• EURO STOXX 50 - Kürzel: SX5E - ISIN: EU0009658145
    Börse: STOXX / Kursstand: 3.550,39 Pkt

Wien (GodmodeTrader.de) - Die Mehrheit der Marktteilnehmer beschreibt das Umfeld für das kommende Jahr folgendermaßen: Das gute globale Konjunkturwachstum setzt sich mit einem Wert von rund 3,5 Prozent auch 2018 fort; die Inflation bleibt mit drei Prozent auf dem Niveau von 2017; die Notenbanken reduzieren wohl die Unterstützung, allerdings sehr behutsam; die Unternehmensgewinne steigen im Jahr 2018 abermals zweistellig, wie Ingrid Szeiler, CIO der Raiffeisen KAG, in ihrem aktuellen Kapitalmarktkommentar zur Jahreswende schreibt.

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Auf Basis dessen kämen die Strategen in ihren Ausblicken nachvollziehbar zu positiven Meinungen für die Aktienmärkte. Erfahrungsgemäß lägen die prognostizierten Anstiege zwischen fünf und zehn Prozent. Nach dem Motto: Weniger sei dem Leser nicht zumutbar, mehr klinge unglaubwürdig. Für die Anleiherenditen würden zumeist leichte Anstiege vorausgesagt, heißt es weiter.

„Leider halten sich die Märkte nur selten an die Prognosen. Die Wertentwicklung des S&P 500 lag in den letzten 40 Jahren in 92,5 Prozent der Fälle außerhalb der erwähnten Bandbreite. Nicht nur deshalb ist es immer ratsam, in Alternativszenarien zu denken. Jenes auf der negativen Seite ist recht offensichtlich: Das aktuelle ‚Goldilocks‘-Szenario (wie eingangs beschrieben) wäre im Falle eines unerwarteten, starken Inflationsanstiegs rasch obsolet. Die Notenbanken müssten stärker bremsen, die Wachstumsaussichten würden sich eintrüben, so gut wie alle Marktsegmente wären negativ betroffen. Wahrscheinlichkeit: nicht zu vernachlässigen“, so Szeiler.

Aber auch das positive Übertreffen der Prognosen sei nicht schwierig zu konstruieren: Das Wirtschaftswachstum bleibe hoch bzw. beschleunige weiter. Die Inflation bleibe konstant. Technologieaktien zögen noch mehr Investoren an, Bitcoin erreiche 100.000 und Manchester City kaufe Messi für eine Milliarde, weil der Ölpreis zuvor auf 80 Dollar gestiegen sei. Globale Aktien stiegen um 25 Prozent, Staatsanleihen blieben stabil. Wahrscheinlichkeit: gering, heißt es weiter.

„Wir nehmen in Bezug auf die Aktienmärkte über den Jahreswechsel eine neutrale Position ein. Die zweifellos guten Fundamentaldaten stehen immer stärker überzogenen Stimmungsindikatoren gegenüber. Bei Anleihen bleiben wir vorsichtig, Rohstoffe sehen wir positiv“, so Szeiler.

Aktien: Potenzial für weitere positive Überraschungen begrenzt

Der US-Aktienmarkt befinde sich weiterhin in der Phase eines sehr stabilen Anstieges. Die Schwankungen seien dabei äußerst gering. Angetrieben werde der Markt von den großen Wachstumsaktien („Large Cap Growth"), die insbesondere im Technologiesektor zu finden seien. Der Markt sei gestützt von guten Fundamentaldaten (Konjunkturausblick, Unternehmensgewinne, niedrige Inflation) sowie von einem robusten technischen Bild (z. B. Marktbreite). „Wir sehen vor allem den wichtigen US-Aktienmarkt im historischen Vergleich als bereits sehr teuer bewertet“, heißt es weiter.

Die europäischen Aktienmärkte hätten in den letzten Monaten deutlich zulegen können. Sehr gute Konjunkturdaten, ein positives Bild bei den Unternehmensgewinnen sowie eine vorerst weiterhin sehr expansive Notenbankpolitik unterstützten diese Entwicklung. Die Erwartungshaltung der Investoren habe sich diesem positiven Bild aber angepasst und spiegle sich aktuell in einer sehr optimistischen Stimmung bei den Investoren wider. „Wir sehen daher das Potenzial für weitere positive Überraschungen kurzfristig begrenzt. Die Rahmenbedingungen bilden jedoch für die Entwicklung in den nächsten Monaten eine gute Basis. Die Bewertungen von Emerging Markets-Aktien befinden sich nach wie vor auf recht soliden Niveaus und werden weiterhin durch gutes Gewinn-Momentum tief gehalten. Dennoch erscheint die letzte Bewegung vor allem durch einen starken Sentiment-Shift – ausgehend von den USA – getrieben worden zu sein. Mittlerweile kommen die größten Indexgewichte bei den Emerging Markets ebenfalls aus dem Technologiesektor“, so Szeiler.

Staatsanleihen: US-Zinsanhebung wird in den Emerging Markets zum Thema

Während die Renditen für Staatsanleihen europäischer Kernländer zuletzt tendenziell weiter gesunken oder zumindest seitwärts gegangen seien, hätten sich Staatsanleihen aus den Peripherieländern zuletzt sehr gut entwickelt. Bei US-Staatsanleihen gebe die „Flachheit“ der Zinskurve weiterhin Rätsel auf. Im zweiten Halbjahr seien die zweijährigen Renditen um 36 Basispunkte gestiegen, die zehnjährigen allerdings nur um vier Basispunkte. Das bringe die Differenz auf nur noch 60 Basispunkte, was dem niedrigsten Wert der letzten zehn Jahre entspreche. Es stelle sich die Frage, ob diese Entwicklung mit dem aktuellen Konjunktur- und Zinsausblick konsistent sei. Vermutlich nicht, heißt es weiter.

„Die Renditeaufschläge bei Hartwährungsanleihen sind weiter rückläufig, getrieben von einem Emerging Markets freundlichen Umfeld: solides Wachstum unterstützt von steigenden Rohstoffpreisen. Interessant ist, dass hingegen bei Lokalwährungsanleihen eine etwas schwächere Währungsentwicklung bemerkbar ist, sowohl gegenüber dem US-Dollar als auch gegenüber dem Euro. Dies hängt wohl damit zusammen, dass das Thema Zinsanhebungen der US-Notenbank – zumindest am kurzen Ende der US-Zinskurve – recht deutlich gespielt wird. Ein gewisses Risiko besteht weiterhin, weil der Markt die zu erwartenden Zinsanhebungen der Fed noch nicht vollständig reflektiert hat“, so Szeiler.

Reale Assets – zuletzt deutlich zugelegt

Die Rohstoffmärkte hätten ein deutliches Lebenszeichen von sich gegeben: Der Preis der Rohölsorte Brent beispielsweise sei von 49 auf knapp unter 65 US-Dollar pro Fass gestiegen. Auch Industriemetalle, wie Kupfer und Aluminium, hätten zwischenzeitig rund 20 Prozent zugelegt. Das gemeinsame Thema sei dabei, dass die Nachfrage nach Rohstoffen aufgrund der robusten globalen Konjunktur stark sei und auf Produktionsmengen treffe, die etwas geringer seien als erwartet, heißt es weiter.

„Wir schätzen ein Investment in Rohstoff-Futures weiterhin als attraktives langfristiges Investment ein, nehmen jedoch im Dezember bei den Energierohstoffen Gewinne mit und reduzieren die Position“, so Szeiler.