Das europäische Bargeld ist nun 5 Jahre alt. Können Sie sich noch erinnern, wie Sie neugierig und mit stark gemischten Gefühlen die ersten frischen, duftenden Scheine aus dem Automaten zogen? Die Skeptiker waren damals wortstark und omnipräsent, von einem zwangsweise zum Scheitern verurteilten Experiment war oftmals die Rede. Und was ist heute, 5 Jahre danach? Der Euro ist fast auf Allzeithoch, und die EZB meistert ihren Job ebenso gut wie ehedem die gute alte Deutsche Bundesbank. So lange sich Politiker aller Couleur mit ihren Begehrlichkeiten nicht durchsetzen (es gibt wieder verschärfte Stimmen, die ein Ende der Unabhängigkeit der EZB fordern) muss man sich auch nicht allzu große Sorgen machen. Erstaunlicherweise ist die Stimmung in der Bevölkerung aber immer noch eher Kontra-Euro. Wenig überraschend überwiegend in den Ländern, die europaweit ökonomisch underperformen. Bestes Beispiel ist Italien, wo selbst Spitzenpolitiker mit der Wiedergeburt der Lira sympathisieren, aber auch in Frankreich gibt es eine stärker werdende Front von Befürwortern einer Wiedereinführung des Franc. Was dahinter steckt ist klar: Es soll wie früher wirtschaftspolitisches Versagen durch eine aggressive Wechselkurspolitik kaschiert werden. Die „Stabilität“ dieser Währungen war geradezu legendär, nichts war verlässlicher in den betroffenen Ländern als hohe Inflationsraten und hohe Zinsen. Letzteren Punkt übersehen die Altwährungs-Nostalgiker gerne: Vom derzeit herrschenden niedrigen Zinsniveau in der Euro-Zone profitieren schließlich alle teilnehmenden Staaten, unabhängig davon was sie dazu beitragen. Die großen Länder, allen voran Deutschland, haben ihre Stabilität und damit niedrige Zinsen quasi als Vermächtnis eingebracht. Das Gejammer der anderen ist daher noch weniger erträglich als das Berufs-Lamentieren bei uns (das ja derzeit erfreulicherweise abflaut). Wie hoch wäre wohl der Zins momentan in Italien ohne Euro? Sicher, eine schwächere Währung vereinfacht Exporte, aber wie heißt denn der Exportweltmeister? Deutschland! Eine dauerhaft starke Währung in einem exportorientierten Land ist einer der wichtigsten Garanten für einen andauernden Prozess der Innovation und Produktivitätssteigerung. Und natürlich ist auf diese Weise die Inflation zumindest von einer Seite unter Kontrolle, weil Importe tendenziell billig sind. Bleibt unsere Währung dauerhaft stark? Tendenziell ja, von den großen Notenbanken (Fed, BoJ, EZB) ist die EZB am stärksten dem Thema Geldwertstabilität verpflichtet. Gefahr droht dem Euro allerdings langfristig von der EU-Erweiterung. Rumänien und Bulgarien sind die neuesten Mitglieder im EU-Club, wenn auch noch lange nicht der Euro-Zone angehörig – und das ist auch gut so. In dem Maße wie auch der Euro weiter geographisch expandiert, wird die Herausforderung für die EZB steigen. Das wird aber die nächsten Jahre noch kaum ein Thema sein.

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Editorial aus dem kostenlosen Godmode FOREX Report Börsenbrief

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Autor: Daniel Kühn

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