Als wäre es nicht schon schlimm genug, mal wieder einen Freitag den 13. im Umfeld großer geopolitischer Spannungen zu haben, sollte ja noch ein Artikel für die Godmode-Weekend-Edition her und zwar in der Rubrik "Trading-Ideen USA".

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Vor jede "Trading-Idee" hat der Börsengott aber die Suche nach selbiger bzw. dafür passenden Werten gestellt. Gewissenhaft wird dann zunächst einmal gefiltert, denn kein Mensch kann sich einzeln zig tausende von US-Aktien anschauen, um dann die passenden parat zu haben. Dazu werden zunächst einmal alle Werte des Dow Jones und Nasdaq 100  angeschaut. Für den Rest gibt es zusätzliche Arbeitserleichterung dann durch die vielfältig vorhandenen (halb)automatischen Screener. Anhand gewisser vorab einstellbarer Kriterien und Bedingungen wird so vermeintlich die Spreu vom Weizen getrennt und man kann dadurch die Zahl zu betrachtender Werte von zig tausend in etwa auf 300-500 eingrenzen.

Diese übrig gebliebenen vorgefilterten Werte werden nun in einer Art "Chart-Peepshow" einzeln betrachtet und nach gewissen Mustern und Chart-Strukturen abgesucht. Zunächst einmal wird nach allen Werten gefahndet, die evtl. einen frischen Boden oder ein frisches Top auszubilden scheinen und zusätzlich werden natürlich auch mögliche Ausbruchs- und Trend-Fortsetzungsmuster abgeglichen und gesucht. Im Regelfall bleiben dann noch so ca. 30-60 Werte übrig, welche nun explizit in unterschiedlichen Zeiteinheiten näher betrachtet werden müssen, wobei erneut ein Großteil durch das Sieb fällt, weil bestimmte Dinge nicht passen bzw. zu viele Fragezeichen hinter einem möglichen Trading-SetUp stehen würden.

Am Ende bekommt man dann 5-10 Werte zusammen aus denen man die vermeintlichen "Perlen" noch herauspickt und präsentiert, so weit der normale Ablauf eines Handelstages bzw. in diesem Fall eines Abends.

Am heutigen Abend stotterte der Screening-Motor bereits in der Aufwärmphase aus den großen Indizes blieben lediglich 2-3 Werte übrig und am Ende des kompletten Screenings war die Ausbeute auch nicht viel größer. Unisono verharren die meisten (insbesondere die "großen") US-Aktien derzeit in charttechnischen Strukturen, die kaum eine direkte Handelsaktivität - egal ob long oder short- rechtfertigen. Das ist allerdings in der Summe auch nicht weiter verwunderlich, da ja zum Beispiel der Dow Jones heute exakt an einer wichtigen technischen Schnittstelle in Form eines Kreuz-Widerstandes notierte und dort auch erst einmal abgeprallt war. Es liegt ein typisches "Coin-Flip-Szenario" vor, denn wie sich diese Strukturen letztlich auflösen werden ist aktuell einem 50/50-Szenario gleichzustellen, man kann also theoretisch eine Münze werfen.

Da man natürlich -insbesondere als Analyst- niemals daneben liegt, ging nun die Suche nach einem Sündenbock los und der war schnell gefunden: der gerne twitternde Donald auch bekannt als amtierender POTUS. Die durch ihn verstärkte militärische Präsenz in der Region rund um Syrien mitsamt dem -bislang zum Glück nur verbalen- Säbelrasseln mit seinem russischen Gegenüber Vladimir Putin haben nämlich mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit exakt zu der charttechnischen Gesamt-Situation geführt, wie sie passender Weise am heutigen "Freitag, den 13." vorliegt. Das führte dann de facto dazu, dass ich mir heute ein paar Stunden mehr oder minder umsonst die Zeit um die Ohren geschlagen habe, um interessante US-Werte zu finden, denn die Suche blieb mehr oder weniger erfolglos. Donald Trump hat scheinbar meinen Screener "zerstört", denn der Umstand, im Prinzip gar nichts zu finden, ist mir so in der Form bislang noch nie vorgekommen.

Da ich aber annehmen darf, dass niemand diesen Artikel hier angeklickt hat, um mein "Gejammer" zu lesen, möchte ich den einzigen Wert präsentieren, der am Ende aller Filtervorgänge übrig geblieben ist. Es ist die Aktie von PATTERSON DENTAL Co. (https://www.pattersondental.com/), der Name sagt es bereits, die Firma verdient hauptsächlich durch den Vertrieb einer weiten Palette an Equipment für den Zahnarzt-Sektor ist aber auch im Pharma- und Veterinär-Bereich tätig.

Anfang März 2018 gab es im Chart ein größeres Downgap, in dessen Folge es zu weiteren Abgaben kam. Insgesamt hat die Aktie seit Ende Januar 2018 fast 45 % an Wert verloren und beginnt nun seit Anfang April mit ersten Kurserholungen (ca. 11 % seit dem 04. April). Dadurch hellt sich inzwischen auch der Wochen-Chart ein wenig auf und auch die aktuell noch laufende Monats-Kerze ist bislang noch bullisch zu interpretieren. Insgesamt wird sich wohl rund um das noch offene o. g. Gap entscheiden, wie es mittelfristig weitergehen wird. Sollten die laufenden Erholungen bald verebben oder nicht großartig über den Bereich 25,50/26,00$ hinweg kommen, erhöht sich dadurch die Gefahr weiterer Tiefs, die aber im harmlosesten Fall rund um die 20$-Marke stattfinden würden, fällt der Wert deutlich unter diesen Sektor, kämen auch deutlich tiefere Kursziele in der Zone um 16,00$ in Betracht. Solange jedoch 21,09$ nicht mehr unterboten werden, darf der Blick mit einem ersten Kursziel bei ca. 25,40$ eher nach oben gehen. Abpraller in dieser Region werden vermutlich unvermeidbar sein, müssen aber noch nicht das Ende der Gegenbewegung sein, denn von dort könnte sich nach kleineren Rückläufen eine inverse SKS-Formation ausbilden, die als spätere Basis für ein Schließen des Gaps bei ca. 31,50$ nützlich sein könnte, insgesamt limitiert sich der maximale Kursziel-Bereich zunächst einmal auf die Zone von ca. 28,75/31,50$ aber maximal wohl ca. 33$.

Michael Borgmann, Technischer Analyst und Journalist bei der Börse Go AG

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