Der Schuldenberg der Welt hat ein neues Rekordhoch erreicht. Innerhalb von nur zwei Jahrzehnten stiegen die Schulden von knapp 70 Billionen auf über 200 Billionen. Das ist ein starkes Stück. Kann die Weltwirtschaft diese Bürde verkraften? Und wie soll es weitergehen?

Die relative Verschuldung ist nicht ganz so stark gestiegen, denn auch die Wirtschaftsleistung hat sich vervielfacht. Die Verschuldung – gemessen an der Wirtschaftsleistung – stieg von 230 % auf 318 %. Sie konnte damit im Vergleich zu 2016 trotz steigender Absolutbeträge etwas zurückgehen und zwar von 325 % auf 318 %.

Steigende Schulden per se müssen keine Problem sein, wenn die Wirtschaftsleistung entsprechend mitzieht. Die Verschuldung kann sogar abgebaut werden. Langfristig ist das noch nie effektiv gelungen. Ohne Schuldenschnitte geht es kaum.

Dass die Verschuldung überhaupt über 300 % steigen konnte, ist bemerkenswert. Eigentlich ist die Schuldenlast damit schon viel zu groß. Man fragt sich, wie lang das noch so weitergehen kann. Irgendwann muss doch der Schuldenberg zu hoch sein, um ihn noch tragen zu können.

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Die letzten Jahre haben uns eines Besseren belehrt. Es ist fast so, als ob eine neue Zeitrechnung begonnen hätte. Früher gab es einen Zusammenhang aus Verschuldung, Tragfähigkeit und Zinsen. Heute gilt das so nicht mehr. Griechenland zahlt für Anleihen mit einer Laufzeit bis 4 Jahre niedrigere Zinsen als die USA.

Griechenlands Schulden sind eigentlich nicht tragfähig. Trotzdem reißen sich Investoren um die Papiere. Schulden scheinen schon lange nicht mehr relevant zu sein. Hauptsache, es gibt überhaupt noch einen Zins.

Der Grund für die neue Zeitrechnung liegt auf der Hand. Notenbanken haben den Markt leergekauft und die Zinsen gedrückt. Dort, wo sie keine Anleihen gekauft haben – wie z.B. im aktuellen QE Programm der EZB in Griechenland – übernehmen Privatanleger die Funktion. Sie kaufen lieber Anleihen mit hohem Risiko als deutsche Anleihen zu Negativzinsen in die Bücher zu holen.

Nicht jedes Land kann sich so etwas leisten. Beginnen Emerging Markets ihren Staat durch die Notenbank zu finanzieren (siehe Venezuela), kommt es zu einer massiven Geldentwertung und Hyperinflation. Im Westen scheint das nicht zu gelten.

Als QE begann, waren sich alle einig, dass es zu hoher Inflation kommen würde. Das war wahrscheinlich die Fehlprognose des Jahrhunderts. Man hätte es wissen können. Solange frisches Geld nicht genutzt wird, um Güter zu kaufen, führt es auch nicht zu höherer Inflation bei Gütern des täglichen Bedarfs. Bei Vermögenswerten sieht es anders aus.

Wie dem auch sei, es scheint, als ob die Schulden irrelevant geworden wären. Viele warten immer noch auf den großen Kollaps, weil ein so hoher Schuldenberg eigentlich nicht mehr tragbar ist. Nun, solange Notenbanken im Notfall einspringen und Investoren ihren Glauben an die Notenbanken nicht verlieren, wird es diesen Kollaps nicht geben.

Erst wenn Investoren den Notenbanken ihr Vertrauen entziehen, kommt es zu einem echten Problem. Wer darauf wartet, empfehle ich nicht, den Atem anzuhalten, denn das kann dauern.