verändern würde“[6]. Gemeint ist hier die Black-Scholes-Formel, welche den derivaten Markt aus seinem bis dahin untergeordneten Dasein befreite und diesen zur dominanten Größe an den Börsen aufsteigen ließ. Der Finanzjournalist Scott Patterson verglich die Black-Scholes-Formel mit Einsteins Urformel, „der Revolution des physikalischen Weltbildes, die zum Manhattan-Projekt und zur Atombombe führte.“[7] Er schrieb: „So wie Einsteins Entdeckung ... veränderte die Black-Scholes-Formel dramatisch die Art und Weise, wie Menschen die riesige Welt des Geldes und der Investitionen betrachteten. Sie entfesselte gleichzeitig die innersten zerstörerischen Kräfte und ebnete den Weg für eine Serie finanzieller Katastrophen, die in dem erderschütternden Kollaps des August 2007 kulminierte.“[8]

Der Wechsel einiger der besten Physiker und Mathematiker in die Finanzwirtschaft in den 90er Jahren, wurde in der Öffentlichkeit kaum als bemerkenswerter Akt wahrgenommen. Und doch wurde hier eine Weichenstellung vollzogen, welche die Ausrichtung des Handels an der Börse dramatischer veränderte, als alles, was wir bisher dazu gesehen haben. Viele Experten vertreten die Meinung, dass jetzt „Personen und Konflikte“, welche man nach dem Ende des Kalten Krieges „in den verlassenen Bunkern“ versiegelt sah, an den Börsen auftauchten. Für sie war der Kalte Krieg noch nicht vorbei, hier wechselte lediglich der Kriegsschauplatz. Zum Höhepunkt der Finanzkrise um 2011, verglich der Börsenjournalist Michael Lewis in einer detaillierten Untersuchung des Finanz-Crash´s die Verursacher und ihre Philosophie mit früher und heute. Früher ging man davon aus, dass es keiner riskieren würde, die Welt untergehen zu lassen, wenn er selber „dabei draufginge“. Die heutige Logik lautet: „Keiner wird es riskieren, uns untergehen zu lassen, wenn wir dafür die ganze Welt in den Abgrund stürzen“ (too big to fail) und wurde gedacht von Lehman bis AIG.

Trotz Krise und Regulierung, wurde die Filitierung des Counterpart, der Gegenspieler an der Börse, seine Identifikation, die Beurteilung und Bewertung seiner möglichen Motive, seines Vorgehens und seiner Aktivitäten das Herzstück im Handel. Wir sind weg von den Zeiten, als eine einfache, anonyme Chartanalyse die kommende Kursentwicklung vorhersagen oder einfache Vergleiche von unterschiedlichen Märkten mögliche Korrelationen aufweisen sollten. Heute geht es darum, möglichst viel an Informationen von jenem Gegenüber zu sammeln und auszuwerten, der für den eigenen Handelserfolg notwendig ist. Es geht noch immer um: Was tut er? Was plant er? Was verbirgt er? Und man stellt noch immer die Frage: Was tut er, wenn er weiß, dass ich weiß, was er weiß und plant?

Wie ist es heute im hier und jetzt?

Neben Haushalts- und Handelsstreit, neben Zinspolitik und Überschuldung, ist das obig beschriebene Denken und Vorgehen die Substanz, welche alles zusammenhält und prägt. Alles was wir bewerten und beurteilen, um daraus Schlussfolgerungen und Konsequenzen für unser Vorgehen und unsere Aktivitäten zu ziehen, steht unter dem Einfluss dieser Grundphilosophie. Alles hat einen Preis, alles ist bewertbar, alles kann miteinander verbunden werden, in Abhängigkeit zueinander stehen.

So müssen wir auch das Geschehen der letzten Jahre, Monate, Wochen, Tage, Stunden und (im Kurzfristhandel) Minuten sehen und Schlüsse für das zu Erwartende ziehen. Einfache klassische Regeln aus Technik und fundamentalen Grundthesen greifen hier zu kurz und führen am Ziel vorbei. Viel wichtiger ist es, die Zusammenhänge der Produktklassen und deren gegenseitigen Beeinflussungen zu beachten, wichtiger ist es, die Positionierungen der Hauptakteure abzuschätzen und deren eigene egoistische Vorgehensweise (die nicht immer auch die optimalste oder sinnvollste Variante des möglichen Vorgehens sein muss) abzuschätzen – unter Einbeziehung der Zwänge, die sich gegebenenfalls aus den durch sie eingesetzten Produkte ergeben.

Wir leben aktuell in einer extrem spannenden Zeit, mit einem extrem spannenden Markt, der uns gewaltige Chancen bietet und gewaltige Herausforderungen an uns stellt. Packen wir diese an.

Ich wünsche uns allen viel Erfolg!

