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Wer derzeit etwa nach Begriffen wie "Flüchtlingwelle" sucht, der wird mit Informationen geradezu überflutet. Von anderen Phänomenen, die in diesen turbulenten Zeiten eine mindestens ebenso große Durchschlagskraft entwickeln könnten, wenn auch in einem völlig anderen Zusammenhang, spricht dagegen kein Mensch.

Im folgenden Artikel hat mein Kollege Jochen Stanzl auf ein Phänomen aufmerksam gemacht, das derzeit kaum gesehen wird: In den USA beginnen die kurzfristigen Zinsen rasant zu steigen, während die Renditen der „Langläufer“ weitgehend unverändert bleiben.

Was wir hier gerade sehen, könnte als der Beginn einer historischen Geldmarktentwicklung in die Geschichtsbücher eingehen: Der seltene Fall einer inversen Zinsstrukturkurve tritt empirisch betrachtet nämlich nur sehr selten und dann mit Vorliebe im Vorfeld von Rezessionen auf, die durch die Geldpolitik verursacht wurden.

Was hat das zu bedeuten?

In der Regel rentieren lang laufende Zinspapiere deutlich höher als Kurzläufer. Der Zinssatz steigt also mit der Bindungsdauer. Der Grund ist, dass Anleger, die ihr Kapital längerfristig binden, höhere Risiken eingehen. Und diese höheren Risiken, etwa die Erwartung steigender Inflationsraten oder auch Unsicherheiten über die Zahlungsfähigkeit eines Schuldners, werden an den Kapitalmärkten traditionell mit einer höheren Verzinsung vergütet.

Wird diese Regel jedoch auf den Kopf gestellt, rentieren Kurzläufer also höher als langlaufende Anleihen, spricht man von einer inversen Zinsstrukturkurve. Erklären lässt sich das Phänomen beispielsweise damit, dass in naher Zukunft fallende Zinsen erwartet werden und Anleger deshalb vorzugsweise in langlaufende Papiere investieren, um sich die höheren Zinsen zu sichern. Die Kurse kurzlaufender Anleihen steigen dann langsamer oder sinken sogar, wodurch deren Renditen steigen oder langsamer fallen als die der Langläufer. Und exakt dies sehen wir gerade.

Jochen Stanzl fragt:

„Die Renditen am kurzen Ende sind die einzigen, die auf wachsende Zinserwartungen reagieren. Die große Frage ist, was verpassen wir da gerade? Was sieht der Anleihenmarkt, was wir nicht sehen? Ist es China? Ist es die wirkliche Situation der Weltwirtschaft? Ist es ein Abrutschen der Inflation“?

Wahrscheinlich kommt da gerade einiges zusammen, worüber jedoch erst die kommenden Monate Aufschluss geben werden. Da die Geldmarktanleger in der Regel sehr viel besser über den Zustand der Weltwirtschaft informiert sind als die Aktienmarktakteure, ist es nur folgerichtig, dass sich die schweren Wirtschaftskrisen der Jahre 2000 und 2008 schon eine ganze Zeit zuvor an den Geldmärkten gezeigt haben, nämlich in Form einer inversen Zinsstrukturkurve. Etwas Ähnliches scheint sich gerade wieder anzubahnen.

Doch was hat die aktuelle Geldpolitik damit zu tun? Um es mit einfachen Worten zu sagen: Man muss längst kein Experte mehr sein, um zu erkennen, dass die Geldpolitik der vergangenen Jahre grandios gescheitert ist.

Die Flutung der Märkte mit immer mehr billigem Geld hat weder in den USA noch in Europa oder Japan zu nachhaltigem Wachstum und mehr Beschäftigung geführt. Doch anstatt die Programme zu überdenken und gegebenenfalls über Bord zu werfen, gehen die Zentralplaner weiterhin den Weg, eine erkennbar unwirksame Medizin in noch höherer Dosis zu verabreichen.

Die Folgen von Quantitative Easing für die Zinsstruktur wird im folgenden schon etwas älteren Hintergrundartikel beleuchtet:

http://www.oekonomenstimme.org/artikel/2013/07/quantitative-easing-und-die-zinsstrukturkurve/

Das Fazit ist ernüchternd:

„Die Fed nährt zwar die Aktienkursblase, aber sie versagt hinsichtlich der eigentlichen geldpolitischen Ziele, nämlich eine Wachstumsbeschleunigung und rasche Senkung der Arbeitslosigkeit herbeiführen zu können. Sie sitzt jetzt sogar in der geldpolitischen Falle. Sobald sie ihre hinsichtlich Wirtschaftswachstum und Beschäftigung wirkungslose Politik einstellen würde, riskiert sie einen Börsencrash“.

Genau darauf weisen nun immer mehr Indikatoren hin. Eine inverse Zinsstrukturkurve wäre ein weiterer Sargnagel, der anzeigt, dass die immer noch laufende Börsenhausse nun unweigerlich ihrem Ende entgegen geht.

Bleiben Sie wachsam!

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Zum Autor:

Andreas Hoose ist Chefredakteur des Antizyklischen Börsenbriefs, einem Service der BörseGo AG. Informationen finden Sie unter www.antizyklischer-boersenbrief.de


Andreas Hoose vertritt mit diesem Artikel seine eigene Meinung. Diese muss sich nicht zwangsläufig mit der Meinung von GodmodeTrader decken. Es erfolgt keine Prüfung durch eine Schlussredaktion.