Die Hausse läuft, aber sie steht auf unsoliden Füßen. Jede kleine Bemerkung, die auch nur ein leichtes Abflauen der beispiellosen Gelddruckorgien rund um den Globus andeutet, führt sofort zu rabiaten Kurseinbrüchen. Diese werden allerdings derzeit noch sehr schnell wieder ausgebügelt.

Es ist überdeutlich zu spüren, dass nicht gute Fundamentaldaten der Motor des Börsenaufschwungs sind. Den Löwenanteil verantworten die Notenbanken, indem sie die Märkte mit viel billigem Geld versorgen. Das ist keine gesunde Basis. So kann es, so darf es nicht mehr lange weitergehen. Das sagen die einen. Die anderen sagen genau das Gegenteil: Am besten noch mehr Geld! Die Ökonomenriege um Paul Krugman, die in der Diskussion immer mehr Gewicht erlangt, verniedlicht im Zuge dieser Forderungen Inflationssorgen bis hin zur Lächerlichkeit. Der scheinbare Erfolg der „Abenomics“ des derzeitigen japanischen Premiers Shinzo Abe spielt den Liquiditäts-Surfern in die Hände. Der Nikkei hat in wenigen Monaten mehr als 50% zugelegt, und auch die japanischen Wirtschaftsdaten verbesserten sich zuletzt deutlich.

In der Eurozone gerät durch die jüngste Entwicklung in Japan die harte deutsche Position noch mehr unter Beschuss. Denn scheinbar bringt der Sparansatz Deutschlands nichts – die südeuropäischen Ökonomien stecken weiterhin in tiefen Krisen. Die notwendigen Strukturreformen, die in Kombination mit den Sparpaketen angegangen werden (sollen), können niemals so rasch wirksam werden wie massive Geldinfusionen. Der richtige Weg ist meist der mühsamere, und so ist es auch hier. Ein paar 100 Mrd. EUR frisches Geld bringen akut ganz sicher der Wirtschaft mehr als das Streichen von 100 TSD überflüssigen Stellen in der öffentlichen Verwaltung. Aber der Kern der Probleme muss angefasst werden. Einem Alkoholiker geht es nach einer Blutwäsche sicherlich auch zunächst besser, aber er sollte doch besser mit dem Trinken aufhören.

Man kann nur hoffen, dass die Kanzlerin stark bleibt. Vor den Wahlen zum Bundestag im September wird wohl nicht viel passieren – danach kommt es vermutlich zur Richtungsentscheidung, die natürlich maßgeblich vom Wahlergebnis abhängt. Die anschließenden Konflikte auch innerhalb Deutschlands werden spannend. Die Bundesbank bzw. ihr Präsident Jens Weidmann äußert sich bereits in einer Intensität kritisch über die Politik der EZB, die unter Freunden kaum üblich ist. Der nächste Kanzler oder die nächste Kanzlerin wird, falls das Modell Japan von EZB und den EU-Staaten auch nur ansatzweise kopiert wird, Ausschau nach einem Nachfolger halten müssen. Aber das ist ja nichts Neues….

Ihr Daniel Kühn