Uwe Wagner

www.tradematiker.de

[1] Ganz einfach beschrieben, ist die Basis der faire Abstand des Futures zur Kasse in Abhängigkeit der Laufzeit des Derivates. Stellen Sie sich vor, Sie haben 272.500 Euro, Ihr Kollege verfügt ebenfalls über einen Kapitalbetrag gleicher Höhe. Sie beide wollen in den DAX investieren. Ihr Kollege kauft dreißig DAX-Werte für genau 272.500 Euro, in der richtigen Gewichtung. Damit bildet sein Portfolio aus 30 Einzelwertpositionen den DAX ab. Sie gehen dagegen einen FDAX long, hinterlegen Ihre 272.500 Euro jedoch für die Restlaufzeit des Futures bei einer Bank und erhalten dafür einen Zins. Jetzt sind Sie gegenüber Ihrem Kollegen klar im Vorteil, denn der eine Futures entspricht genau dem Investment von 272.500 Euro in den DAX (DAX-Stand bei z.B. 10.900 Punkten multipliziert mit der Tick-Größe des FDAX von 25 Punkten ist gleich 272.500 Euro). Das heißt, aus Sicht der Wertentwicklung Ihrer Futures-Position ist es vergleichbar, als wenn Sie Ihr Geld wie Ihr Kollege komplett in zinslose Aktien des DAX investiert hätten. Beim Auf und Ab des Index haben Sie die absolut identischen Zugewinne oder Verluste, doch Ihr Geldbetrag ist frei und wird verzinst. Ein Derivat ist jedoch erst dann fair bewertet, wenn Sie gegenüber Ihrem Kollegen (und umgekehrt) keinen Vorteil oder Nachteil haben. Hier greift die Basis. Alle Kosten und Erträge, welche in der Laufzeit anfallen, werden zur Ermittlung der Basis einbezogen. Da Sie Zinsen erhalten, muss der Futures um genau diesen Ertrag (sofern wir der Einfachheit alle anderen Basiskomponenten ausblenden) oberhalb der Kasse notieren und sich mit abnehmender Laufzeit der Kasse annähern. Am Verfallstag ist Futures und Kasse auf gleichem Niveau. Somit haben Sie in Relation zur Kasse genau den Betrag am Long Futures verloren, den Sie über die Bank an Zinsen erhalten haben. In der Konsequenz hat sich Ihr Vorteil aufgelöst und damit war der Futures fair bewertet.

[2] Unter eines Synthetisierung verstehen wir die Nachbildung des Risikoprofils eines realen Wertes. Um dies zu erreichen, muss das Delta dieses Wertes exakt nachgestellt werden. So wird das Ertragsprofil eines Basiswertes (in unserem Falle des Index) durch die Kombination aus Call und Put erreicht (Long Underlying = Long Call + Short Put / Short Underlying = Short Call + Long Put). Auf diese Weise lassen sich auch die jeweiligen Optionen nachbilden: Long Call = Long Underlying + Long Put / Short Call = Short Underlying + Short Put / Long Put = Short Underlying + Long Call / Short Put = Long Underlying + Short Call. Der Sinn hinter der Synthetisierung ist die Arbitrage zwischen einem realen Wert und seinem synthetischen Pendant. Kann ich ein reales Underlying synthetisch billiger darstellen, als es am Markt real gehandelt wird, führt man folgende Synthetisierung und anschließende Arbitrage durch: Long Call + Short Put und dagegen Short Underlying. Da auch der Optionsmarkt organisatorisch „selbständig“ ist, kommt es natürlich immer wieder zu entsprechenden Verzerrungen und damit zu Ungleichgewichten in der Put-Call-Parität, was zwangsläufig zu Arbitragen führt. Diese werden über den FDAX durchgeführt (dieser stellt praktisch den Ersatz für das „richtige“ Underlying), durch dessen Wertveränderung kann es jedoch zur Abweichung des Spreads Futures / Kasse kommen, was dann wieder die Arbitrage auf den Plan ruft und damit Kasse-Liquidität liefert.

[3] Siehe dazu S.M. Amadar, Rationalizing Capitalist Democracy, Seite 157

[4] Frank Schirrmacher, Ego – das Spiel des Lebens, Karl Blessing Verlag 2013, Seite 26

[5] Fred Kaplan, Wizards of Armageddon, Seite 67, - Die Arbeitsteilung zwischen Ökonomen und Mathematikern beschreibt Kaplan wie folgt: „(Die Ökonomen) ... würden die `Nutzenfunktion´ von Konsumenten und das Verhalten und die Werte ganzer Nationen analysieren. Die Mathematiker, die von alldem nichts verstanden, konnten dann die Erkenntnisse in die Matrix der Spieltheorie eintragen.“

[6] Scott Patterson, The Quants, Seite 38

[7] Frank Schirrmacher, Ego – Das Spiel des Lebens, Karl Blessing Verlag 2013, Seite 83

[8] Scott Paterson, The Quants, Seite 37 f