Wenn Sie das Gefühl haben, es sei zu viel Liquidität an den Märkten verfügbar, dann sind sie nicht alleine. Ein neuer Bericht von JP Morgan zeigt, dass die überschüssige Liquidität an den Weltmärkten einen neuen Rekordstand erreicht hat. Die überschüssige Liquidität und die Niedrigzinspolitik der Zentralbanken weltweit wird von Analysten mit verantwortlich gemacht für steigende Rohstoffpreise.

    „Die aktuelle Phase der überschüssigen Liquidität wurde im Mai 2012 initiiert und hat jetzt ein neues Extrem erreicht“, schreiben Nikolaos Panigirtzoglu und Matthew Lehmann,d ie im Global-Asset-Allocation-Team der Bank sitzen. Der jüngste Anstieg stelle alles in den Schatten, was bei der Entwicklung der globalen Liquidität in den vergangenen Jahrzehnten zu beobachten gewesen sei. Vergangene Extreme, wie zwischen 1993 und 1995, zwischen 2001 und 2006 und während der Notfallmechanismen nach der Pleite von Lehman Brothers von Oktober 2008 bis September 2010 hätten allesamt zu erstaunlichen Anstiegen von Vermögenspreisen geführt.

    Die aktuelle Liquidität könne die Rally an den Märkten noch für Monate am Leben halten. Später könnten aber Probleme entstehen, wenn die steigenden Preise nicht mehr mit der Entwicklung der Fundamentaldaten Schritt halten können. Wenn die Liquidität im kommenden Jahr zurückgezogen würde, könnte es zu Problemen für die Märkte kommen, warnen die JP-Analysten.

    In den ersten neun Monaten dieses Jahres sei die weltweite Geldmenge M2 um drei Billionen USD auf 66 Billionen USD gewachsen. Eine Billion USD dieser zusätzlichen Liquidität sei in den vier großen Wirtschaftszentren der Erde – in UK, USA, der Eurozone und Japan zu beobachten. Zwei Billionen USD konzentrierten sich auf die Schwellenländer. Dort sei die Liquidität auch im Juli und August um 170 Milliarden USD pro Monat gewachsen, obwohl in dieser Zeit Spekulationen über eine Drosselung der Sachkäufe der US-Notenbank Fed die Runde machten. Dies führen die Analysten darauf zurück, dass sich in den Schwellenländern längst ein interner Kreditboom etabliert habe, der ein Eigenleben neben der geldpolitischen Lockerung der US-Notenbank entwickelt habe.

    Stanzls Fazit: Für Investoren ist der "Flow" der Liquidität wichtig: Also wohin strömt das Kapital? Offenbar nicht in das Gold. Warum?

    • Gold zahlt keinen Zins. Steigende Realzinsen in wichtigen Ballungszentren der Goldnachfrage trüben die Attraktivität der Goldnachfrage, da die Opportunitätskosten des Goldbesitzes gegenüber höher verzinslichen Vermögenswerten sinkt. Anleger schichten von Gold in Vermögenswerte um, die entlang der Risikokurve weiter oberhalb liegen, etwa in Aktien oder Immobilien.
    • Die Erholung der Weltwirtschaft, wenngleich immer noch erstaunlich träge, gewinnt an Dynamik. Die Gewinne der Unternehmen wachsen und dennoch wird die Weltwirtschaft weiterhin mit Liquidität geflutet. Das ist das beste Umfeld für Aktien.
    • Die Inflation stellt in den wichtigen Ballungszentren der Goldnachfrage kein sonderliches Problem dar. Die hohe Liquidität hat nicht wie erwartet zu einer hohen Inflation am Güter-, sehr wohl aber am Markt für Vermögensgegenstände geführt.
    • Dank Energieboom und dynamischer Wirtschaftserholung könnte die US-Notenbank ihre Sachkäufe drosseln und schließlich ganz einstellen.
    • Die Ausgleichung des Leistungsbilanzdefizits dank der Öl- und Gasförderung aus Schiefergestein könnte den USD stärken. Ein starker USD ist negativ für Gold.
    • Es kommt in Erwartung eines geldpolitischen Kurswechsels der US-Notenbank zu einer Repatriierung von Liquidität von den Schwellenländern in den Kern des Währungssystems - den USA. Wenngleich die Erwartungen des Marktes für den Beginn des geldpolitischen Wechsels durch den Haushaltsstreit der USA um gut sechs Monate nach hinten verlagert wurden und dieser Prozess jüngst pausiert, gilt er nicht als umgekehrt. In den kommenden Wochen dürfte er wieder an Fahrt aufnehmen. Die daraus resultierenden Leistungsbilanzdefizite der Schwellenländern schwächen ihre Währungen, ihre Wirtschaftsleistung und damit auch ihre Goldnachfrage. Der IWF berichtet in dieser Woche, dass die Zentralbankgoldkäufe bereits hinter dem Vorjahr zurückbleiben, während der Streit um Zyperns Haushalt in diesem Jahr das erste Mal seit langer Zeit das Thema Goldverkäufe durch Zentralbanken wieder salonfähig gemacht zu haben scheint.

    Welche Auswirkungen wird das Ihrer Meinung nach haben? Diskutieren Sie mit uns im Guidants-Stream!