So schnell kann es gehen: Weniger als zwei Jahre brauchte der brasilianische Unternehmer Eike Batista, um ein riesiges Milliardenvermögen zu vernichten. Der einstmals reichste Mann Brasiliens und siebtreichste Mensch der Welt, steht kurz davor, alles zu verlieren. Noch Anfang 2012 erreichte Batistas Vermögen laut Forbes einen Höchststand mit rund 30 Milliarden US-Dollar, aber nun steht Batista vor einem Trümmerhaufen.

Hintergrund ist der Kollaps von Batistas Firmenimperium rund um seinen Ölkonzern OGX. In den vergangenen Jahren haben die OGX-Aktien rund 98% ihres Werts verloren. Nach aktuellen Medienberichten hat OGX Anleiheschulden im Volumen von 3,6 Milliarden Dollar aufgehäuft und steht kurz vor der Zahlungsunfähigkeit. Zinszahlungen für eine Anleihe, die eigentlich am Dienstag fällig werden, wird der Konzern bereits nicht mehr zahlen, wie nun mitgeteilt wurde. Laut den Anleihebedingungen hat der Konzern allerdings 30 Tage Zeit, um die Zinsen doch noch zu zahlen. Werden innerhalb dieses Zeitraums keine neuen Geldmittel aufgetrieben, muss OGX aber wohl einen Insolvenzantrag stellen.

Zuletzt wurde Batista von OGX aufgefordert, eine Milliarde Dollar nachzuschießen. OGX beruft sich dabei auf eine Put-Option aus dem Jahr 2012, wonach Batista offenbar dazu verpflichtet ist, neue OGX-Aktien im Volumen von einer Milliarde Dollar zu zeichnen. Batista will dieser Forderung allerdings nicht nachkommen, wie er am vergangenen Freitag erklärte, weil er verschiedene juristische Zweifel hat (und die geforderte Milliarde überhaupt nicht mehr besitzt). Batista kündigte an, ein Schiedsgericht anrufen zu wollen. In den vergangenen Monaten hatte Batista sich bereits von verschiedenen Beteiligungen an Unternehmen getrennt.

Der Niedergang von Batistas Firmenimperium ist vor allem deshalb so interessant, weil es hier in erster Linie NICHT um riskante Finanzspekulationen geht (auch wenn es Anschuldigungen wegen Insiderhandels gibt), sondern um ganz realwirtschaftliche Investitionen. OGX investierte vor allem in neue Ölfelder. Allerdings hielten diese Ölfelder nicht, was sie versprachen: Die Ölvorkommen waren so gering, dass eine Ausbeutung ökonomisch unsinnig gewesen wäre. Nur in einem einzigen Ölfeld lohnte sich die Produktion. Milliardenbeträge wurden für nutzlose Investitionen ausgegeben, OGX verschuldete sich immer höher und nun steht OGX vor einem Trümmerhaufen, genau wie Eike Batista.

Oliver Baron