• DAX - Kürzel: DAX - ISIN: DE0008469008
    Börse: XETRA / Kursstand: 9.532,01 Punkte

Die letzten beiden Wochen war es wieder einmal so weit, dass wir auch im Ausbildungspaket traden konnten. Thematisch passte es und so haben wir im Dow Jones nach Markttechnik gehandelt. Ich weiß gar nicht mehr genau wann und wie, aber einer der Teilnehmer schrieb als Bemerkung zu einem frisch eingegangenen Shorttrade, dass dieser jetzt, in den letzten 10 Minuten des Handels kaum mehr eine Chance hat. Eine wie ich fand, sehr spannende These, denn wenn wir uns den Markt einmal etwas genauer anschauen, stellen wir fest, dass es wirklich relativ selten zu Stundenschlusskursen direkt am Hoch oder Tief einer Kerze kommt. Unabhängig von meinem Trade nahm ich mir vor, der Sache ein wenig auf den Grund zu gehen, natürlich im Rahmen eines kleinen Tradingsystems.

Das Schöne an der Idee ist, dass sie irgendwie nicht nur logisch klingt, sondern auch relativ leicht zu programmieren ist. Also habe ich ein kleines Handelssystem für den DAX Future geschrieben, mit dem ich 10 Minuten vor Stundenschluss Long gehe und die Position zum Stundenwechsel schließe – ohne weiteren Filter.

PS: An dieser Stelle muss ich unbedingt ein Gerücht für alle DAX Trader loswerden. Die Auflegung eines DAX-Mini-Futures mit einem Punktwert von 5 Euro (aktuell 25 Euro) noch in diesem Jahr macht die Runde. Das wäre ein Knaller! Nur muss es sich jetzt auch noch bewahrheiten.

Das System handelt natürlich wie verrückt (1.790 Trades) und immerhin, aktuell stünden über 6.000 Punkte Gewinn vor Kosten zu Buche. Die Performancekurve in Abbildung 1 aber zeigt, dass es doch relativ wild zuging. In der Spitze gab es immerhin mehr als 20.000 Punkte zu holen, von denen nicht mehr viel übrig geblieben sind.

Zwei-Knaller-auf-einmal-Gerüchte-um-Mini-FDAX-und-eine-passende-Strategie-dazu-Chartanalyse-Rene-Berteit-GodmodeTrader.de-1

Ganz so einfach scheint es also nicht zu sein. Ansätze für Verbesserungen gibt es wie immer viele. Warum die letzten 10 Minuten? Wie schaut es eigentlich mit einem Filter aus? Und so weiter und so fort. Als erstes widmete ich mich einem simplen Filter. Da wir lediglich die Entwicklung innerhalb einer Stunde im Auge haben und oben zu dem Schluss kamen, dass die Stundenkerze selten am Hoch/Tief schließt, testete ich zwei Varianten durch. In Variante 1 ging ich nur dann noch Long, wenn der Schlusskurs der jeweiligen Zeitkerze über dem Eröffnungskurs der Stunde lag. Es handelt sich quasi um einen prozyklischen Ansatz, der im Grunde unserer subjektiven Beobachtung oben entgegensteht. Nicht überraschend war dementsprechend das sich verschlechternde Ergebnis.

Also drehte ich den Spieß um und folgte damit unserer ursprünglichen Logik. Wenn eine Stundenkerze bis 10 Minuten vor Stundenschluss eher bärisch war, wird Long gegangen und bis zum Stundenwechsel gehalten. Heraus kam die folgende Performancekurve aus Abbildung 2.

Zwei-Knaller-auf-einmal-Gerüchte-um-Mini-FDAX-und-eine-passende-Strategie-dazu-Chartanalyse-Rene-Berteit-GodmodeTrader.de-2

Diese sieht schon einiges besser aus. Nicht nur, dass der Gewinn größer ausfällt, auch die Tradeanzahl ist mit 890 Trades deutlich zurückgegangen. Die Trefferquote stieg leicht auf 53,60% und der Profitfaktor auf 1,13 vor Kosten. Das ist mit Sicherheit keine herausragende Statistik, aber es sind kleine Vorteile. Wie wäre es, diese zu nutzen und mit der eigenen, diskretionären Analyse zu verbinden. Sollte sich die laufende Stunde dem Ende nähern und sich in einem sehr kleinen Zeitrahmen ein Boden andeuten, könnte man den Longbutton drücken. Mit ein wenig Übung und Erfahrung bin ich relativ sicher, lässt sich daraus eine lukrative Strategie entwickeln.

Etwas skeptischer bin ich hingegen bei einem rein systematischen Ansatz. Natürlich wäre es leicht, jetzt noch weitere eindeutige Filter und Regeln hinzuzufügen, um die Performance zu verbessern, aber ich vermute, dass wir so zwar in Sachen Gewinne und Trefferquote noch einiges rausholen könnten, aber dadurch bspw. relativ wenige Trades entstehen und/oder aber Gefahr laufen, die Idee überzuoptimieren. Eventuell gelingt es uns in einem rein systematischen Ansatz auch gar nicht, ein zufriedenstellendes Ergebnis zu erzielen, eben weil die Börse nicht 100%igen Naturgesetzen folgt, sondern ein eher dynamisches Gebilde darstellt. Gerade letzteres sehe ich immer wieder, wenn ich mir vollautomatische Handelssysteme anschaue. Mit einfach Mitteln lassen sich gewisse Basisvorteile sichern, aber aus diesen mit mathematisch exakten Regeln ein „dauerhaft gut funktionierendes System“ zu entwickeln, gelingt selten. In meinen Augen hat der diskretionäre Trader hierbei einen klaren Vorteil. Vielleicht nutzen Sie diesen ja, kombinieren ihn mit dem hier aufgezeigten Basisvorteil und verfolgen diese Idee ein wenig weiter – gewinnbringend hoffentlich. In diesem Sinne

Viel Erfolg

Ihr Rene Berteit