70 Milliarden Dollar – diese Summe hat der staatlich-brasilianische Ölkonzern Petrobras in einer Kapitalerhöhung aufgenommen – eine Summe, die bei manchem Aktionär hier in Deutschland einen kurzzeitigen Herzstillstand auslösen würde. Nicht so in Amerika – dort steigen die Petrobras-Aktien an der NYSE heute um 0,37%.

    Wer besonders an der Kapitalerhöhung profitieren dürfte, sind die Unternehmen, die das Geld einmal erhalten werden. Petrobras will mit den neuen Mitteln Offshore-Öl und Offshore-Gas-Felder explorieren und erschließen und benötigt dazu, wie auch schon bei den bestehenden Projekten, ausländische Hilfe. Profit schlagen werden daraus Offshore-Driller, die einen harten Sommer hatten, nachdem die Ölkatastrophe im Golf von Mexiko ein schlechtes Licht auf die Branche warf.

    Um ein Bild davon zu bekommen, wie groß die Kapitalerhöhung ist, reicht es, sich den weltweit bis heute größten Börsengang ins Gedächtnis zu rufen. Das war die chinesische Agricultural Bank, die an der Börse 22,1 Milliarden Dollar erlöste. Petrobras will jetzt also locker mal die dreifache Summe über die Börse holen. Erstaunlich dabei ist, dass eine Nachfrage für die Kapitalerhöhung von 87 Milliarden Dollar zu Buche stand, obwohl es nur neue Aktien im Umfang von 70 Milliarden Dollar gegeben hat. Zu den Bietern gehörte auch der brasilianische Staat, der seinen Anteil von 40 auf 48% erhöhte.

    Primär will Petrobras die Mittel für die Erschließung des Tupi-Ölfeldes verwenden, das den saudischen Elefantenfeldern in nichts nachsteht, außer in einem: Der schieren Tiefe der Vorkommen. Wenn es gelingt, das Feld zu erschließen, und das könnte 270 Milliarden Dollar verschlingen und zehn Jahre lang dauern, dann würde Petrobras seine Ölfördermenge verdoppeln und Brasilien zu einem der größten Ölexporteure der Welt machen. Lula da Silva, der brasilianische Präsident, denkt sogar über einen Beitritt zur OPEC nach.

    Wenn Sie in diese Story investieren möchten, schauen Sie sich doch einmal die Offshore Erdgas- und Erdöl-Service-Unternehmen an. Sie müssen aber an die Zukunft der Industrie glauben, auch nach der massiven Umweltverschmutzung, die BP mit seiner Offshore-Plattform im Golf von Mexiko anrichtete.