Die Aktienmärkte der Schwellenländer weltweit können auf ein gutes Jahr 2007 zurückblicken, in dem sie die überragende Performance der vergangenen Jahre fortgesetzt haben. Wenn wir jedoch auf das Jahr 2008 schauen, sehen wir da eine „spekulative Aufblähung“? Wir sind der Ansicht, wenn wir uns in einer Spekulationsblase befinden, dann in einem frühen Stadium und mit noch niedrigen Bewertungen.

Weitere Sorgen bereiten Anlegern die globalen Wachstumsaussichten. Diese sind zwar weiterhin für die Wachstumsmärkte wichtig, ihre Leistung hat sich jedoch von den Perspektiven für die Weltwirtschaft abgekoppelt, da sie in vielen Ländern nicht auf Exporte, sondern auf steigende Inlandsnachfrage zurückzuführen ist. Unsere grundlegende Sicht ist, dass das globale Wachstum nächstes Jahr eine „weiche Landung“ hinlegen wird – also ein relativ günstiges Szenario (für das wir zurzeit eine Wahrscheinlichkeit von 60 Prozent haben). Vorsichtshalber soll erwähnt werden, dass die anderen vorstellbaren Szenarien („Stagflation“ oder eine durch die Kreditklemme hervorgerufene globale Rezession) für die Schwellenländer negative Auswirkungen hätten. Ihre Gesamtwahrscheinlichkeit liegt nach unserer Ansicht bei 40 Prozent, wobei diese Szenarien auch die Industrieländer belasten würden. Insgesamt bleibt jedoch die mittel- bis langfristige Perspektive für die Schwellenmärkte positiv, da wir über die nächsten Jahre für sie weiterhin ein schnelleres Wachstum als für die Industrieländer erwarten. All das und die enormen sichtbaren Strukturverbesserungen sowie z. B. die demografischen Vorteile der Schwellenländer ergeben nach unserer Auffassung eine solide Investitionsgelegenheit.

Befinden sich die Schwellenländer in einer Spekulationsblase? Die anhaltende starke Leistung der weltweiten Wachstumsmärkte lässt viele fragen, ob wir uns hier in einer „Spekulationsblase“ befinden. Verglichen mit früheren „Blasen“ – z. B. Japan in den achtziger Jahren oder die Nasdaq in den Neunzigern – sind wir, wenn überhaupt, in einem frühen Stadium der Blase und der Aufwärtstrend hat noch einen guten Weg vor sich. Obgleich einzelne Wachstumsmärkte (vor allem der chinesische „A“-Aktienmarkt) deutliche Hinweise zeigen, sind die auf das KGV bezogenen Bewertungen insgesamt noch nicht hoch. Im Vergleich zum MSCI World Index liegen die weltweiten Schwellenländer noch unter den Höchstwerten von 1994. Insgesamt sind sie in Relation zu den Industrieländern angemessen bewertet, die Aktienrenditen steigen (und liegen weit über den Geldmarktzinssätzen), während Liquiditätskonditionen weiterhin günstig sind und somit unterstützend wirken.

Die weltwirtschaftlichen Perspektiven sind weiterhin für diese Märkte wichtig, wenn auch aus unserer Sicht weniger als in der Vergangenheit. Unser grundlegendes Szenario bleibt bei der weichen Landung, der wir zurzeit eine Wahrscheinlichkeit von 60 Prozent einräumen, was für die Schwellenländer relativ günstig wäre, während das zu erwartende globale Wachstum sich von 3,2 Prozent 2007 auf unter 3 Prozent im Jahr 2008 verlangsamen wird. Wir meinen auch, dass die amerikanische Zentralbank noch Spielraum für weitere Zinssenkungen hat, zumal die Kerninflation derzeit recht milde verläuft. Dies dürfte eine graduelle Erholung in der zweiten Jahreshälfte 2008 bewirken.

Trotz der Ölpreise auf Rekordstand und nicht enden wollender Probleme an den Kreditmärkten, die beide zu Sorge Anlass geben, halten wir das Szenario „weiche Landung“ weiterhin für wahrscheinlicher als die Alternativen. Das wären eine durch die Kreditklemme ausgelöste weltweite Rezession (Wahrscheinlichkeit 10 Prozent) oder Stagflation (Wahrscheinlichkeit 30 Prozent), die sich beide vermutlich negativ auf die Schwellenländer auswirken würden. Mit dem Stagflationsszenario käme es 2008 sowohl in den Industrienationen wie auch in den Schwellenländern zu einer geringeren Verlangsamung des Wachstums als mit der weichen Landung, während sowohl Inflationsrate als auch Zinssätze in den USA deutlich höher lägen. Mit dem Kreditklemmeszenario hingegen würde sich das Weltwirtschaftswachstum deutlich auf etwa 1,2 Prozent verringern (bei den Schwellenländern auf ca. 4,3 Prozent). Allerdings meinen wir, dass dann 2008 in den USA (mit einer deutlich niedrigeren Inflationsrate) die Zinssätze drastisch auf 2 Prozent gesenkt würden. Diese Szenarien wären jedoch auch für die Aktienmärkte der Industrienationen schädlich. Wir gehen davon aus, dass aufgrund des stärkeren Wachstums und der besseren Rahmendaten in den Schwellenländern diese weniger stark betroffen wären als die entwickelten Länder.

