In der vergangenen Woche hatten wir Ihnen an dieser Stelle einige Kursverläufe mit bemerkenswerten und teilweise historisch einzigartigen Entwicklungen gezeigt.

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Darauf aufbauend wollen wir diesmal einige Grafiken betrachten, die erahnen lassen, dass wir im kommenden Jahr in der Tat mit außerordentlich ungewöhnlichen Ereignissen konfrontiert sein dürften.

Zunächst ein Blick auf die langlaufenden US-amerikanischen Staatsanleihen:

Immer wieder ist in jüngster Zeit zu lesen, die Zinswende in den USA sei bereits in vollem Gange und deutlich höhere Renditen nur noch eine Frage der Zeit. Ein Blick auf die Quartalsbetrachtung der 30jährigen US-Bonds relativiert diese Aussage:

Wie in der folgenden Grafik zu sehen ist, wurde die seit 30 Jahren gültige grüne gestrichelte Aufwärtstrendlinie bislang nicht unterschritten. Das heißt, bis zum Beweis des Gegenteils, ist der Bullenmarkt bei langlaufenden US-Bonds weiterhin intakt. Im Umkehrschluss bedeutet dies, dass die Renditen in den USA entgegen der Massenerwartung mittelfristig nicht steigen, sondern fallen müssten.

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Wird die US-Notenbank ihren mittlerweile schon recht weit fortgeschrittenen Zinsanhebungszyklus also demnächst beenden? Interessanterweise hat Fed Chef Jerome Powell genau dies am Mittwoch durchblicken lassen – und schon kannten die Märkte kein Halten mehr. Mein Kollege Oliver Baron hat die Ereignisse im folgenden Beitrag zusammengefasst…

Nach der nächsten Fed-Sitzung im Dezember dürften wir über die weitere Strategie der US-Notenbank um einiges schlauer sein. Bislang ist davon auszugehen, dass es zunächst noch einen weiteren Zinsschritt geben wird – doch anschließend könnte die Luft dünn werden.

Das lässt nicht zuletzt ein Blick auf den Quartalsverlauf des S&P 500 erahnen. In der folgenden Grafik fallen zwei Dinge auf:

Erstens der außerordentliche Umsatzanstieg im ersten Quartal dieses Jahres. Schon im Frühjahr wurde erkennbar, dass wir es bei den Entwicklungen in diesem Jahr mit einer potentiellen oberen Umkehr zu tun haben. Wir hatten unsere Leser rechtzeitig darauf aufmerksam gemacht – zu einer Zeit, da andernorts von Dauerhausse und nie endendem Bullenmarkt die Rede war. Achten Sie auf die blaue Markierung in der folgenden Abbildung.

Genauso wichtig für die Einschätzung der künftigen Entwicklung ist eine weitere charttechnische Beobachtung: Mit dem Schlusskurs zum dritten Quartal 2018 hat sich beim marktbreiten S&P 500 ein „bearish engulfing pattern“ gebildet, das für die mittelfristige Perspektive fallende Kurse ankündigt. Achten Sie auf die rote Markierung in der folgenden Abbildung. Die starke Performance der US-Börsen im Nachgang der Powell-Rede in dieser Woche ändert hieran zunächst überhaupt nichts.

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Bemerkenswert ist an dieser Stelle ein Blick auf den Kursverlauf des Russell 2000, in dem kleinere US-Unternehmen zusammengefasst werden. In der folgenden Betrachtung auf Monatsbasis ist gut zu erkennen, dass es in den vergangenen 30 Jahren nur einmal zu einem ähnlichen Ereignis gekommen war, wie im Oktober 2018 – und zwar auf dem Höhepunkt der Verkaufspanik an den Aktienmärkten Ende 2008. Achten Sie auf die rote Markierung in der folgenden Grafik.

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Zählt man nun eins und eins zusammen, könnte man zu der Schlussfolgerung kommen, dass die US-Notenbank bei weiteren Aktienmarktturbulenzen schon im ersten Quartal 2019 ihren Zinsanhebungszyklus beenden, womöglich gar ins glatte Gegenteil verkehren könnte, um so die taumelnden Aktienmärkte ein weiteres Mal zu „retten“.

Ob das klappt, wird sich zeigen. Insbesondere wird sich zeigen, ob die Anleger weitere Taschenspielertricks der Notenbank zähneknirschend akzeptieren - oder ob sie den Zentralbankbürokraten allmählich das Vertrauen entziehen.

Sollte Letzteres der Fall sein, befinden wir uns im Endspiel und unmittelbar vor dem großen Finale. Lassen sich die Anleger dagegen weiter an der Nase herumführen, könnte die Börsenparty in eine Art „Katastrophenhausse“ münden – mit äußerst ungemütlichem Ausgang, wie schon der Begriff erahnen lässt.

2019 könnte in dieser Hinsicht sehr aufschlussreich werden.

In weitaus größere Probleme als die Fed könnte bei einer anhaltenden Börsen- und Konjunkturflaute allerdings die Europäische Zentralbank kommen. Denn während sich die Fed in den zurückliegenden Monaten einigen Zinssenkungsspielraum erarbeitet hat, liegen die Zinsen in Europa nach wie vor im Keller. In diesem Zusammenhang ist ein Blick auf die folgende Grafik von Interesse:

Politik und Medien haben es geschafft, den wichtigsten Industriezweig Deutschlands so nachhaltig zu beschädigen, dass die Produktionszahlen in der deutschen Automobilindustrie zuletzt einen Absturz zu verzeichnen hatten, der an die extremen Einbrüche im Umfeld der Finanzkrise 2008 erinnert. Dazu die folgende Grafik:

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Ein schwacher DAX ist vor diesem Hintergrund für 2019 somit eine relativ sichere Wette.

Schwache Konjunkturdaten in Europa und den USA und im Zuge dessen mittelfristig wieder deutlich fallende Zinsen, womöglich im Verbund mit einer neuerlichen Geldflut der Notenbanken, könnten mittelfristig auch den Goldpreis zu neuem Leben erwecken. Wie explosiv die Lage dort mittlerweile ist, das lässt ein Blick auf den langfristigen Kursverlauf von Branchenschwergewicht Barrick Gold (ABX) in der folgenden Abbildung erahnen.

Klare Sache: Sollte der Goldpreis seine Fesseln abstreifen, dürften Anleger bei Titeln aus dieser Branche nach der scheinbar nie endenden „Streckfolter“ auf Sicht einiger Monate oder gar Jahre sehr erfreulich abschneiden. Abzuwarten ist bei der Barrick-Aktie allerdings ein Wochenschlusskurs oberhalb von 14 US-Dollar…

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In Summe zeigen die Entwicklungen, dass 2019 so spannend und vielleicht auch so turbulent werden könnte, wie wohl kein anderes Börsenjahr seit dem bisherigen Höhepunkt der internationalen Finanzkrise vor rund einer Dekade…

Seien Sie auf alles vorbereitet...

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Zum Autor:

Andreas Hoose ist Chefredakteur des Antizyklischen Börsenbriefs, einem Service der BörseGo AG. Weitere Informationen finden Sie unter www.antizyklischer-boersenbrief.de


Andreas Hoose vertritt mit diesem Artikel seine eigene Meinung. Diese muss sich nicht zwangsläufig mit der Meinung von GodmodeTrader decken. Es erfolgt keine Prüfung durch eine Schlussredaktion.