Der 3D-Drucksektor ist nichts für schwache Nerven

Erst kam der große Hype zwischen 2012 und 2014, in dem sich kaum eine Aktie nicht mindestens vervierfachte, dann kam der tiefe Fall von 2014 bis Anfang 2016. Die meisten Aktien gaben während des Selloffs 80 % und mehr nach. Die Gewinne des Hypes wurden wieder komplett verloren.

Der 3D-Drucksektor machte das durch, was viele neue Sektoren früher oder später durchmachen. Kaum eine neue und innovative Branche bleibt vom sogenannten Hype-Cycle verschont. Dabei bleibt eine Branche zunächst viele Jahre unter dem Radar. Aktienkurse bewegen sich auf tiefem Niveau seitwärts. Plötzlich und quasi aus dem Nichts wird der Sektor entdeckt, die Presse ist voll von unglaublichen Vorhersagen und die Aktien springen an. Für gewöhnlich kommt es zu einer Vervielfachung der Kurse. Wenige Jahre später kommt die Ernüchterung. Keine der Vorhersagen trifft ein. Die Kurse kollabieren.

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Nach dem Platzen der Blase schieben sich die Aktienkurse für gewöhnlich jahrelang seitwärts. In dieser Zeit konsolidiert der Sektor, verschwindet wieder vom Radar und geht seinen Weg. Viele der Vorhersagen, die zunächst nicht eingetreten sind, treten nun nach und nach doch noch ein. Aktien springen wieder an und es beginnt ein langer Aufwärtstrend.

Der 3D-Drucksektor befindet sich erst seit knapp 3 Jahren im Abwärtstrend bzw. in der Konsolidierung. Käme es nun schon wieder zu hohem und profitablen Wachstum wäre es einer der kürzeren Hype-Cycle gewesen. Möglich ist das, wenn auch nicht sonderlich wahrscheinlich.

Fantasie durch Übernahmen

Ermöglichen könnten es die zwei Übernahmen, die General Electric angekündigt hat. GE will den deutschen Hersteller SLM Solutions und das schwedische Unternehmen Arcam kaufen. Geboten werden 1,4 Mrd. Dollar. Das ist ein ziemlich stattlicher Preis. Es ist nicht nur ein Aufpreis von 60 % auf die Kurse kurz vor der Ankündigung, sondern vor allem ein hoher Preis für wenig Umsatz. Grafik 1 zeigt die Umsatzentwicklung von an der Börse notierenden 3D-Druckunternehmen. Arcam und SLM hatten zuletzt einen kombinierten Umsatz von gerade einmal 150 Mio. Dollar. GE zahlt mehr als das Neunfache des Jahresumsatzes für die Unternehmen.

Vergleicht man den Kaufpreis mit dem Gewinn, den die Unternehmen erwirtschaften, dann staunt man noch mehr. Arcam und SLM erwirtschafteten zuletzt weniger als 10 Mio. Dollar Jahresgewinn. Das KGV liegt deutlich über 100. Einen so hohen Preis für so wenig Umsatz und Gewinn zahlt man nicht, wenn man nicht an den Sektor und seine Möglichkeiten glaubt.

Als Anleger fällt einem der Glaube derzeit schwer. Der Sektor beendete sein rasantes Wachstum im Jahr 2014. 2016 wird wahrscheinlich das dritte Jahr, in dem der Umsatz stagniert. Danach soll es langsam wieder bergauf gehen. Auf die Gewinne (Grafik 2) sollte man besser nicht achten. Der Sektor war noch nie sonderlich profitabel. Zwischen 2012 und 2015 wuchsen die Verluste nahezu ins Unermessliche. Selbst bis 2018 wird derzeit nicht damit gerechnet, dass der Sektor insgesamt wieder profitabel sein wird.


Arcam und SLM sind im Gegensatz zu vielen anderen Unternehmen profitabel. Bis sich der Kaufpreis von 1,4 Mrd. jedoch rechnet, vergehen viele Jahre, wenn nicht sogar Jahrzehnte. Viele Prognosen gehen zwar davon aus, dass der Sektor bis 2020 Umsätze von 20 Mrd. Dollar erreichen kann, doch in den Geschäftszahlen ist davon wenig zu erkennen. Wachstum muss man derzeit noch mit der Lupe suchen und so viel Zeit ist dann bis 2020 auch nicht mehr.

GE zahlt einen hohen Preis

Trotzdem greift GE tief in die Tasche, um sich zwei Unternehmen des Sektors zu sichern. An der Technologie muss also etwas dran sein. Die Möglichkeiten, wie sie im Hype gesehen wurden, sind nach wie vor vorhanden. Ob sie sich innerhalb der nächsten Jahre jedoch materialisieren steht auf einem ganz anderen Blatt.

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Die große Vision ist durchaus bestechend: es wird nicht mehr im klassischen Sinn produziert, sondern einfach gedruckt. Man kann dabei so ziemlich alles drucken, was man will. Das sollte langfristig Kosten sparen und sehr viel mehr Individualisierung zulassen. Bisher handelt es sich dabei noch um eine Vision. Die Drucker sind zu langsam und Kostenvorteile gibt es kaum. Nur für Spezialanfertigungen und Einzelstücke macht der 3D-Druck derzeit Sinn.

Die Investition von GE kann dem Sektor trotz aller Probleme nun neuen Schwung verleihen. GE hat praktisch das Rennen um den technologischen Vorsprung eröffnet. Es könnte eine Investitionswelle folgen, weil niemand zurückbleiben möchte. Es lohnt sich, den Sektor im Auge zu behalten. Die Übernahmen durch GE sind möglicherweise ein lang ersehnter Game-Changer.

Clemens Schmale

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