Schwellenländer weniger abhängig von den Aussichten für den US- und Weltmarkt Wir sind insgesamt der Überzeugung, dass das Glück der Schwellenländer weniger als früher von den weltwirtschaftlichen Perspektiven abhängt. In zurückliegenden Wirtschaftszyklen hatte eine Verlangsamung oder Rezession der US-/Weltwirtschaft deutlich negative Folgen für die weltweiten Schwellenländer, da sie sich auf die Nachfrage nach deren Exporten auswirkte. Dieses wechselseitige Verhältnis hat sich jedoch über die letzten Jahre in gewissem Maße dadurch entkoppelt, dass z. B. der US-Anteil der Schwellenländer-Exporte ohnehin deutlich gesunken ist. Nehmen wir China als Beispiel für den Trend hin zu einer autarken Versorgung innerhalb der Wachstumsmärkte: Es bezieht inzwischen mehr Exporte aus den asiatischen Entwicklungsländern als die USA. Die am schnellsten wachsenden Exportmärkte Chinas sind andere Schwellenländer. Dazu kommt, dass der Antrieb für das rasche Wachstum der chinesischen Wirtschaft die Binnennachfrage ist. Selbst eine signifikante Verlangsamung der Exporte würde Chinas BIP nicht schwächen. Auch in Ländern wie Brasilien, Russland, Mexiko, Indien und Korea wird die Wirtschaft stärker durch die Binnennachfrage als durch den Export gestärkt.

Wachstumsvorsprung der Schwellenländer gegenüber den Industrienationen hält an Seit 1999 zeigen die Schwellenländer ein um 3,6 Prozent höheres jährliches Wachstum als die entwickelten Länder und sind damit die Hauptantriebskraft der Weltwirtschaft. Wir meinen, dass dieses relativ starke Wachstum anhalten wird, und der IWF prognostiziert für die nächsten Jahre bei den Schwellenländern einen Anstieg von 6,8 Prozent p. a., verglichen mit 2,7 Prozent für die entwickelten Länder.

Ein weiterer Faktor zugunsten der Wachstumsmärkte sind ihre besseren wirtschaftlichen Grunddaten, was Leistungsbilanz/Finanzierungssaldo und Staatsverschuldung angeht. Viele dieser Länder haben sich über die letzten Jahre strukturell enorm verbessert, indem sie Inflation und Auslandsschulden radikal verringert und Devisenreserven eindrucksvoll vermehrt haben. Zu den längerfristigen Vorteilen dieser Märkte gehört ihr demografischer Trend. Die arbeitsfähige Bevölkerung in den Schwellenmärkten wird voraussichtlich bis etwa 2040 zunehmen, was für die Zuwachsperspektiven nur positiv sein kann. (Im Gegensatz dazu wird sie in den Industrieländern ab etwa 2010 abnehmen).

Insgesamt sieht 2008 nach einem weiteren guten Jahr für die Schwellenländer aus, vorausgesetzt, unser grundlegendes Szenario einer graduellen Verlangsamung der Weltwirtschaft tritt ein. (Es besteht aus unserer Sicht eine Wahrscheinlichkeit von 40 Prozent, dass das Szenario ungünstiger ausfällt, was sowohl für die entwickelten als auch für die Wachstumsmärkte schlecht wäre.) Obwohl wir in einigen dieser Märkte (vor allen dem chinesischen „A“-Aktienmarkt) Hinweise auf eine Spekulationsblase sehen, sind die Bewertungen nicht hoch. Wir sind sicher, dass diese Märkte weiterhin den Industrieländern im Wachstum voraus und zunehmend von der Binnennachfrage und dem innerhalb der Wachstumsmärkte entstehenden Handel angetrieben sein werden. Damit verringert sich ihre Abhängigkeit vom globalen Wachstum. Die relativ guten wirtschaftlichen Grunddaten und demografischen Trends der Schwellenländer sind ebenfalls von Vorteil, sodass die mittel- bis längerfristige Perspektive für diese Märkte weiterhin positiv ausfällt.

Quelle: Schroders

Die Schroders-Gruppe ist eine führende internationale Vermögensverwaltungsgesellschaft, die 1804 gegründet wurde. Schroders verwaltet Anlagen für Pensionsfonds, Regierungsbehörden, Wohltätigkeitsorganisationen, Körperschaften, Familienunternehmen und vermögende Privatpersonen weltweit und ist ein führender Verwalter von Investmentfonds. Schroders bietet Anlagen in allen wichtigen Vermögenskategorien in entwickelten Ländern und Schwellenländern an: Aktien, Schuldtitel, Geldmarktinstrumente, Beteiligungen und Immobilien. Das weltweit verwaltete Vermögen betrug zum 31. März 2006 rund 184,2 Mrd. Euro.